2600 Blue Marvin und Gray Meanie


    Volks-Synthesizer von Behringer


    Die Behringer Neu-Interpretation des ARP 2600 ist wirklich grandios gelungen! Natürlich ist er anders, als ein 50 Jahre alter ARP - und ich bin der Meinung, dass das nicht mal schlecht ist! Es ist ja nicht so, dass der ARP 2600 perfekt war. Vor Jahren hatte ich zusammen mit Eric van Baaren einen Vergleich verschiedener 4072 Filter durchgeführt. Die Filter wurden in verschiedene ARPs eingesetzt und klangen in jedem ARP anders (ein- und dasselbe Filter!). D. h., das vorher als "Bestes" identifizierte Filter klang in einem anderen ARP mittelmässig (das liegt an grossen Bauteil Toleranzen bei diskreter Bauweise). Genau dies ist mit dem Behringer 2600 Vergangenheit - wie auch die Pratt Read Tastatur. Die fühlte sich beim Spielen zwar viel direkter an, als eine MIDI-Tastatur, war aber sehr anfällig (Glitches / Kontakte). Auch werden die Instrumente durch die Pratt Read Tastatur zusätzlich "individualisiert", da sich die ganzen Einzelkontakte natürlich nicht identisch verhalten. Deutlich engere Werte-Toleranzen bei den heutigen Bauteilen zuppeln alles genauer zusammen. Bisher hatte ich SMD-Bauweise bei Synthesizern als eher negativ wahrgenommen, der Behringer 2600 hat das schlagartig geändert.

    Der Gray Meanie wirkt klanglich aufgeräumter, weniger "überbordend", insgesamt auch filigraner - und die einzelnen Gray Meanies sind nun kaum voneinander zu unterscheiden. Die differenziertere Übertragung gilt auch für die Signale, die über den Preamp direkt in den VCA gehen. Sehr überrascht hat mich, wie ähnlich der ARP Little Brother klingt, wenn ich ihn einschleife und mit den Behringer VCOs (über den Behringer VCA) vergleiche - der Little Brother hat den VCO des ARP 2600 und bringt mehr "Vintage 2600 Verwaschenheit" und ist im Bass-Register etwas kräftiger. Die grosse klangliche Ähnlichkeit des Behringer 2600 hatte ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet. Wirklich beeindruckend!

    Durch das geringe Gewicht ist der Gray Meanie unkompliziert auch in bestehende Setups zu integrieren. Hier wird er (und darüber der Little Brother) durch einen Doppel-Monitorarm gehalten - und das ist ohne Abstriche gut (nicht wackelig) - aber der 2600 entfaltet seine Stärken vor allem beim direkten Spiel und voller Zuwendung. Er ist als Instrument entworfen worden. Die meisten Klänge des 2600 gewinnen enorm an Lebendigkeit, wenn ein oder zwei Slider beim Spielen zur Modulation bewegt werden. Deshalb sollte er, wie ein Instrument, zentral und nahe vor einem sein (ich bevorzuge im Winkel von 45 bis 60 Grad) - idealerweise mit einem Keyboard davor. Ich werde deshalb weiter mit dem Aufbau experimentieren - und ihn auf die "eigenen Füsse" bringen.

    Die alten ARP 2600 sind mit Preisen, teilweise deutlich über €10.000, inzwischen ziemlich überteuert, Pflege und Anfälligkeit der 40-50 Jahre alten Instrumente sind nicht jedermanns Sache - wie auch der Transport der beiden grossen Kisten - und viele Original-Ersatzteile sind nur noch schwer oder gar nicht mehr zu bekommen. Der Behringer 2600 - insbesondere als Blue Marvin und Gray Meanie - ist DER Synthesizer, den ich jedem ans Herz lege, der sich (noch) einen Synthesizer anschaffen will - insbesondere, wenn es der erste Synth werden soll. Gray Meanie, Blue Marvin oder einfach der Behringer 2600 für € 619.- haben definitiv das Zeug zum Volks-Synthesizer.


    Gray Meanie auf der Behringer Website: Behringer 2600 Gray Meanie

    Blue Marvin auf der Behringer Website: Behringer 2600 Blue Marvin



    Die Details

    Im zweiten Anlauf scheint Behringer (für mein Empfinden) die richtigen Korrekturen vorgenommen zu haben: Nachdem mit dem "Behringer 2600" (Ende 2020) meines Erachtens ein paar Dinge "etwas unglücklich" waren - technisch: ein "problematisches" Digital-Reverb anstelle eines Spring-Reverbs (wie im Original), ästhetisch: das ARP black/orange Design mit farbcodierierten LED-Sliders im "Weihnachtsbaum-Look" - sind bei den seit März 2021 ausgelieferten Folge-Modellen "Blue Marvin" und "Gray Meanie" (Bild) einige Dinge verändert worden, die genau die (mich) störenden Aspekte beheben oder zumindest verringern - und das für schlappe € 4.- (vier Euro) Aufpreis (€ 619.- statt € 615.-)!


    Die Namen "Blue Marvin" und "Gray Meanie" waren die Kosenamen der ersten beiden Vor-Serien des ARP 2600 von 1971 (Foto: ARP Gray Meanie). Diese Originale unterschieden sich untereinander nur durch die Farbe und die besser organisierte Produktion des Gray Meanie - vom Blue Marvin gab es nur ca. 25, vom Gray Meanie 35 Stück. Beide Modelle hatten jedoch bessere Bauteile (z.B. Teledyne VCOs), die aus Kostengründen nicht in den späteren ARP 2600 Baureihen verwendet wurden.

    Auch die beiden neuen Behringer Modelle unterscheiden sich nur farblich voneinander und sind, im Unterschied zum "black/orange" Behringer 2600, mit "sorgfältig ausgewählten, hochwertigen Komponenten für verbesserte Leistung, einem mechanischen Federhall und einfarbigen Fader-LEDs ausgestattet". Diese "hochwertigen Komponenten" werden hoffentlich ihre Wirkung zeigen - es ist ja eine generell willkommene Aussage - und hoffentlich fanden auch die Teledyne VCOs des "ARP Gray Meanie" die verdiente Aufmerksamkeit. Alles das kann ich aber nicht vergleichen. Die einfarbige Gestaltung und einfarbigen LED-Sliders beruhigen die Optik ungemein - und wenn schon schlechter Hall, dann lieber Spring Reverb.


    Sofort hatte mich (schon beim ersten Modell) das Re-Design des Panels der Behringer 2600 beeindruckt. Obwohl es zum Original ARP 2600 einige Veränderungen gibt, ist der Charakter völlig erhalten geblieben und das ist, besonders für ehemalige ARP-isten, sofort erkennbar. Das Layout zeigt deutlich, wie sorgsam "der Spirit" des A.R. Pearlman hier weitertransportiert wurde, denn die "grossen" ARP Synths klangen nicht nur gut - sie bestachen auch durch ihre einmaligen Panel Layouts - schon vor dem ersten Anschalten! Und, gottlob, wurden von Behringer beim 2600 keine unnnützen Sequencer oder andere Gimmicks hinzugefügt. Der 2600 wurde auf 19 Zoll, 8HE verkleinert, auf 5,1 kg erleichtert, Tastatur, Lautsprecher und Case weggelassen, und stattdessen der LFO und die Controller des ARP 3620 Keyboards auf dem 2600-Panel untergebracht - eine wirklich gute Entscheidung, weil sonst einer der drei VCO die Aufgabe des LFO hätte erledigen müssen.



    Die Veränderungen / Additionen am Behringer 2600 verweisen, wie schon das Re-Design des Panels, auf grosses Feingefühl und viele ARP 2600 Erfahrungen, denn es sind genau die Punkte verbessert worden, die (damals) von vielen ARP 2600 Besitzern gewünscht wurden. Insbesondere die "Time Factor" Switches waren wohl die häufigste Modifikation der original ARPs - weil die Hüllkurven weder kurz- noch lang genug waren. Manche Dinge waren aber (für die meisten Leute) unveränderbar - und auch hier hat Behringer eingegriffen. Doch zuerst zum Anfang: im folgenden Bild habe ich versucht, die Unterschiede zum historischen Original herauszustellen und (vor allem) für Nicht-Kenner des ARP 2600 sichtbar zu machen. Das Grössenverhältnis der beiden abgebildeten Modelle habe ich, zur besseren Erkennbarkeit, aneinander angepasst. Die rot umrandeten Elemente beim Behringer sind Erweiterungen von Behringer. (Achtung: der erste [grüne] Block des ARP 2600 ist beim Behringer in die untere Reihe gerutscht!)


    Die (mir) willkommenen Unterschiede zum historischen ARP 2600 beginnen mit der Gewichts- und Grössen-Reduktion - trotz Grössen-Erhaltung der Sliders! 5,1 kg sind auch auch in höherem Alter vorraussichtlich noch zu bewegen - und das Weglassen der Lautsprecher verdient fast einen eigenen Feiertag. Die Lautsprecher waren an Bord, weil es das Instrument für Schulen und Universitäten prädestinierte. Vor 50 Jahren war es mitunter recht kompliziert, ein geeignetes Verstärker-/Lautsprecher System für einen Synthesizer in Schulungs-Umfeldern aufzutreiben. Heute ist die Situation umgekehrt: bessere Lautsprecher dürften sich in wenigen Minuten auftreiben lassen.

    Ganz besonders gut und ganz wichtig ist die (beim Original häufig vorgenommene) Timefactor-Modifikation, die es erlaubt, die Hüllkurven halb- oder doppelt so lang zu machen (3-Positionen Switches mit *0.5,*1.,*2.). Sehr, sehr gut!


    Die, beim Original "abgespeckten" VCO1 und VCO3, sind beim Behringer erweitert worden: VCO1 hat einen "Pulsewidth" Slider erhalten, wodurch die Beschränkung auf Saw und "Square" aufgehoben- und zu Saw und "Pulse" verändert wird (eine Pulsewidth von 50% erzeugt "Square"). Der VCO3 hat die zusätzlichen Wellenformen Tri und Sine bekommen und auch eine Pulsewidth Modulation - dadurch gibt es auch einen Slider mehr. Nun ist VCO3 identisch zum VCO2 - und beide (VCO2 und VCO3) haben auch einen Sync-Switch bekommen. Cool.


    Die Modulatoren des 3620 Keyboards am 2600 sind ein echter Segen! Wie oben bereits erwähnt, macht es modulierte dreistimmige Klänge möglich - normalerweise müsste ja sonst ein VCO als LFO dienen. Alternativ stehen zwei LFOs für zweistimmige Klänge zur Verfügung. Diese, vom Keyboard 3620 "portierten" Modulatoren erzeugen deshalb einen enormen Unterschied! Zum LFO mit -Speed, -Delay und -Depth Sliders kommt noch Portamento - inkl. On/Off- und Momentary Switch. Desweiteren gibt es einen Triggermode Switch (Single/Mult) und einen Repeat Mode Switch (Keyboard/Auto/Off). Ganz entscheidend ist auch der letzte Switch "Voice Mode", durch den die Mono- und Duophonie im 2600 selbst umgestellt werden kann (und eben nicht mehr nur an der Tastatur). Diese Möglichkeit kam bei ARP erst mit der "späten" Tastatur 3620. Ich z.B. hatte einen frühen ARP 2600 mit der 3604 Tastatur - und die 3620, die den 2600 duophon machte, blieb für mich ein unerfüllter Wunsch, da sie nach dem Ende der Firma ARP Instruments 1981 praktisch nicht mehr einzeln zu bekommen war.


    MIDI, CV und Anschlüsse

    Die MIDI Implementierung ist so simpel, wie eben möglich. Der Behringer 2600 versteht NoteOn / -Off und Pitchbend. Das wars. Glücklicherweise gibt es eine Software (App), mit der die beiden überaus wichtigen Parameter "PitchBend Range" (max. 12 Halbtöne) und "Key Priotity" (Low/High/Last) verstellt werden können. Damit lässt sich gut leben. Die App wäre natürlich wünschenswert als App für mobile Devices - also auf iOS und Android.

    Interessant ist auch das zweite Tab der Software: hier scheint die Kalibrierung für die zweite Stimme (upper voice) gemacht zu werden. Ich werde es mir demnächst näher ansehen.

    Ich habe ein paar MIDI-Belastungstests gemacht: es gab keine Note-Hänger und auch sonst kein Problem, alles wunderbar. Der Pitchbend funktioniert sauber - und durch die 14 bit Auflösung ist es hervorragend für Microtunings geeignet! Auch der, ans "KYBD CV" angeschlossene ARP Little Brother, wurde identisch getrackt - auch bei invertierter CV.

    Richtig erstaunt hat mich, dass der Gray Meanie 14V Trigger und 10V Gate ausgibt. Was für eine Überraschung! ARP Trigger sind 15V und werden ab ca. 13,6V als "voll" vom Instrument angenommen. Trotzdem kann es vom Eurorack angesprochen werden, denn die Clock muss >6V, das Gate 4V und der Trigger 5V sein, um vom Behringer 2600 ausgelöst zu werden.


    Auf der Rückseite sind, neben USB und MIDI In und -Thru noch zwei Pedal-Eingänge vorhanden, einer für die Aktivierung des Portamento: ich nehme an, das ein Toggle-Switch an/aus schaltet und ein Sustain Pedal (alternativ) wie der rote Momentary Switch arbeitet. Der andere Pedalanschluss ist der "Interval Latch" (Intervall Verriegelung) Input: hier kann die Duophonie bei aktiviertem Pedal (Toggle oder Sustain) zum fixieren eines Intervall Abstands genutzt werden. Mit den Dip-Schaltern lässt sich der MIDI Kanal einstellen, auf dem der 2600 empfangen soll. Mit dem verbliebenen Rädchen kann das Licht der LED Slider gedimmt werden. Die optische Anzeige der S&H Position und der LFO Speed bleibt davon ausgenommen. Diese optischen Kontrollen sind auch eine willkommene Neuerung.


    Clone?

    Der Behringer 2600 ist kein Clone. Er ist ein neu interpretierter ARP 2600. Diese "Umsetzung" des ARP 2600 halte ich seit dem ersten Moment für die gelungenste. Sie hat etwas Frisches und viele, wirklich sinnvolle Verbesserungen. Dazu ist sie kompakt und hat nix 70er Jahre-mässiges mehr - auch nicht "das Verhalten".



    Klang

    Klanglich - und ich rede von "bewegten", nicht von stehenden Klängen - würde ich den (modernen) Behringer 2600 eigentlich nicht zu nah am historischen ARP 2600 assoziieren, denn ein, vor 50 Jahren diskret gebauter 15V Synth verhält sich wegen deutlich höherer Bauteil-Toleranzen (elektr.) einfach ganz anders, als ein moderner Synth in SMD Bauweise. Die moderne SMD-Bauweise sorgt aber dafür, dass die einzelnen Instrumente untereinander kaum zu unterscheiden sind - was ja grundsätzlich gut ist, weil es einen "Lotterie-Faktor" (oder bestehende Ungerechtigkeiten) beseitigt. Der Klang des Behringer 2600 Gray Meanie hat mich durchweg positiv überrascht und meine Erwartungen weit übertroffen. Nur über den Kopfhörer-Ausgang klingt er deutlich weniger attraktiv, was aber am Kopfhörer-Verstärker liegt - ist mir egal.

    Insgesamt wirkt er beim Spielen (durch die feinen Slider) etwas präziser und feiner - vielleicht zeitgemässer? Sehr überrascht hat mich, dass auch der ARP Little Brother "gesitteter" klingt, wenn ich ihn einschleife - im ARP Odyssey klang er eher rabiater - was evtl. mit Volumen und den schlechten VCA des Odyssey zu tun hat. Mir kommt auch diese Veränderung entgegen. Im direkten Vergleich sind sich die Klänge der Oszillatoren erstaunlich ähnlich, fast identisch - und im Kontext ist es kaum möglich, zu bestimmen, ob jetzt Behringer oder ARP zu hören ist (also, ARP VCO durch den Behringer VCA gespielt). Der Behringer hat manchmal etwas mehr "Spitze", der ARP wirkt etwas "runder", aber auch verwaschener und hat etwas kräftigere Bässe. Tatsächlich zeigt der Behringer VCO einige schöne Details im Klang, die der ARP VCO nicht zeigt. Ich habe jetzt schon mehrfach gedacht, dass dieses oder jenes bestimmt Alan R. Pearlman gut gefallen hätte. Zur Erinnerung: der ursprüngliche ARP 2600 Gray Meanie hatte "feinere" Teile verbaut, die aus Kostengründen in den späteren Serien durch minderwertige (günstigere) Teile ersetzt wurden. Diese Teile machten den 2600 aber auch verschwommener, rauher - und Pearlman hatte nix mit RocknRoll am Hut, eher mit klassischer Musik.

    Für die Klang-Charakteristik ist beim 2600 die Zusammenstellung der Module und die Art der Bedienbarkeit durch das (Panel-) Layout entscheidender, als der Grundklang, der deswegen natürlich nicht unerheblich ist. "Das Paket" stimmt beim Behringer 2600 und ist zweifelsfrei 100% ARP 2600. Die Baugruppen sind (jetzt auf einer Platine) aufeinander abgestimmt und klanglich nach dem ARP 2600 ausgerichtet. Die Neu-Interpretation ist gelungen - und die Behringer Erweiterungen sind eine perfekte Reaktion auf die Wünsche der Musiker.

    Sicherlich lässt sich von versierten Technikern immer etwas finden, das verbessert werden könnte - und, je komplexer die Modulationen, desto stärker werden die Unterschiede zum ARP 2600 - hier schwächelt der Behringer 2600. Es ist traurig, dass solche Instrumente heute meistens nicht in "maximierter Qualität" gebaut werden, aber das ist ein anderes, politisches Thema. [Sozial-] Politisch ist aber auch, dass dieser Gray Meanie für € 620.- neben mehr als 20x teureren Synths steht, ohne negativ aufzufallen - ganz im Gegenteil: er zelebriert souverän seine Stärken. Ich glaube, so etwas gab es bisher noch nicht. Es ist wohl das beste existierende Schul-Instrument für elektronische Musik - und es lässt sich trefflich damit musizieren. Dieses Instrument hat eine Zukunft verdient.



    Uneingetroffene Befürchtungen und kleine Änderungen

    Im Vorfeld hatte ich einige Bedenken, was die Spielbarkeit und die engeren Abstände zwischen den Sliders betrifft. Tatsächlich erscheint es mir, im Gegenteil, eher besser spielbar! Kein Gefühl von Enge. Die Slider sind sehr angenehm und präzise zu regeln. Ich habe nicht mit dieser Qualität gerechnet. Ich meine damit nicht nur die Güte, sondern insgesamt das "Standing" des Gray Meanie. Dieses Instrument kann sich locker behaupten!


    Wirklich unangenehm sind die scharfkantigen Sliderköpfe. Ich hatte bereits nach drei Tagen Hornhaut an Zeigefinger und Daumen entwickelt. Das ist etwas, was Pianisten gar nicht lieben. Deshalb habe ich die "WMD Clear Caps" aufgezogen. 63 Slider bedeutet sieben Tüten á 10 Stück für 8 Euro (€ 56.-) - auch schmerzhaft - für ein paar Plastikkappen - aber nur einmal. Vor dem Aufsetzen muss ca. 1/3 abgeschnitten werden. Ich bin kein Fan von Weichplastik, es fühlt sich etwas "klebrig" an, aber das unangenehme Stechen der Kanten ist Vergangenheit.

    Bei Gelegenheit werde ich auch die "SIFAM SLIDER CAPS" ausprobieren. Es gibt sie in weiss, Creme, grau und schwarz, als Soft- und Hard-Touch. In der Mitte ist ein transluzider Streifen, der das Licht der LED durchlässt. Sie sind deutlich grösser und ziemlich hoch. Obwohl die "SIFAM SLIDER CAPS" mit € 0,71 etwas günstiger als die WMD Caps sind, ist der Versand aus England doch sehr teuer und haut den Preis durch die Decke - ich müsste ja erst einmal eine paar wenige zum Ausprobieren bestellen und dann evtl. die Komplett-Ausstattung. Daher warte ich auf eine andere Möglichkeit, gehe aber davon aus, dass diese Sliderköpfe durch ihre Höhe die Bedienbarkeit des Instruments eher erschweren.


    Was mir auch nicht gefiel - und was ich bereits geändert habe - war der popelige Regler für die Kopfhörer-Lautstärke. Er ist sehr klein und glatt, und - wegen der Grösse - gefühlt, "schwer" und unangenehm fummelig zu regeln. Ausserdem ist der Positions-Strich fast nicht zu sehen. Hier hat Sifam eine deutliche Verbesserung gebracht, denn ich habe die Potikappe gegen eine grössere "Sifam/Selco Large Skirt" (mit D-Shaft) ausgetauscht. So ist nicht nur "mit mehr Grip" und (wegen der Grösse) leichter zu regeln - auch die Position ist sofort zu erkennen. Ich habe bewusst einen "etwas zu grossen" Regler gewählt. Das ist viel besser! Wie ich finde, auch optisch.

    Wie auf den Fotos auch zu sehen ist, ist das Grau des Meanie deutlich heller, als auf den "offiziellen" Werbe-Fotos. Auch besser, als erwartet. Ich glaube aber, dass der Lack sehr empfindlich ist. Das ausgerechnet ein Riesen-("Billig")-Konzern mit einem so guten Produkt (zu einem solchen Preis!) aufwartet und auch sehr offen kommuniziert, macht doch etwas nachdenklich.

    Ein Slider arbeitet nicht, wie vorgesehen: Der ADSR Slider im VCA regelt von unhörbar bis Maximum erst auf den letzten 5mm. Trimmen hilft nicht, es verändert nur die Maximal-Lautstärke. Habe inzwischen von einem Blue Marvin Besitzer die Nachricht bekommen, dass es bei ihm genauso ist. D.h., es bleibt die Hoffnung auf eine elektronische Lösung.

    Alles Kleinigkeiten, die die Freude nicht trüben.


    Das Paket "ARP 2600"

    Mir gefällt das "halbmodulare" Konzept des 2600. Dabei sollte "halbmodular" allerdings gerechterweise "eineinhalbmodular" heissen: es macht den 2600 deutlich schneller beim Patchen, weil nach Abziehen eines Kabels die Standard-Verbindung wieder hergestellt ist - und das ist besonders wertvoll auf der Bühne. Wie umfangreich die Grundverkabelung bei solch einem Biest ist zeigt das Patch-Sheet "Normals". Die Grundverkabelung - das ist die, die besteht, wenn alle Kabel abgezogen sind - bestünde aus 33 Patch-Kabeln.

    Ein weiterer "Vorteil des Pakets ARP 2600", besonders für die Lernenden, ist, dass es eines der schönsten Manuals der Geschichte dazu gibt, das gleichzeitig eine profunde Einführung in Elektronische Musik ist und auf dieses Instrument ausgerichtet ist: das "Arp 2600 Owners Manual"! Das Manual ist frei zugänglich - Behringer gibt uns jetzt das Labor dazu. Absolut empfehlenswert. Die Kombination (ARP Manual/Behringer 2600) hätte das Zeug, elektronische Musik schon in der Schule zu lernen. Schliesslich ändert sich nichts an der Verhaltensweise von Pulse- oder Sägezahnwellen und deren Steuerung durch Control Voltage. Es ist die Basis. Ich hoffe auf die Verbreitung dieser Einschätzung und wünsche eine grosse Zukunft.


    Für Schulen und Universitäten, für Zuhause und die Bühne, für Jung und Alt. Ein Lehr-, Lern- und Performance Instrument, ganz wie A.R. Pearlman es einmal geplant hatte. Behringer hat dieses schöne Instrument erweitert, ins 21. Jahrhundert gebracht und erschwinglich gemacht!

    Mit dem 2600 Blue Marvin und Gray Meanie hat Uli Behringer ein ganz grosses Ding gelandet! Ich hoffe, dass genug Resonanz entsteht, damit diese Modelle in der Produktion bleiben. Ich finde es auch gut, dass Behringer den Namen "ARP" nicht gebraucht - oder evtl. nicht erwerben konnte (?). "2600", "Blue Marvin", "Gray Meanie" und das eindeutige Layout sagen genug. Sagen wir ruhig "Behringer 2600". Ehre, wem Ehre gebührt.

    Chapeau, Behringer!




    Mein Gray Meanie


    Seitenteile und Positionierung des Instruments

    Wir sind bei der Individualisierung angekommen: der Gray Meanie ist zum Einschrauben und verlangt, wenn er nicht eingeschraubt ist nach Seitenteilen (damit er besser aussieht). Ich habe gleich zwei Paare angefertigt - eines zum Liegen und eines zum Stehen - da der Gray Meanie so leicht und klein ist, kann er einfach die Plätze wechseln - im Gegensatz zu seinem Nachbarn auf dem Bild, der etwa das 10-fache wiegt.

    Die Seitenteile sind aus 1,5cm dickem Multiplex, geschliffen, gebeizt und geölt - und damit es keine wackelige Angelegenheit wird, habe ich Gewindeschrauben eingesetzt. So lassen sich die Seitenteile einfach anbringen und auch wieder lösen. Inzwischen sind die Flügelschrauben schwarzen Linsenkopf-Schrauben gewichen. Etwas DIY-Einsatz für's Instrument verbindet. Mit den schönen Seitenteilen klingt der Synth natürlich auch gleich deutlich besser.

    Bei der vertikalen Positionierung braucht man aber zu viele Muskeln und für vertikal zu bewegende Slider muss die Schulter zu viel tragen - was zu Verkrampfungen führt. Deshalb sehe ich die vertikale Aufstellung in erster Linie als gut für den Lehrbetrieb, da den Anwesenden so ein besserer Blick auf das Panel ermöglicht wird. Bei einer mehr horizontalen Positionierung der Slider, ich bevorzuge eine 135° Neigung, kann mehr aus dem Handgelenk gearbeitet werden, was viel entspannter ist. Ich halte es bei diesem Instrument (wie auch schon beim ARP 2600) für besser, es zu einem "kompletten" bzw. zentralen Instrument zu machen, dem die ganze Konzentration gilt (wie bei Instrumenten üblich). Um es in einen optimierten Winkel zu bringen, wird ein Tisch oder Ständer benötigt.


    Die meisten Keyboard-Ständer sind dafür nicht zu gebrauchen, so entschied ich mich für einen kleinen Mixertisch (Breite 43-66cm, Tiefe 35-44cm). Beim Tisch nutze ich vorne die Breite für die Tastatur und hinten die Tiefe. Eigentlich wollte ich 135° Metall-Winkel mit einer Verlängerung anbringen, hatte aber das Glück, in meinem Arsenal ausgedienter Keyboardtische und -Ständer zwei verschiedene Teil-Paare zu finden, die den richtigen Winkel bilden, aufeinandergesteckt und an den Mixertisch geschraubt werden können. Für den Transport sind sie durch eine Flügel-Mutter einfach zu lösen. Es passt so gut, dass ich es wohl so lassen werde.

    Der 48cm schmale Gray Meanie liegt mit dem Gehäuse-Oberteil auf den Gummi-Noppen, die ich an den Winkeln angebracht habe, um Beschädigungen zu vermeiden. Nach unten ist er durch die Gummiringe gepolstert, die bereits am Tisch waren. Da der Gray Meanie ohne Tastatur (Interface) kommt, liegt es ja am Besitzer, was für ein Instrument er daraus macht - und dieser Tisch ist wie für den Gray Meanie gemacht!


    Dies ist meine liebste Konfiguration - besonders gefällt mir die schräge Aufstellung des Tisches, und die schafft auch ein paar Zentimeter mehr Platz für meine grossen Füsse. Das ganze Setup ist unglaublich leicht (trotz des Tisches) und einfach zu transportieren. So ist die ideale Positionierung des Instruments immer garantiert. Die Pedale sind Volumen und Portamento (Sustainpedal). Inzwischen habe ich noch ein zweites Schweller-Pedal für die Filterfrequenz des Equalizers im Pedalboard.

    Die Seitenteile sind "frei schwebend" (liegen nicht auf). Am rechten Seitenteil habe ich einen einhängbaren Kabelhalter angebracht. Sehr praktisch!

    Als Tastatur habe ich ein Novation Launchkey 37 MK3 gewählt und ich mag diese Tastatur sehr. Mir gefällt die Leichtgängigkeit - für Synthesizer finde ich das gut. Auch das Klappern hält sich in Grenzen. Im Gegensatz zu meiner alten Tastatur (die mir nie gefiel) spürt und hört man auch nicht die Federn, die die Tasten wieder hochdrücken.

    2600 Gray Meanie, Novation Launchkey 37 und Tisch kosten zusammen 820.- Euro. Ich finde das unglaublich! Ein super cooles Setup, mit dem sich hervorragend musizieren lässt!


    Behringer 2600 Gray Meanie
    Novation Launchkey 37 MK3
    Mixertisch



    Meine Erweiterungen am 2600

    Der 2600 ist ein komplettes Instrument. Ein paar Erweiterungen in Form von Stompboxes sind jedoch ideal, um es klanglich etwas zu individualisieren. Das wichtigste Teil zuerst: ein Mono-Volumen Pedal. Es verändert zwar den Klang nicht, erlaubt aber eine viel komplexere Spielweise. Bei mir hängt das Volumenpedal nicht hinter dem Stereo-Main Out, sondern zwischen VCF und VCA. Hier ist der 2600 noch Mono und es hat den Vorteil, das der Klang noch vor dem Reverb (wo der 2600 "Stereo" wird) zurückkommt. D.h., wird das Pedal geschlossen, reisst der Nachhall nicht mit ab, sondern klingt natürlich aus.

    Auf dem Bild sind Ein- und Ausgang markiert. Die Beschriftung "FX" (Effects) zeigt auch schon die Richtung an, in der es weitergeht: Hier habe ich nicht nur das Volumenpedal, sondern das Pedal durchläuft vor dem Zurückführen zuerst noch mein Pedalboard. Auf dem Bild sind bei "from FX" beide Kanäle markiert, aber es kommt ja nur ein Kanal zurück. Ich benutze eigentlich immer den linken Eingang (VCF), weil ich so 1. dem VCF mit dem Pedal einen weiteren VCA spendiere und weil 2. der rechte (VCA) Kanal so zum "trockenen" Kanal wird. Wird das Pedal geöffnet und die FX-Stompboxes in den Bypass versetzt, ist die normale Schaltung des 2600 wieder hergestellt.

    Ein Pedal, das mir wichtig ist, und das war auch schon am ARP 2600 vor 40 Jahren so, ist ein analoges Delay, denn ich bin kein Freund der kleinen Spring Reverbs. Sie klingen nicht gut und hinterlassen "gepitchte" Fahnen. Ein Reverb kann bei Produktionen wichtig sein, doch, sobald ein natürliches Raumecho besteht, zerstört oder verschluckt der Hall wertvolle Bestandteile des Klanges. Ein kurzes (und leises) Delay hilft meiner Meinung nach besser, elektronischen Klangerzeugern die "unnatürliche Trockenheit" zu nehmen, die nur ihnen zueigen ist.

    Damit ist der FX-Insert eigentlich schon erklärt. Welche Stompboxes sich auf meinem Pedalboard befinden und welche Pedale ich zum Steuern verwende, ist im Detail auf meiner Pedalboard/FX-Seite zu erfahren.






    Mehr über ARP Instruments und den ARP 2600 auf meiner Website: ARP Instruments

    Mehr über mein Pedalboard




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