2600 Blue Marvin und Gray Meanie


    Volks-Synthesizer von Behringer

    Vorweg: ich schreibe dies, schon bevor das Instrument ausgeliefert wird, weil es so aussieht, als ob Behringer die unselige Entscheidung getroffen hat, diese beiden Modelle nur als "Limited Edition" (in begrenzter Stückzahl) auf den Markt zu bringen. Da die Modelle "Blue Marvin" und "Gray Meanie" in wichtigen Punkten vom Standard-Modell "Behringer 2600" (black/orange) abweichen und jetzt vorbestellbar sind, möchte ich empfehlen, lieber eines dieser beiden Modelle zu bestellen - auch wenn es 3-4 Monate mehr Wartezeit bedeutet.

    Als ehemaliger "2600-ARPist" bin ich mit dem Original, dem ARP 2600 vertraut und schätze das "Konzept" (Panel Layout und Zusammenstellung der Module) des 2600 nachwievor - unabhängig vom "besonderen" Klang des originalen ARP. Die, bis zu 50 Jahre alten ARP 2600 sind mit Preisen, teilweise deutlich über €10.000, inzwischen ziemlich überteuert, Pflege und Anfälligkeit der 40-50 Jahre alten Instrumente sind auch nicht jedermanns Sache - und viele Original-Ersatzteile sind nur noch schwer oder gar nicht mehr zu bekommen.


    Blue Marvin und Gray Meanie

    Im zweiten Anlauf scheint Behringer die richtigen Korrekturen vorgenommen zu haben: Nachdem mit dem "Behringer 2600" (Ende 2020) meines Erachtens ein paar Dinge "etwas unglücklich" waren - technisch: teilweise unschön klingende Modulationen und ein "problematisches" Digital-Reverb anstelle eines Spring-Reverbs (wie im Original), ästhetisch: das ARP black/orange Design mit farbcodierierten LED-Sliders im "Weihnachtsbaum-Look" - sind bei den Anfang 2021 angekündigten Folge-Modellen "Blue Marvin" und "Gray Meanie" (Bild) einige technische Dinge verändert worden, die genau die störenden Aspekte beheben oder zumindest verringern sollten - und das für schlappe € 4.- (vier Euro) Aufpreis (€ 619.- statt € 615.-)!


    Die Namen "Blue Marvin" und "Gray Meanie" waren die Kosenamen der ersten beiden Vor-Serien des ARP 2600 von 1971 (Foto: ARP Gray Meanie). Sie unterschieden sich untereinander nur durch die Farbe und die besser organisierte Produktion des Gray Meanie - vom Blue Marvin gab es nur ca. 25, vom Gray Meanie 35 Stück. Beide Modelle hatten jedoch bessere Bauteile (z.B. Teledyne VCOs), die aus Kostengründen nicht in den späteren ARP 2600 Baureihen verwendet wurden.

    Auch die beiden neuen Behringer Modelle unterscheiden sich nur farblich voneinander und sind, im Unterschied zum "black/orange" Behringer 2600, mit "sorgfältig ausgewählten, hochwertigen Komponenten für verbesserte Leistung, einem mechanischen Federhall und einfarbigen Fader-LEDs ausgestattet". Diese "hochwertigen Komponenten" werden hoffentlich das Problem der, von mir so wahrgenommenen, "hässlich" klingenden Modulationen reduzieren und hoffentlich die Teledyne VCOs des "ARP Gray Meanie" zum Vorbild haben. Die einfarbige Gestaltung und einfarbigen LED-Sliders beruhigen die Optik ungemein - und wenn schon schlechter Hall, dann lieber Spring Reverb. Liefertermin soll Mitte Mai sein.


    Sofort hatte mich (schon beim ersten Modell) das Re-Design des Panels der Behringer 2600 beeindruckt. Obwohl es zum Original ARP 2600 einige Veränderungen gibt, ist der Charakter völlig erhalten geblieben und das ist, besonders für ehemalige ARP-isten, sofort erkennbar. Das Layout zeigt deutlich, wie sorgsam "der Spirit" des A.R. Pearlman hier weitertransportiert wurde, denn die "grossen" ARP Synths klangen nicht nur gut - sie bestachen auch durch ihre einmaligen Panel Layouts - schon vor dem ersten Anschalten! Und, gottlob, wurden von Behringer beim 2600 keine unnnützen Sequencer oder andere Gimmicks hinzugefügt. Der 2600 wurde auf 19 Zoll, 8HE verkleinert, auf 5kg erleichtert, Tastatur, Lautsprecher und Case weggelassen, und stattdessen der LFO und die Controller des ARP 3620 Keyboards auf dem 2600-Panel untergebracht - eine wirklich gute Entscheidung, weil sonst einer der drei VCO die Aufgabe des LFO hätte erledigen müssen.



    Die Veränderungen / Additionen am Behringer 2600 verweisen, wie schon das Re-Design des Panels, auf grosses Feingefühl und viele ARP 2600 Erfahrungen, denn es sind genau die Punkte verbessert worden, die (damals) von vielen ARP 2600 Besitzern gewünscht wurden. Insbesondere die "Time Factor" Switches waren wohl die häufigste Modifikation der original ARPs - weil die Hüllkurven weder kurz- noch lang genug waren. Manche Dinge waren aber (für die meisten Leute) unveränderbar - und auch hier hat Behringer eingegriffen. Doch zuerst zum Anfang: im folgenden Bild habe ich versucht, die Unterschiede zum historischen Original herauszustellen und (vor allem) für Nicht-Kenner des ARP 2600 sichtbar zu machen. Das Grössenverhältnis der beiden abgebildeten Modelle habe ich, zur besseren Erkennbarkeit, aneinander angepasst. Die rot umrandeten Elemente beim Behringer sind Erweiterungen von Behringer. (Achtung: der erste [grüne] Block des ARP 2600 ist beim Behringer in die untere Reihe gerutscht!) )


    Die (mir) willkommenen Unterschiede zum historischen ARP 2600 beginnen mit der umschaltbaren Filter-Charakteristik. Dabei handelt es sich um Annäherungen an die beiden beliebtesten und durchaus unterschiedlichen Filtertypen des ARP 2600, die (Filter-) Module 4012 und 4072, die in verschiedenen Baureihen verbaut waren.

    Ganz besonders gut und ganz wichtig ist die (beim Original häufig vorgenommene) Timefactor-Modifikation, die es erlaubt, die Hüllkurven halb- oder doppelt so lang zu machen (3-Positionen Switches mit *0.5,*1.,*2.). Sehr, sehr gut!


    Die, beim Original "abgespeckten" VCO1 und VCO3, sind beim Behringer erweitert worden: VCO1 hat einen "Pulsewidth" Slider erhalten, wodurch die Beschränkung auf Saw und "Square" aufgehoben- und zu Saw und "Pulse" verändert wird (eine Pulsewidth von 50% erzeugt "Square"). Der VCO3 hat die zusätzlichen Wellenformen Tri und Sine bekommen und auch eine Pulsewidth Modulation - dadurch gibt es auch einen Slider mehr. Nun ist VCO3 identisch zum VCO2 - und beide (VCO2 und VCO3) haben auch einen Sync-Switch bekommen. Cool.


    Die Modulatoren des 3620 Keyboards am 2600 sind ein echter Segen! Wie oben bereits erwähnt, macht es modulierte dreistimmige Klänge möglich - normalerweise müsste ja sonst VCO1 als LFO dienen. Alternativ stehen zwei LFOs für zweistimmige Klänge zur Verfügung. Diese, vom Keyboard 3620 "portierten Modulatoren" erzeugen deshalb einen enormen Unterschied! Zum LFO mit -Speed, -Delay und -Depth Sliders kommt noch Portamento - inkl. On/Off- und Momentary Switch. Desweiteren gibt es einen Triggermode Switch (Single/Mult) und einen Repeat Mode Switch (Keyboard/Auto/Off). Ganz entscheidend ist auch der letzte Switch "Voice Mode", durch den die Mono- und Duophonie im 2600 selbst umgestellt werden kann (und eben nicht mehr nur an der Tastatur). Diese Möglichkeit kam bei ARP erst mit der "späten" Tastatur 3620. Ich z.B. hatte einen frühen ARP 2600 mit der 3604 Tastatur - und die 3620, die den 2600 duophon machte, blieb für mich ein unerfüllter Wunsch, da sie nach dem Ende der Firma ARP Instruments 1981 praktisch nicht mehr einzeln zu bekommen war.


    MIDI

    Bisher habe ich bei Behringer noch keine Informationen zur MIDI-Implementation finden können. Es gibt einen USB- und einen MIDI IN (und Thru). Seit einigen, frühen Tests von Vor-Serien-Modellen wird kolportiert, dass der 2600 "ausschliesslich NoteOn/-Off versteht". Das kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen, insbesondere, weil der "Rest" des Instruments so brillant umgesetzt wurde! Ich hoffe deshalb auf eine, beim Vor-Serien-Modell noch nicht abgeschlossene MIDI Implementierung.

    Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass etwas so Zentrales einfach ausgelassen wird und meine Annahme wird dadurch bestärkt, dass der Pitchbend-Poti der 3620 Tastatur, als einziger Controller nicht ins Instrument übernommen wurde. Auch Realität: "99%" aller MIDI Keyboards sind mit Pitch- und Mod-Wheels ausgestattet und Pitchbend- und Modulation-Controller werden inzwischen quasi mit jedem Synthesizer assoziiert.

    Ausserdem muss Pitchbend zur Tonhöhen-Voltstärke addiert oder subtrahiert werden, bevor die CV an den Oszillator abgegeben wird. Es ist also eine Sache des Controllers - in diesem Fall einer (heute: MIDI-) Tastatur, die das ARP Keyboard 3620 ersetzt. Wie absurd ist es also, so ein Instrument mit MIDI Steuerung ausszustatten und Pitch- und Mod-Wheel einfach wegzulassen. Ich fände es sogar durchaus angebracht, dass ausser NoteOn/-Off, auch Pitchbend, das Mod-Wheel (CC01) für die Tonhöhenmodulation, Expression-Pedal (CC04) für die Filtermodulation, Volume-Pedal (CC07) für die Steuerung der Ausgangslautstärke und Sustain Pedal (CC64) für die Hüllkurve mit in der MIDI Implentation hat. (Ein gedrücktes Sustain Pedal verhindert die Auslösung der Release Kurve, auch bei losgelassener Taste.)

    Es sollte daher eine Software (also Sysex messages) geben, mit der die Range des Pitchwheels eingestellt werden kann (z.B. zwischen ±1 und ±24). Ich bin zwar kein Optimist, aber hier sollte noch was gehen... Es gibt bereits eine Software mit Firmware Informationen für alle Behringer Synths - vielleicht geht ja mit angeschlossenem Synthesizer eine Art Editor-Fenster auf (für Firmware-Upgrades, Pitch-Bend Range, etc.). ?!

    Ich kann mir vorstellen, dass die Frage von Behringer, ob ein Keyboard für den 2600 von der Gemeinde erwünscht wird und gebaut werden soll, damit zusammenhängt. Da die Behringer 2600 Hardware "abgeschlossen" ist, und (gottseidank) kein LCD-Menue vorhanden ist, wäre es ein Schwachpunkt, wenn die Pitchbend-Range nur über eine Software verändert werden könnte. Ich denke deshalb nachwievor, dass eine minimale MIDI Implementation (und nicht nur Note On/Off) noch kommen sollte. Auch die, bei den Tests aufgetretenden "MIDI-Note-Hänger" sprechen für eine, damals noch nicht abgeschlossene MIDI-Inplementierung.

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    Update 18.2.2021: In einem Video mit dem Behringer 2600 black/orange sieht es so aus, als ob Pitchbend durch MIDI übertragen wurde, da Pitchbend zu hören, kein externes CV Kabel zu sehen, und nur MIDI IN verbunden ist. Auch das ModWheel wird benutzt, lässt sich aber klanglich nicht eindeutig zuordnen - und ich bleibe guter Dinge.

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    Auf der Rückseite sind noch zwei Pedal-Eingänge vorhanden, einer für die Aktivierung des Portamento: ich nehme an, das ein Toggle-Switch an/aus schaltet und ein Sustain Pedal (alternativ) wie der rote Momentary Switch arbeitet. Der andere Pedalanschluss ist der "Interval Latch" (Intervall Verriegelung) Input: hier kann die Duophonie bei aktiviertem Pedal (Toggle oder Sustain) zum fixieren eines Intervall Abstands genutzt werden. Mit den Dip-Schaltern lässt sich der MIDI Kanal einstellen, auf dem der 2600 empfangen soll. Mit dem verbliebenen Rädchen kann das Licht der LED Slider gedimmt werden. Die optische Anzeige der S&H Position und der LFO Speed bleibt davon ausgenommen. Diese optischen Kontrollen sind auch eine willkommene Neuerung.


    Klang

    Über den Klang kann ich (natürlich) noch nichts sagen, bin aber guter Dinge. Das "Paket" ist erstmal entscheidend - und da hat Behringer (durch das neue, umwerfende Design und Erweiterungen) überrascht und lässt die meisten "tradierten" Hersteller von Synthesizers als ziemlich phantasielos stehen. Beim ersten Modell "Behringer 2600" war ich vom Klang nicht wirklich überzeugt. Die beiden neuen Modelle, Blue Marvin und Gray Meanie, machen aber Hoffnung. Im (leider ziemlich nichtssagenden) Firmen-Video klingen sie deutlich und erkennbar besser, als der B.-2600 (black/orange).

    Klanglich würde ich den Behringer 2600 nicht zu nah am historischen ARP 2600 assoziieren, denn das wäre völlig illusorisch: Ein, vor 50 Jahren diskret gebauter 15V Synth verhält sich wegen der deutlich höheren Bauteil-Toleranzen (elektr.) einfach anders, als ein moderner 12V Synth in SMD Bauweise - und zwar jeder einzelne, auch die, aus gleichen Baureihen. Die moderne SMD-Bauweise sorgt auch dafür, dass die einzelnen Instrumente untereinander kaum zu unterscheiden sein werden und sie führt vermutlich auch direkter zur 12V Betriebsspannung. Der Klang des Behringer 2600 wird von daher deutlich näher am Eurorack-Format sein. Trotzdem wird es "gut" klingen. Die Zusammenstellung der "Module" und das Layout sind zweifelsfrei 100% ARP 2600 (und die Behringer Erweiterungen dürften zu 100% im Sinne ARP's sein) - die Baugruppen sind (jetzt auf einer Platine) aufeinander abgestimmt und klanglich nach dem ARP 2600 ausgerichtet. "Das Paket stimmt". Die Neu-Interpretation scheint gelungen.



    Warum vorbestellen?

    Bei "Limited Editions" - wenn die Nachfrage deutlich höher ist, als die produzierte Stückzahl, bleibt bei solch populären Dingen, wie dem ARP 2600, leider kein anderer Weg, als die Vorbestellung, wenn man sicher gehen will. Der, vor einem Jahr von Korg veröffentlichte, mit dem ARP 2600 optisch identische ARP 2600 FS z.B., war schon vor Auslieferung an die Geschäfte ausverkauft. Häufig sind daher "Limited Editions" reine Geschäftemacherei, insbesondere, wenn keine seltenen Bauteile verwendet werden. Ich verdächtige Behringer allerdings nicht dieses schändlichen Verhaltens und kenne die Gründe für die Limitierung nicht. Der einzige Grund, den ich mir vorstellen kann ist, dass es (offiziell) eine "Geburtstags-Serie zum 50." des Meanie ist - evtl. firmenintern begründet durch Bauteile, die nicht dem eigenen Bestand angehören. Da ich diese Produktion für etwas ganz Besonderes halte, habe ich deshalb vorbestellt und gebe diese Empfehlung auch weiter. Sollten Instrument oder Klang nach Erhalt nicht zufriedenstellen, kann man das erworbene Instrument ja innerhalb der Frist zurückgeben.



    Clone?

    Der Behringer 2600 ist kein Clone. Er ist ein neu interpretierter 12 Volt 2600. Die 12V entsprechen mehr der zeitgemässen (SMD) Bauweise und vielleicht muss ich, als Anhänger der 15V Kirche, umlernen und mich einfach an der Ökumene erfreuen - ich bin jedenfalls sehr gepannt und halte diese "Umsetzung" des ARP 2600 auf Anhieb für die gelungenste. Sie hat etwas Frisches und viele, wirklich sinnvolle Verbesserungen. Dazu ist sie kompakt und hat nix 70er Jahre-mässiges mehr - aber auch nicht den Klang (bzw. das Verhalten).



    Nichts Negatives am 2600 Gray Meanie?

    Nein. Je länger ich ihn "studiere", desto mehr begeistert mich das ganze Unterfangen.

    Der Behringer Gray Meanie erscheint mir durch die Neugestaltung so gut, dass ich mich frage, ob das wohl genügend Leute erkennen werden, damit Behringer ihn (evtl. sogar als Nachfolger des black/orange) im Programm behält - natürlich vorausgesetzt, dass er ordentlich klingt (wovon ich ausgehe). Die meisten werden ihn aus dem ARP-Hype heraus erstehen. Viele lehnen aber auch alles von Behringer ab. Ob der Gray Meanie den "chinesischen Background" überwindet und in die Diskussion kommt? Hoffentlich. Bei mir belegt der "Behringer 2600 Gray Meanie" den Anwärter-Platz für die "grösste Synthesizer-Sensation der letzten 20 Jahre" (vielleicht auch mehr) - natürlich neben den nicht-industriellen "Buchla Series 200" Clones und dem CMS 2607. Die, beim Gray Meanie durch den niedrigen Preis erreichte, "soziale Komponente", würde ihn sogar auf den ersten Platz (und hoffentlich in die Schulen) bringen.



    Korg-ARP 2600 FS, die "echte" Alternative?

    Beim, ein Jahr zuvor erschienenen, Korg 2600 FS hatten verschiedene Dinge mein Interesse eher gering gehalten: 1. ich fühlte mich von Beginn an etwas getäuscht, weil Korg kommunizierte, den ARP 2600 "wieder" zu bauen - was suggeriert, ein baugleiches Instrument herzustellen. Da ich durch meine Besuche bei Eric van Baaren auch ein paar technische Dinge gelernt habe, gehe ich davon aus, dass die Original-Schaltpläne des ARP 2600 erneut umgesetzt wurden, aber ganz sicher mit anderen, modernen Bauteilen. 2. Der Preis von € 3999.- (für mich etwas zu hoch) und 3. die Veröffentlichung als "Limited Edition" (die wenige Wochen nach Veröffentlichung ausverkauft war). Dies (2. und 3.) zusammen hat, für mein Gefühl, einen insgesamt zu starken Fokus auf Geld, Hype und Obsession erzeugt. 4. Die optisch "100%-ige" Übernahme trotz verändertem "Innenleben" (welches ich unterstelle), finde ich sinnlos. Der ARP 2600 ist beliebt - aber nicht perfekt. Warum nicht aus Fehlern lernen? Warum einen Synth (angeblich) identisch nachbauen, wenn ein Grossteil der musizierenden Besitzer historischer ARPs ihren Instrumenten dieselben Modifikationen hinzugefügt haben? Bis heute habe ich nicht einmal herausbekommen können, mit welcher Betriebsspannung (12 oder 15V) der K-ARP läuft. Mich stört so etwas, weil ich Gründe dafür vermute.

    Und zuletzt: ein nicht günstiger, identisch aussehender K-ARP 2600FS würde mich sicher enttäuschen, wenn er anders klänge, als mein alter ARP 2600. Das bisschen Psychologie muss sein - denn der Korg 2600FS wird anders klingen, selbst wenn er gut klingt. Er wird sich vor allem anders verhalten und anfühlen - nehmen wir nur die Tastatur: MIDI lässt sich nicht so spielen, wie eine Pratt Read Tastatur (mit elektrischen Kontakten). Auch der Korg ARP 2600 FS ist weder ein Clone, noch ist er baugleich mit dem ARP 2600, auch, wenn er identisch aussieht.

    Das "Originalgehäuse" des Korg ARP 2600 FS ist natürlich sehr schön und macht auch beim Spielen Spass - trotzdem möchte ich im Jahr 2021 nicht mehr mit zwei so sperrigen, nicht gerade leichten Cases (19,3kg und 11,3kg) reisen müssen. Das war auch damals schon kein Spass - und ich war 1990 froh, als das für mich endlich vorbei war (ich wurde MAX-ist und war auf 19 Zoll FM Synths umgestiegen).

    Ich bin kein Techniker, aber ich fresse einen Besen, wenn SMD nicht auch beim Korg 2600 FS eine Rolle spielt. Ich gehe davon aus, dass Korg keine original Bauteile (auf Vorrat?) nachbauen lässt, sondern moderne Komponenten verwendet. Moderne Bauteile haben aber wesentlich geringere Toleranzen und liegen heute eher bei 0.02 oder 0.002% und nicht bei 20%, wie vor 50 Jahren. Ich bin zwar sicher, dass die Techniker vor 50 Jahren unsere modernen Bauteile geliebt hätten - sie wären sicher froh gewesen, wenn die individuellen Unterschiede nicht so gross gewesen wären, allein wegen der zeitlichen Einsparung bei der Endeinstellung - aber wegen der alten Bauteile gab es eben auch bessere 2600, nicht nur schlechtere. Gewiefte Techniker (wie Eric van Baaren) waren dadurch in der Lage, durch Austausch von Komponenten (VCO, OpAmps, Filter, VCA, Netzteil) auch den schlechter ausgefallenen Instrumenten deutlich mehr Leuchtkraft zu verleihen.


    Korg-ARP 2600M, eine 2600 Miniatur

    Einen Tag vor Behringer's Blue Marvin und Gray Meanie Presentation kündigte Korg den "ARP 2600 M" für € 1800.- an. Auch so ein hübsches Ding und schon eher bezahlbar. Für mein Gefühl scheint er aber etwas zu klein geraten - und wirkt eher wie ein luxuriöses Spielzeug: Es ist tatsächlich ein, auf 60% geschrumpfter 2600. Mit 520 × 129 × 311 mm ist er zwar etwa 3,5 cm breiter, als der Behringer ARP, aber die Panelhöhe des Korg ist 9,9 cm niedriger, als beim Behringer - und das ist rund ein Drittel! Er hat, trotz ähnlich grosser Erscheinung, einen ca. 20% kleineren Panel im Vergleich zum Behringer 2600. Durch das Case ist der 2600 M auch deutlich weniger flexibel in bestehende Setups zu integrieren. Immerhin: er wiegt nur 5,9 kg. Ohne Hüllkurven-Modifikationen (wie die "Timefactor" Switches beim Behringer 2600) kommen beide Korg 2600 für mich aber ohnehin nicht in Frage. Alle meine historischen ARPs hatten (u.a.) diese Modifikation - nicht ohne Grund.



    Panel-Betrachtungen und Grössen-Vergleiche Das ARP 2600 Panel-Layout

    Weil mich (auch beim Programmieren) Panel-Layouts interessieren und der ARP 2600 eines der "genialsten" Layouts hat, das auch nach 50 Jahren noch zur Spitze aller bisher gebauten Synthesizer gehört und geradezu eine Alleinstellung einnimmt, und weil mich das Re-Design des Behringer 2600 sofort und ausschliesslich positiv angesprochen hatte, habe ich die Unterschiede und Veränderungen beim Korg Modell M und Behringer im Verhältnis zum ARP 2600 (bzw. "FS") anhand von Fotos untersucht. Das war möglich, weil es von Korg hochauflösende und technisch genaue Fotos und Massangaben zu 2600 FS und 2600 M gibt. Ich habe die Grössenangaben auf die Pixel umgerechnet und gehe davon aus, dass die gewonnenen Informationen aussagekräftig sind - wenn auch die Maße aufgrund des leichten Winkels am 2600, FS und M nicht 100% exakt sein werden.

    Um das Layout auch für Nicht-Spezalisten erkennbar zu machen, habe ich rechts ein Bild mit der Aufteilung der "Module" angefertigt. Zu erkennen sind 8 Gruppen in der vertikalen- und 3 Reihen in der horizontalen Unterteilung (weisse Linien). Den "Leerraum" habe ich extra abgedunkelt - es fällt auf, dass die Lautsprecher ziemlich viel Platz (ver-)brauchen, aber auch unter dem "Initial Gain" Slider ist alles leer. Die Lautsprecher habe ich als Leerraum eingestuft, weil sie auf dem Panel liegen, der ja das "Spielfeld" ist. Abgesehen davon haben die Lautsprecher mich auch am Original schon gestört - und benutzt habe ich sie auch nicht. Heute (50 Jahre später) gibt es jede Menge einfacher und gut (besser) klingender Alternativen zu eingebauten Lautsprechern, weshalb ich bei einer Wiederbelebung des ARP 2600 keinen Grund sehe, sie weithin im Instrument zu lassen.

    Das dottergelbe Rechteck (Bild oben) umfasst den Spielbereich, also den Panel abzüglich des Randes. Auch wenn ein Rand beim Spielen wichtig ist, weil er Raum bietet, habe ich für den Vergleich die äussersten Grenzen der Controller zum "Control-Panel" erklärt und damit den Rand abgezogen. Der Behringer 2600 kommt ja quasi als Panel - weshalb ein Teil der Panel-Breite wegfallt: der für die "Rack-Ohren". Bei ARP und Korg hingegen nimmt der Panel nicht die ganze Höhe ein und es gibt einen Sockel, der das Instrument (heute unnötig?) grösser macht.

    Es gibt neben der vertikalen Ordnung auch eine horizontale Ordnung - und die ist verblüffend, weil sie alles sehr vereinfacht: neben dem Preamp Poti kommen alle stimmbaren Parameter, obere Linie = grobe- und untere Linie = feine Stimmung. Darunter eine Linie: Timbre - sprich: 2x Pulsewidth und 1x Resonanz (unter dem 1. VCO gibt es keinen Pulsewidth-Slider). In der Mitte (blau) wird alles gemixt, also CV Modulationen, FM und Filter-Inputs (5x Audio und 2x CV). Ab hier kommt rechts ein grosses Quadrat, das, in 6 Blöcke unterteilt, die Hüllkurven, Gain, VCA, Mixer, Rev, Pan und Output beinhaltet. In der unteren Reihe sind zwei Genratoren (Noise und S&H) und dazwischen der Voltage Processor. Dieses Layout war und ist grandios!


    Panel-Layout Grössen-Vergleich I: K-ARP 2600 M vs Behringer

    Auslöser für den folgenden Exkurs war, die Grössen des Korg "ARP 2600 M" und Behringer 2600 zu vergleichen, weil mir der ARP 2600 M "zu klein geraten" und, wegen des niedrigeren Preises, mir als der direkte Konkurrent des, bzw. die Alternative zum Behringer 2600 erschien. Ich stellte fest, dass sie gar nicht so unterschiedlich gross-, trotzdem aber sehr unterschiedlich sind. Mich interessierte die Grösse der "Control-Panels" (der "Arbeitsfelder") und dafür habe ich das folgende Bild angefertigt, in dem die Synthesizer "maßstabgetreu" nebeneinander abgebildet sind.

    Beim "Control-Panel" (die äusseren Grenzen der Controller) stehen 22,5 x 42,5 cm (Korg) gegen 32,4 x 43 cm (Behringer). Hier zeigt der Entschluss von Korg, das ARP Design beim 2600 M beizubehalten, bereits fatale Auswirkungen auf die Höhenverhältnisse, denn, die fehlenden 9,9 cm wirken sich insbesondere auf die Sliderlänge aus. Ein ganz zentraler Punkt! Schon beim ARP 2600 waren die Slider auf keinen Fall zu lang!

    Für mein Gefühl zeigt sich das Behringer Layout insgesamt offener und zugänglicher, und das, obwohl 7 Regler, 9 Switches, 1 Button und 8 Buchsen, also 25 Elemente mehr am Gray Meanie sind. Die Verteilung der Slider und Switches ist beim Gray Meanie auch gleichmässiger, weil sich die Slider-Verteilung am Original-Design der K-ARPs, wegen der Lautsprecher verjüngen muss und die Lautsprecher selbst eine "Freifläche" erzeugen, die ca. 2/3 der unteren Reihe verbraucht - es zeigt, dass der 2600 M, trotz grösserer Breite, tatsächlich schmaler gebaut ist, als der Behringer 2600. Der richtige Entschluss bei Behringer, die Lautsprecher herauszunehmen und den Block (oder das "Modul") mit Preamp-, Env-Follower- und RM von links oben in die untere Reihe zu versetzen, erfordert für den weiteren Vergleich, den entfernten Block beim Korg aus der Vergleichsmessung zu nehmen - und der K-ARP 2600 M "Control-Panel" misst ohne diesen Block einen halben Zentimeter weniger, als der des Behringer 2600. Mit dieser Veränderung beseitigt Behringer den grössten Teil der Freiflächen und macht den Weg frei für die Neugestaltung des Layouts.
    (Zwischenapplaus - Wer braucht schon Lautsprecher!?)

    Zurück zu den fehlenden 9,9 cm Höhe.:
    Ich habe im Bild (rechts) die Slider des K-ARP 2600 M neben die Slider des Gray Meanie (im Maßstab) kopiert: Die Aussparungen (Slots) sind ca. 3,5 cm (Korg) vs 5cm (Behringer). D.h., nach Abzug des Faderkopfs (Shaft) bleiben beim Korg ca. 3 cm Regelweg!! Im Bild ist links auch die obere Begrenzung des Korg Sliders auf Höhe des oberen Strichs zu erkennen. Ehrlich, das ist zu wenig! Besonders deutlich wird dies bei den horizonalen Freq-Sliders: von 10 bis 10.000 Hz. Auf 3 cm!!??! Na, viel Spass! Das mag ich mir gar nicht vorstellen! Und dazu noch der dicke Sliderkopf. OUT!

    Jetzt wollte ich die Unterschiede zum Fullsize ARP wissen!


    Panel-Layout Grössen-Vergleich II: ARP 2600 / K-ARP 2600 FS vs Behringer 2600

    Nach dem frühzeitigem "Doppel-Knock Out" des 2600 M (wegen zu kurzer Slider und fehlender "Timefactor Switches") musste ich natürlich die Unterschiede zwischen dem Korg 2600 FS (Full Size) und dem Behringer 2600 Gray Meanie nachmessen - und ich sage es vorweg: es wird deutlich, warum Behringer für das Panel-Layout die goldene Nadel verdient.

    Mit grossem Erstaunen stelle ich fest, dass die Höhe des K-ARP 2600 FS Panels ohne Rand, also des Feldes, das ich "Control Panel" nenne, trotz des enormen Grössenunterschieds der Instrumente, bei beiden (!) Instrumenten gleich ist!!! (Raunen im Saal.) Die 6mm, die ARP mehr hat, holt Behringer durch die kleinere Schrift spielend auf. Sofort geht mein Gedanke zur Drei-Reihen-Teilung und zur Slidergrösse zurück - und: ... ja - tatsächlich! Die Slider beider Instrumente sind etwa gleich gross! Die des Behringer 2600 scheinen sogar minimal grösser zu sein! Zumindest wirken sie durch die kleinen Köpfe schon länger. Wirklich erstaunlich!
    (Sacken lassen. Zeit für ausgelassenen Jubel.)

    Durch den grosszügigeren Umgang mit Platz und Beschriftungen beim ARP Original-Design kann Behringer schon da etwas Raum "abgewinnen". Durch die Verschachtelung bzw. "Stauchung" der beiden rechtesten Module in beiden oberen Reihen (4er VCA / Init-Gain / Reverb / Output) wird gleich eine halbe "Modulbreite" (= 2 vertikale Korg FS-Slider) Platz gewonnen. Allerdings wird hierdurch beim Gray Meanie mit der strikt vertikalen Ordnung des ARP Designs gebrochen: es entsteht eine "I Ging"-artige Verteilung (siehe Farbskizze oben). Trotzdem bleibt es ARP-typisch übersichtlich. Man muss aber gerechterweise sagen, dass dieser Bereich auch beim ARP 2600 schon etwas die strikte Teilung "unterläuft". Das Versetzen des Preamp / RM Bereichs in die untere Reihe beim Behringer war auch ein kluger Schritt, da nun nur noch 7 statt 8 "vertikale Module" das Behringer Instrument unterteilen - und das macht das Erfassen - vielleicht als Gegengewicht zur "I Ging Anordnung" - wiederum schneller / einfacher.


    Werden nun beim Korg ARP 2600 FS die Breite des linken (Preamp-) Moduls (das beim Behringer nach unten verlegt wurde) und die "gewonnene halbe Modulbreite" (ganz rechts) von der Control-Panel-Breite abgezogen, bleiben beim ARP auf 60cm Breite 27 Slider (mit einigen Lücken) und beim Behringer 43cm Breite mit 29 Sliders (und fast keinen Lücken) - Behringer hat ja, wegen der Erweiterungen, zwei Slider mehr (VCO3-Pulswidth und Key-CV-Attenuator im Filter) in dieser Linie. Die verwendeten Slider am Behringer, die keine Faderkappe, sondern an deren Stelle die schmalere LED haben, machen das möglich. Weil sie keine breite Kappe haben, können sie enger zusammen stehen, ohne beengt zu wirken.

    Im rechten Bild habe ich die Korg FS-Slider über und neben die Behringer Slider kopiert: auf der Breite von 3 Korg Sliders bringt Behringer 4 Slider unter. Bei den horizontalen Sliders ist die Anordnung der Slider bei beiden Instrumenten fast identisch.

    Trotz gleicher Höhe musste Behringer in der Breite ja ganze 20cm gewinnen! Beim Filter-Block ist der Weg dahin zu erkennen: da 4 Behringer Slider auf der Fläche von 3 ARP Sliders Platz finden und ARP 7 Slider mit Lücke - also den Platz von 8 Sliders belegt, kann Behringer, deren 8 Slider auf dem Platz von 6 ARP Sliders Platz finden, hier ein weiteres mal eine "halbe Modulbreite (= 2 ARP Slider) ergattern. Dann gibt's noch eine Zugabe, weil Behringer, trotz Aufrüstung, allen drei VCO (wegen der Slider) die gleiche, schmalere Grösse geben konnte (bei ARP ist der 2. VCO etwas dicker). Also, zusammengerechnet: eine Modulbreite (Preamp nach unten gelegt), 2x eine halbe Modulbreite (Mixer und Filter) und beim 2. VCO etwa eine Viertel-Breite eingespart. Et voilà, 20cm geholt. Saubere Arbeit!


    (Korg + ARP) 2600 Original-Design vs (Behringer) Erneuerung

    1. Es ist klar geworden, dass der Behringer 2600 nicht den Vergleich mit dem ähnlich kleinen "ARP 2600 M" antritt, sondern als eine echte Parallele zum original ARP 2600, bzw. dem K-ARP 2600 FS betrachtet werden muss. Fast identische "Control Panel" Höhen und Slider-Längen der beiden Instrumente belegen dies unmissverständlich. Die Slider liegen beim Behringer zwar ziemlich nahe beieinander, aber der Abstand zwischen den Sliderkappen ist beim Behringer trotzdem grösser, als beim grossen Korg ARP FS. Das, durch Behringer's "Ausmist-Aktion" ermöglichte, erneuerte Design hat den ARP 2600 ins 21. Jahrhundert portiert. Der erreichte Grössenunterschied (die Verkleinerung) des Behringer Gehäuses im Verhältnis zum ARP 2600 ist enorm - trotzdem wirkt der Gray Meanie aufgeräumt und spielbar. Die übernommenen, populären Modifikationen aus historischen ARPs und die Verbesserungen vergolden das Setup regelrecht und geben mir (Musiker) das Gefühl, (vom Hersteller) erhört worden zu sein. Die Modifikationen entstanden ja aus den Befürfnissen und Anforderungen der Musiker an das Instrument.

    2. Beim Korg M hätte auf jeden Fall der "Sockel" des Gehäuses aufgegeben und der Panel bis zum Boden verlängert werden müssen, um eine halbwegs angemessene Grösse der Slider zu erreichen. Der Korg 2600 M: für mich eine totale Fehlproduktion. ... Finito.
    (Er wird zu gut für seine Slider klingen und wohl trotzdem seine Käufer finden - aber mit Gesellschaftskritik will ich mich hier zurückhalten.)

    3. Beim Full Size Korg 2600 FS finde ich durch das neue Behringer 2600 Design bestätigt, was ich schon beim ARP 2600 überflüssig fand: die Lautsprecher. Wer braucht sowas? Das Entfernen der Lautsprecher hat beim Behringer "die Dinge ins Rollen gebracht". Das grosse und 19,3 kg schwere Gehäuse des K-ARP FS (mit Tastatur 30,6 kg!) - trotz des anderen (techn.) Innenlebens (meine Unterstellung) - geht für mich "an der Sache vorbei". Es ist nicht mehr zeitgemäss - zu gross, zu sperrig und zu schwer. (Gray Meanie: 5,1 kg + gewünschtes Case oder Cabinet).

    4. Behringer hat mit der Neugestaltung des Panel-Layouts den Vogel abgeschossen. Ich finde die Umsetzung herausragend! Das Grossartigste ist, dass, trotz der extremen Verkleinerung des Instruments, die Controller in gleicher Grösse erhalten sind - nur etwas enger angeordnet. Dazu die ganzen Verbesserungen und Modifikationen! Auch wenn ich schon seit einigen Jahrzehnten wusste, dass Synths zu den Lieblings-Themen von Uli Behringer gehören: so ein "Statement" hätte ich im Leben nicht von seiner Firma erwartet. Das ist eine ganz grosse Sache - zumindest für das Layout gibt es von mir schon mal 100 Punkte - und mein ganzes Interesse.


    Korg Abgesang

    Bei aller Sympathie, auch wegen der Einbindung von David Friend für Korg's ARP Projekte - ich werde mit den Korg Varianten des ARP 2600 nicht warm und fühle mich als Musiker nicht davon angesprochen - das war so auch schon beim Korg ARP Odyssey. Die Odyssey Desktop Version (ohne Tastatur) gefällt mir noch am Besten - und da sind die meisten Veränderungen zum Original drin. (Das muss doch auch Korg verstehen!?) Es scheint aber mehr um die Reproduktion eines Aussehens und Bedienen eines "Kults" zu gehen, als um die Klänge, die erzeugt- und die musikalischen, Anforderungen die erfüllt werden müssen. Die Mini-Versionen berühmter Synths mögen für 1.20m grosse Menschen taugen - ich bin 2 Meter und die Preise sind mir für ein Spielzeug deutlich zu hoch. Frage an Korg: Ich habe einen wunderbaren 270 x 164 cm Bechstein Flügel. Warum wohl bringt Bechstein keine "M"-Version von 160 x 98 cm auf den Markt?

    Insbesondere ARP 2600, ARP Odyssey und ARP AXXE waren sehr verbreitet und mir ist kein anderer Synthesizer bekannt, der auch nur annähernd so häufig modifiziert wurde (um die Schwächen auszubügeln). Wenn Korg nun das Instrument genau so baut, wie ARP vor 50 Jahren, dann fühle ich mich, auch stellvertretend, regelrecht missachtet, überhört. Auch Hersteller von Musikinstrumenten sollten zuhören können!

    Früher haben insbesondere die Synthesizer Companies der grossen Pioniere (Buchla, Moog und ARP) stärker auf die Kommunikation mit Musikern gesetzt und sich auf deren Anforderungen eingelassen. Die "Traditions-Firma" Korg versagt und der "China-Dumper" Behringer hat kommuniziert. Bei der Neuauflage der Korg ARPs sehe ich eher die Verwirklichung von Handels-Projekten mit dem einzigen Fokus auf Ausgaben und Einnahmen (sprich: Gewinn - auch für den Ruf der Firma Korg) - und die avisierte Kundschaft scheint nicht aus Musikern zu bestehen, sondern aus eher ahnungslosen Hobby-"Produzenten", die sich mit "Klassikern" (bzw. deren Remakes) zu versorgen bereit sind und mehr Geld für irgendwelche Pseudo-Instrumente auszugeben bereit sind, als die Musiker. Die (elektrotechnischen) 70er sind längst vorbei und sie sind auch nicht verlängerbar. Das ganze Korg-Ding wirkt auf mich insgesamt wie etwas zwischen Surrogat und Fetisch und ich finde es enttäuschend - fast etwas gruselig.

    Auch gibt sich Korg zu sehr bedeckt, was technische Details angeht (z.B. bei SMD oder der Betriebsspannung) - auch ein Jahr nach Veröffentlichung. Irgendwie nicht gut. Ich befürchte, dass der Korg 2600 FS weder die musikalische Sorgfalt, noch die Bauteile bekommen hat, die er - bei diesem Preis - verdient hätte.

    Und da fällt mir ein: etwas habe ich noch vergessen:


    Slider für ARP Synthesizer

    Meine Befürchtung ist, dass die Slider in beiden Korg ARP Modellen nicht die Besten sind. Beim 2600 M sind sie ohnehin zu kurz - für mich bereits ein Totschlag-Argument. Die Slider beider Korg ARP 2600 Modelle werfen aber eine weitere Frage auf (technische Aspekte):

    Ich erinnere mich, dass, als die Original Ersatz-Slider (NOS) für ARP 2600 seltener wurden und sich ihr Verschwinden abzeichnete, eine nervöse Stimmung aufkam, weil keine tauglichen Ersatz-Slider gefunden wurden, die den Anforderungen genügten. Das endete erst, als ein bestimmtes "Lumina" Slider-Modell auf den Markt kam. Dieser Slider hatte eine LED anstelle der Sliderkappe (ich weiss die technischen Details und Namen nicht mehr) und wurde von den ARP-Techniker-Koryphäen weltweit als der geeignete Nachfolger angesehen. Er verbreitete sich daraufhin recht schnell und auch im CMS 2607 sehen wir ihn leuchten.

    Nochmal: Meine Befürchtung ist, dass die Slider in beiden Korg ARP Modellen nicht die Besten sind! Ich weiss nicht, was Korg da gemacht hat, würde das aber genau prüfen, wenn mein Interesse am Korg ARP 2600 FS grösser wäre.



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    CMS 2607 - ein, bereits existierender, sehr guter 2600 Nachfolger

    Der CMS 2607 von Phil Cirocco ist für mich, die bisher attraktivste Wiederbelebung des ARP 2600 - in 6HE und 19 Zoll - und Phil Cirocco ist die Ikone unter allen ARP-Techniker-Koryphäen. Auch hier ist das Re-Design des Panels phantastisch: die Mix-Verhältnisse, EG, VCA und Voltage Processor werden weiterhin durch Slider schnell visualisiert - Preamp, Tuning etc. werden durch Potis eingestellt. Sinnvoll, weil Tuning nur über's Hören erreicht wird und zwider Sliderpositionen für "Coarse" und "Fine" nicht hilfreich sind. Durch die Potis wird oben und unten viel Höhe eingespart! Klanglich ist der CMS 2607 genau da, wo er sein sollte - daran scheitern alle Anderen. Wer den Klang des historischen ARP will, ist hier richtig. Der Haken am CMS 2607 ist sein Preis ($7000 + Versand und Steuern), die Verfügbarkeit, und, bei Besitz in Europa, eventuell der benötigte, technische Service.

    CMS ist also mit seiner handgearbeiteten Mini-Auflage zum 14-fachen Preis des Behringer, eher "ausser Konkurrenz". Coldplay, Tom Rowland (Chemical Brothers), Hans Zimmer, John McEntire, Pete Townshend und einige mehr zeigen Geschmack, denn die haben den CMS 2607.
    CMS baut auch die interessantesten ARP 2500 orientierten Eurorack Module.

    Wie ein (modifizierter) original ARP 2600 heute aussehen kann, lässt sich an Vince Clarke's Instrument sehen - welches auch von Phil Cirocco modifiziert wurde! Das Potential des ARP 2600 von 1971 wurde in der Zwischenzeit einfach besser umgesetzt und der ARP wurde eher komplettiert. Auch das Gehäuse (nicht von CMS) finde ich besser. Ebenso wird auch hier der Platz der Lautsprecher (schliesslich) sinnvoll genutzt. Ich empfehle einen Besuch auf der CMS Website: so viele umwerfende Instrumente auf's mal bekommt man kaum woanders zu sehen. (Beide Fotos habe ich von der CMS Seite ausgeliehen.)

    Der CMS 2607 ist der "Real Deal" - ich würde ihn jederzeit einem ARP 2600 vorziehen (ausser vielleicht dem auf dem Foto) - schon wegen des häufigen Services, den 50 Jahre alte Instrumente brauchen. Im Gegensatz zu akustischen Instrumenten altert nicht nur das Holz - mit Elektronik wird es nach 50 Jahren sicher problematisch. Immerhin ist der CMS 2607 günstiger, als ein optisch erhaltener original ARP 2600 - der sicherlich schon bald seinen ersten Service bräuchte. Seit Eric van Baaren (Saint Eric), unser "europäischer Phil Cirocco", aufgehört hat, wüsste ich zudem erst mal gar keinen Techniker... und wenn der CMS 2607 auch 50 Jahre hält, könnte ich ihn an meinem 111. Geburtstag immer noch spielen.

    Phil Cirocco hat übrigens auch die persönlichen Synthesizer-, also den "ARP" von A.R. Pearlman und den "Moog" von Bob Moog "behandelt".

    CMS


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    Fazit zum Behringer Gray Meanie und Blue Marvin

    Nach dem Vergleich sollte deutlich sein, dass es zwei Gewinner gibt - und beide kommen sich nicht einmal in die Quere.
    Erster Sieger: die kleinste Firma.
    Erster Sieger: die grösste Firma.

    CMS war und ist der Gewinner - die Adresse, an der man nicht vorbei kommt, wenn es um "den echten ARP Sound" geht. Bei Phil Cirocco lebt ARP-Instruments seit dem Niedergang weiter. CMS ist zum Original geworden. Als Europäer kann man sich nur etwas "mehr Management" wünschen, damit CMS auch in Europa einfacher verfügbar wäre. Aber kleine Werkstätten haben ihren Preis.

    Behringer hat seine Stärken gut genutzt und damit auch auf voller Länge gewonnen. Dieser Riese besitzt "den benötigten Chip" (seit einer Eigenentwicklung) und die gesamten Produktionsstrassen für alle Teile. Dadurch ist Behringer innerhalb kürzester Zeit zum Synthesizer-IKEA geworden. Sich einen der besten, je gebauten Synthesizer vorzunehmen, ihn zu überholen, umzugestalten, dabei den Wünschen der Musiker folgend, dieses Instrument (Interface) im kleinsten Format mit gleicher Slider-Länge herauszubringen und dafür € 619.- zu verlangen, halte ich nicht unbedingt für ein Verbrechen - eher für einen der seltenen Momente, in denen man einer monströsen Industrie auch einmal Respekt zollen und Dank zukommen lassen möchte, denn, dass wir hier zu diesem Preis das volle ARP 2600-Paket bekommen, wenn auch mit anderem Grundklang, fühlt sich fast an, wie ein Geschenk. So etwas kann eine kleine Werkstatt (bisher noch) nicht leisten. Die internationale Verfügbarkeit und der Preis des Instrumentes bilden eine eigene Kategorie.

    Gray Meanie und Blue Marvin

    So viel (analoger) Synth für so wenig Geld dürfte erst mal unschlagbar bleiben. Die Auswahl der "Module" und das Panel Layout waren beim ARP 2600 exemplarisch gut und das hat sich bis heute nicht geändert. Die, durch Behringer's Erweiterungen notwendigen Veränderungen des Panels sind goldrichtig und hervorragend ins Layout integriert. Allein das macht den Behringer 2600 schon empfehlenswert. Insbesondere zum Erlernen eines Synthesizers ist der 2600 wegen seiner Modul-Auswahl eine der besten, verfügbaren Möglichkeiten. So reichhaltig und dabei gut organisiert ist kaum ein anderer Synth - und Behringer ist es gelungen, die Schwächen des ARP 2600 zu "neutralisieren" und ihn in die Gegenwart zu portieren.

    Wer auch immer bei Behringer das ARP Layout verändert / optimiert / vervollkommnet / konsquent umgesetzt / und in die Gegenwart gebracht hat: das ist ein Meisterwerk!

    Die Erhaltung der ursprünglichen Slidergrössen ist, bei der enormen Verkleinerung des Instruments, ein echtes "Husarenstück"!

    Das neue Format (schlank, 19 Zoll, 8HE) ist sehr gut gewählt und flexibel in der "Endverpackung" (Seitenteile, Rack, Case, horizontal / vertikal, etc.). Auch lässt sich ein 19-Zoll Gerät unkompliziert aus einer Festinstallation im Studio in ein Reise-Setup verfrachten, denn mit 5,1kg bei den Maßen ist der Behringer 2600 wohl einer der reisefreundlichsten Synths aller Zeiten - auch für Kinder und alte Menschen ist er problemlos zu transportieren.

    Gemeinsames Musizieren gehört zu den bestmöglichen Dingen, die wir tun können - und deshalb ist es wichtig, das Synthesizer transportabel sind.

    Gerade für diese beiden Gruppen (Kinder und Alte) freue ich mich auch besonders - vor allem natürlich für die Kinder - und das ist eine grosse (soziale) Komponente für ein Instrument! Durch den günstigen Preis ist es nun möglich, früh einen Synthesizer, als eigenständiges Instrument, zu erlernen und das geht nur, wenn man ein Instrument besitzt (oder immer zur Verfügung hat). Das der ARP 2600 dafür Pate stand, war die best-mögliche Wahl: eine so reichhaltige Modulauswahl, so vielseitig und so intelligent zusammengestellt und dazu ein so aufgeräumtes Panel-Layout sind die beste Voraussetzung für (Lern-) Erfolge! Auch fällt die evtl. lästige Bastelarbeit weg, die z.B. bei Eurorack nötig ist - und die ganzen "Fehlkäufe" von Modulen auf dem Weg zum kompletten Instrument - das kann oft Jahre dauern und sehr, sehr teuer werden - ist ausgeschlossen.


    Behringer trifft den Nagel auf den Kopf!
    - und macht [hier] alles richtig!


    Zum Überprüfen, wie gross (riesig!) der finanzielle Unterschied ist: das ist alles im Gray Meanie / Blue Marvin:

    Behringer 2600:
    (Mono- und Duophon)
    3 x VCO, alle auf LF(O) schaltbar, 2x sync
    1 x Noise Generator
    External Audio Input mit Preamp - Gain umschaltbar
    Filter (2 Charakteristiken umschaltbar) - mit 5 Kanal Sub-Mixer und 3x CV In mit Attenuator
    Ringmodulator
    1 x LFO mit LED Indikator (mit LFO-Speed-, Delay- und Depth-Attenuator)
    EG: 1x ADSR und 1x AR (beide mit 3 Positionen Timefactor-Switch)
    Mixer (VCF/VCA)
    Panner
    4 x VCA + Initial Gain-Slider (Master Vol)
    Envelope Follower
    Slew Generator (Portamento)
    Sample & Hold mit LED Indikator
    4-fach Voltage Processor (inkl. Lag Time)
    4er Multples
    Spring Reverb
    Pedal-Eingänge für Interval Latch und Portamento (Foot-Control)
    USB- und MIDI IN/Thru
    regelbarer Kopfhörer-Ausgang
    (Grund-) Case und Stromversorgung

    Ich schätze, selbst mit den günstigsten Eurorack Modulen - auch da hat Behringer gerade neue Maßstäbe gesetzt - ist das auch für den doppelten Preis nicht einmal ansatzweise zu bekommen - es beginnt eher beim vierfachen Preis des Behringer 2600. Weder die Aufgeräumtheit des 2600 Panel-Layouts, noch die Kompaktheit oder das Gewicht des Behringer 2600 wären auch nur ansatzweise erreichbar. Und es wäre nicht "halbmodular".


    Mir gefällt das "halbmodulare" Konzept des 2600. Dabei sollte "halbmodular" allerdings gerechterweise "eineinhalbmodular" heissen: es macht den 2600 deutlich schneller beim Patchen, weil nach Abziehen eines Kabels die Standard-Verbindung wieder hergestellt ist - und das ist besonders wertvoll auf der Bühne. Wie umfangreich die Grundverkabelung bei solch einem Biest ist, zeigt die Skizze.

    Ein weiterer "Vorteil des Pakets ARP 2600", besonders für die Lernenden, ist, dass es eines der schönsten Manuals der Geschichte dazu gibt, das gleichzeitig eine profunde Einführung in Elektronische Musik ist und auf dieses Instrument ausgerichtet ist. Das "Arp 2600 Owners Manual"! Das Manual ist frei zugänglich - Behringer gibt uns jetzt das Labor dazu. Absolut empfehlenswert. Die Kombination (Manual/Behringer 2600) hätte das Zeug, elektronische Musik schon in der Schule zu lernen. Schliesslich ändert sich nichts an der Verhaltensweise von Pulse- oder Sägezahnwellen und deren Steuerung durch Control Voltage. Es ist die Basis. Ich hoffe auf die Verbreitung dieser Einschätzung und wünsche eine gute Zukunft.


    Für Schulen und Universitäten, für Zuhause und die Bühne, für Jung und Alt. Ein Lehr-, Lern- und Performance Instrument, ganz wie A.R. Pearlman es einmal geplant hatte - der abgebildete, historische Cartoon aus einem ARP Katalog von 1972 belegt das. Behringer hat es nicht nur erweitert, sondern auch erschwinglich gemacht!

    Ich denke, der 2600 Blue Marvin / Gray Meanie, basierend auf dem überragenden Design von A.R. Pearlman's ARP 2600, ist der erste "echte" - d.h. erschwingliche - Volkssynthesizer der Geschichte! Für so einen niedrigen Preis bekam man bisher vielleicht etwas mehr, als einen VCO - oder eben nur "Spielzeug".

    Chapeau, Behringer!


    Mit dem 2600 Blue Marvin und Gray Meanie hat Uli Behringer ein ganz grosses Ding gelandet! Wirklich gross! Ich hoffe, dass genug Resonanz entsteht, damit diese Modelle im Programm, und damit keine "Limited Edition" bleibt. Ich finde auch gut, dass Behringer den Namen "ARP" nicht bekommen (?) hat! "2600", "Blue Marvin", "Gray Meanie" und das eindeutige Layout sagen genug. Sagen wir ruhig "Behringer 2600". Ehre, wem Ehre gebührt.


    Der Gray Meanie auf der Behringer Website: Behringer 2600 Gray Meanie

    Der Blue Marvin auf der Behringer Website: Behringer 2600 Blue Marvin


    Mehr über ARP Instruments und auch den ARP 2600 auf meiner Website: ARP Instruments



    Behringer / Music Tribe


    Behringer's kürzlich erfolgter, massiver Einstieg in die Synthesizer-Branche hat die Firma schnell zur umstrittensten Firma der ganzen Branche gemacht. Es gibt zweifellos mehrere Dinge und Vorgänge, die an nichts Gutes denken lassen, dazu die immense Grösse der Firma und der industrielle und "chinesische" Hintergrund... - leider ist das auch genau das "convenience food" der sozialen Netzwerke. Es passt ins aktuelle Kommunikations-Schema der öffentlichen Entrüstung.... ein ungutes Gemisch. Es wäre gut, hier Klärung zu erlangen - und wohl auch Verhaltens-Änderungen der Firma.

    Trotz all dem hält Uli Behringer weiterhin eine besondere Nähe zu seinen Kunden / seiner Community aufrecht, die ihn als Enthusiasten und Verwirklicher eigener Träume zeigen. Seine Eurorack Module ("Neuinterpretationen" von ARP 2500, Roland- und Moog-Modular) sind eine Bereicherung des Eurorack-Formats - und die Preise sind dabei die eigentliche Neuerung. So werden diese Instrumente auch für Kinder und Jugendliche zugänglich! Und das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt! Ende 2020 ist Behringer, mit der Veröffentlichung des Behringer 2600 - meiner Meinung nach - "angekommen" und hat ein Instrument auf den Markt gebracht, das wirklich eine Menge Potenzial versprach - und offensichtlich doch noch Verbesserungen vertrug, die rasant umgesetzt wurden. Während die Auslieferung des B-2600 noch anläuft, wird im Februar 2021 bereits die Überarbeitung (Blue Marvin / Gray Meanie) angekündigt. Eine so schnelle Reaktion - wohl auf Kunden Kommunikation beruhend - ist ein wirklich starker Akt. Man merkt: hier steckt ordentlich Dampf drin!


    Wie oben schon gesagt: Ich denke, der 2600 Blue Marvin / Gray Meanie, basierend auf dem überragenden Design von A.R. Pearlman's ARP 2600, ist der erste "echte" - d.h. erschwingliche - Volkssynthesizer der Geschichte! Für so einen Preis bekam man bisher vielleicht etwas mehr, als einen VCO - oder eben nur "Spielzeug".

    Und hier kommt Uli Behringer ins Spiel.


    Hut ab, zum Gebet.




    Meine Pläne mit dem 2600 Gray Meanie


    Eigentlich brauchte und wollte ich gar keinen neuen Synthesizer, aber meine ARP-Sentimentalität ist doch noch gross genug, bei diesem Angebot von Behringer, mit grosser Freude schwach zu werden.

    Ich halte die Veröffentlichung des Behringer 2600 Blue Marvin/Gray Meanie, für einen echten Coup (im positiven Sinne) und freue mich auf die Wiederbegegnung mit diesem Layout - der ARP 2600 war ja mein Einstiegs-Synthesizer - den ich vor bald 30 Jahren zur Finanzierung meiner M.A.R.S. wieder verkauft hatte. Richtig gespannt bin ich auch darauf, ob es den 2600 Gray Meanie "mehr wie einen alten ARP" klingen lässt, wenn ich ihn durch meinen letzten historischen ARP, den seltenen "Little Brother" (15V) erweitere. Der Little Brother wird über den Preamp des 2600 in den Synth eingeschleift und erweitert diesen dann um einen vierten VCO, einen weiteren LFO, schaltbare Wellenform-Variationen und einen Suboctav-Divider. Die Wellenform-Variationen und der Suboctav-Divider wirken natürlich nur auf den VCO des Little Brother. Der LFO kann über ein Patchkabel auch auf externe CV-Eingänge geroutet werden. Nach dem Einschleifen durchläuft der Little Brother die Baugruppen des 2600 (Filter, Envelopes, VCA, etc.). Bei meinen ARP Odyssey Modellen hatte sich der Little Brother perfekt ausgewirkt und den Klang deutlich mehr in ARP 2600 Nähe gebracht!

    Der Little Brother ist das letzte ARP Instrument, das ich noch besitze - und das hatte, in unserer modernen 12V-Welt, bei mir ein Problem erzeugt, denn ich konnte keine 15V Trigger mehr erzeugen (die ein historischer ARP nun einmal braucht). Bis 2015 hatte ich noch die Odyssey und Axxe Synths von ARP und, um vom Computer aus 15V Trigger/Gate und CV senden zu können, ein Kenton Pro-2000 MkII, welches ich aber mit den ARPs verkauft hatte - es wäre heute auch für meine Zwecke überdimensioniert. Kenton baut aber auch kleinere Modelle und scheint der einzige Hersteller von MIDI zu CV Konvertern zu sein, die auch 15V Trigger abgeben können (und bezahlbar sind).

    Ein "Kenton Modular Solo" wird auf der Rückseite mit dem Eurorack Netzteil untergebracht (um es zu sehen, bitte auf das Bild klicken). Wenn alles (MIDI) so kommt, wie ich denke, wird der Behringer Gray Meanie über USB angeschlossen und die MIDI Daten für den Kenton durch den MIDI Thru des Gray Meanie zum Kenton weitergeleitet (anderer MIDI-Kanal). Vorne, neben dem Little Brother, ist ein Intellijell Planar, das ich als Audio- oder CV-Vektor-Mixer einsetze und das vom Eurorack-Netzteil den Strom bekommt.

    Ohne den ARP Little Brother hätte ich wohl den Behringer 2600 nicht bestellt, aber "Besitz verpflichtet". Die Kombination scheint mir extrem reizvoll - und so habe ich den 2600 Gray Meanie für meinen kleinen Bruder bestellt - damit er wieder mehr Bewegung bekommt.

    Ich habe schon mal etwas "Pi mal Daumen" geplant und finde das Ergebnis ganz reizvoll (Bild). Natürlich gehört zu solch einem Setup noch ein kleiner Mixer (hier: Mackie 802 VLZ3) und das FX-Pedalboard mit Delay, Phaser, Fuzz und Reverb - und am Besten noch eine Fusion Jazz Band!



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