ARP Instruments

ARP 2500

Der Name ARP ist die Abkürzung für Alan R. Pearlman, dem Gründer und Genius der Firma.

Der erste ARP (1970) war der ARP 2500. Ein modularer Synthesizer, mit Steckfeldern anstelle von Patchkabeln. Auf dem Bild ist nur der zentrale Synthesizer zu sehen - es gibt noch "Wings" (Kabinette) zur Erweiterung, die das Instrument mehr als doppelt so gross machen.

Der ARP 2500 blieb klanglich das "Übermodell" aller ARPs bis zum Ende der Firma. Fehler des Managements, zu hohe Preise für Polyphonie, suboptimale Forschungsschwerpunkte, Produktionsfehler und die insgesamt schwierige Gemengelage in einer geradezu "explodierenden" Musikindustrie sorgten 1981 für den Untergang der relativ kleinen Firma.

Die hier gezeigten ARPs stellen nur einen Bereich des Gesamtprogramms der Firma ARP Instruments dar.

Die ARPs in meinem Leben

ARP 2600

Semi Modular
  • Der ARP 2600 (Bj. 1970-81) ist ein halb-modularer, zuerst monophoner, später duophoner Synthesizer mit 3 VCOs und läuft intern mit 15V. Der Synthesizer ist in der Lage, durch gezielte Verwendung von Patchkabeln, recht komplexe Klänge zu erzeugen. Ohne Patchkabel hat er interne Default-Verbindungen - deshalb semi-modular. Er wurde in den USA auch in vielen Schulen als Lehrgerät geführt, so daß sein Bekanntheitsgrad fast den, des MINIMOOG erreicht. Zu erwähnen ist, daß die ersten Modell-Reihen etwas anders (und blau) aussahen und die späteren Baureihen des grauen ARP 2600 mit minderwertigeren Teilen bestückt waren. Dies drückte sich vor allem durch starkes Grundrauschen aus. Auch klangen die später verwendeten VCOs etwas schwächlicher, aber die ursprünglich verwendeten Teledyne-VCOs waren einfach zu teuer.

    Heute lässt sich das korrigieren oder optimieren, aber der ARP 2600 ist ein sehr teures Instrument geworden. Auch von diesem Modell war die letzte Serie im Black/Orange-Look.

    Für diesen Synthesizer gab es drei verschiedene Tastaturen, wobei nur das letzte Modell 3620 (Foto) duophon war und einen zusätzlichen LFO bot.

    Der ARP 2600 war mein zweiter Synth (1985) und ich hatte ihn für ca. 12 Jahre. Ich habe ihn bis Anfang der 90er auch viel "Live" eingesetzt - oft ohne Tastatur. Wie Synthesizer technisch funktionieren, wusste ich damals nicht wirklich: alles war Trial and Error. Super.

    Dieses Instrument war ein Schwergewicht in der, bis dato, kompaktesten Verpackung. Es ist auf unzähligen Platten zu hören und in ebenso vielen Filmen. Joe Zawinul spielte es über Jahre in seiner Band "Weather Report", so dass der 2600 ein Teil des charakteristischen Sounds dieser Band war. Mit seinen drei VCOs war er zwar eine (viel leistungsfähigere) MiniMoog-Parallele, wurde aber wegen der Patchkabel nie als das angesehen. Als "offensive" Parallele brachte ARP den Odyssey, der allerdings nur zwei VCOs hat - aber durch einen "external Input" mit einem dritten VCO erweitert werden konnte.





    ARP Odyssey 2811

    & ARP Little Brother

    Auf dem Foto ist mein "aufgerüsteter" (black / golden) ARP Odyssey 2811 zu sehen. ARP bot in der Verbindung mit Max/MSP den Klang, den ich lange gesucht hatte. Das waren genau die "verlorenen" Klänge (nach 25 Jahren Digitalisierung)! Der kleine Bühnensynthesizer war plötzlich wieder extrem reizvoll.

    Dieser Umstand brachte mich zu Eric van Baaren (SaintEric.eu) und ich realisierte, daß diese Instrumente für mich - durch Eric's Eingriffe - besser denn je, einzusetzen waren, da er sie mir perfekt anpasste! Von Eric bekam ich auch den abgebildeten ARP Little Brother und ein umfangreiches Wissen. So erlebte ich 2006-13 einen regelrechten ARP-Frühling. Diesmal lernte ich aber die Instrumente richtig kennen - früher hatte ich sie ahnungslos gespielt.

    Der ARP Little Brother ist die ideale klangliche Ergänzung für den Odyssey, er liefert den dritten VCO. Da er den Oszillator des ARP 2600 hat, bringt er eine deutlich kräftigere Farbe ins Spiel und das tut gut. Es machte Spass, dieses Instrument zu spielen, dabei war es recht einfach zu handhaben.

    Zu diesem Odyssey Setup gehörten noch zwei Schwellerpedale (Volumen und Expression) und ein Portamento-Switch. Der Kenton-KillaMix und das Korg Nano-Pad (beides MIDI-Controller) waren zum Steuern meiner Max-Patches, ohne dabei in den Computer-Monitor sehen zu müssen.


    Das Material der Seitenteile (mit Boden) ist Vinyl! Ein besonderes Gefühl. Es war mein liebstes Odyssey Setup, obwohl noch drei Odysseys folgten. Dieser Ody hatte drei Mods: 1. LFO Speed (/10, normal, *10), 2. Duophony-Switch und 3. Envelope-Speed Switch (/10, normal, *10).

    Hier ist ein Ausschnitt, den ich mit diesem Instrument gespielt habe:



    ARP Odyssey 2821

    & ARP Axxe MkII Expander

    2009 bekam ich einen ungebrauchten Odyssey 2821 (black / orange). Er war 1976 gekauft und in Folie verpackt worden. Eine phantastische Sache - trotzdem mussten sämtliche Kontakte gereinigt und einige Kondensatoren ausgetauscht werden. Der Odyssey wechselte aber in meinem Setup gerade seine Rolle und wurde durch die Anschaffung des MOTM Modular Synths (2010) zum Synth-im-Synth. Während komplexere Dinge am Modular-Synthesizer stattfanden, war der Odyssey - durch sein Interface - für "schnelle Aktionen" da.


    Für diesen Odyssey hatte ich als dritten (und vierten) VCO einen Axxe MkII, den ich zum Expander umgebaut hatte - auch interessant, aber nicht so überzeugend, wie der Little Brother. Es war zwar eine Augenweide, aber insgesamt wurde ich mit dem (Voll-) Metall Odyssey nicht warm. Es war zwar alles frischer - an allen drei black / orange Modellen, die ich hatte, aber schon mit der Optik (ich fühlte mich vom Orange angebrüllt) und der Haptik (kalt) hatte ich Schwierigkeiten.

    Alles hatte damit angefangen, dass ich als Reaktion auf die Anfälligkeit des 2811 (black / golden), ein Zweit-Instrument wollte. Es kamen noch mehrere Odysseys dazu - und alle waren anders. Auch die, aus gleichen Baureihen. Ich lernte, dass die Bauteile teilweise bis zu 10% Anweichungen haben können.

    In der Folge ging das grosse Umbauen los, Filter, VCA, alles Mögliche wurde untereinander oder gegen andere Bauteile getauscht und jetzt wurde es noch interessanter: die verschiedenen Baugruppen klangen in den verschiedenen Instrumenten auch unterschiedlich! Es war also praktisch unmöglich, zwei gleich klingende Instrumente herzustellen. Die Instrumente gefielen mir in umgekehrter Reihenfolge zu ihrem Zustand. Der abgenudeltste Ody war der Beste, selbst nach dem Austausch des (besten) Filters gegen ein schlechteres.

    Es kommt also auf die Kunst des Technikers an, auf die verfügbaren Bauteile und das Glück, dass die Bauteile auch mit dem Rest des Instruments harmonieren. Aussehen ist eine andere Sache. Um das klarzustellen: die Instrumente klangen, bzw. verhielten sich zqar unterschiedlich - gut geklungen haben sie alle! Der Odyssey läuft intern mit 12V.

Odyssey Patches and Tutorial (1973)

Roger Powell's Büchlein und Tape als Video

    Perform!



    Die ARP Odyssey Baureihen

    2800 - 2813 und 2820 - 2823

    Bei den Odyssey Baureihen geht es ein wenig durcheinander - so sehr, dass bis heute oft ein Durcheinander entsteht, wenn es um die Modell-Bezeichnung geht. Besonders "falsch" sind die Bezeichnungen "Mk I" und "Mk II" - das Sicherste ist "Whiteface", "black / golden" und "black / orange". Trotzdem haben auch diese drei Gruppen noch Unterschiede.


    Model 2800 - 2813 (Bj. 1972-78)

    Der erste Odyssey (Model 2800, Bj. 1972-74) trägt den Namen "Whiteface". Er hat ein 12dB SEM Filter und links einen Poti für's Pitch-Bending. Tatsächlich wurden die letzten Modelle "Whiteface" bereits mit "black / golden" Gehäuse gebaut. Sonst war alles gleich.

    Mit der Serie 2811 (Bj. 1975-77) kam ein 24dB Filter - die Serie kam noch mit Pitch-Pot. Wann genau die drei Touch-Pods für den Pitch-Pot kamen, habe ich vergessen - es hat sich in der Folge ohnehin vermischt, weil die Pods auch zum Nachrüsten zu bekommen waren (PPC).

    Mit der schwarzen Serie sind auch zwei Filterwechsel verbunden, die durch ein Gerichts-Urteil ausgelöst worden waren: das erste Filter war als eine Moog-Kopie eingestuft und verboten worden. Soweit ich weiss, gibt es drei verschiedene Filter, von denen zwei begehrt sind. Das erste (Moog) und das Letzte (4075). Geschmackssache.


    Model 2820 - 2823 (Bj. 1978-81)

    Mit dem "black / orange Gehäuse kamen einige äusserlichen, markanten Wechsel: der Vinyl-Unterteil war einem Ganz-Metall-Gehäuse gewichen, was viel wartungsfreundlicher war, da man es aufklappen kann, wie eine Motorhaube. Die Tasten standen jetzt leicht über, was in der Praxis relativ häufig zu Verletzungen der Tastatur führte. Der 2820 wirkte aber nicht mehr so fragil, wie seine Vorgänger - auch die Faderkappen waren etwas dicker. Klanglich gibt es kaum Unterschiede, jedoch war das technische Layout effizienter und deutlich verbessert worden.

    Eine deutliche Verschlechterung aber war die Tastatur. Sie war viel leichter und klappriger, als bei den alten Modellen und das wurde mit jeder Baureihe noch schlimmer. Also: für Techniker eine Verbesserung: stabiler, effizienter, service-freundlicher. Für Pianisten: fast ein Schock - die, technisch unveränderte, Pratt Read Tastatur war ein lärmender Plastik-Haufen geworden. Tourende Musiker hatten häufig Schäden an der Tastatur. Nur das Ein- und Auspacken aus dem Koffer barg schon genug Gefahren.

    Hier sind drei Tastaturen in frisch gemachtem Zustand zu hören - zuerst Odyssey 2811, dann 2821 und 2823. Ich finde, die Qualitäts-Unterschiede sind deutlich zu hören. So gut mir auch der 2823 gefiel - die Tastatur war brutal und hat irgendwie den Zugang ge- bzw. zerstört.


    Frische Keyboard-Bushings auf dem 2811, 2821 und 2823

Die Odyssey Mods

Was ist das genau?
  • Die Mods

    Da die möglichen Modifikationen nur schwer vorstellbar sind, habe ich mal eine, auf die Schalter und Regler beschränkte Skizze für den Odyssey angefertigt, auf dem alle Modifikationen sind, über die ich mit Eric (SaintEric.eu) diskutiert habe. Das Multimode-Filter SE4109 ist noch in der Beta Phase, verspricht aber, ein wirkliches Highlight zu werden, denn es repräsentiert verschiedene ARP Filter (nach ARP Original-Plänen). Auch bin ich sehr gespannt auf den neuen, weiter entwickelten VCA, denn der VCA des Odyssey ist sicher seine Schwachstelle. Das lässt sich im Vergleich mit dem Axxe hören, dessen VCA viel besser "zupackt".

    Das SE2607 Modul (mit den Wellenformen des ARP 2600) gibt es auch mit Schaltern. Extremisten können zwei SE2607 (für beide VCOs) einbauen lassen! Die Mods "highest/lowest note priority" und "mirror" waren meine Anfragen.


    Das ist wirklich toll, wenn man sagen kann: "ich hätte/würde gerne..." - und dann bekommt man einen neuen Schalter, Poti oder Ein-/Ausgang an den Synthesizer mit eben dieser Funktion. Auch die Problematik der oft bescholtenen Eigenart des Odyssey, dem 2-Oktaven Transpositionshebel, kann Eric van Baaren mit einem 1-Oktav-Switch auflösen.

    Damit der Odyssey auch für Klänge "ausserhalb der Popmusik" tauglich wird, ist es sinnvoll, ihn zu modifizieren. Die an meinem 2811 (mit PPC anstelle des Pitchwheels) ausgeführten Mods sind a) Filter- und Audiopath Upgrade (macht den Ody HiFi), b) Mono-/Duo-Switch, c) Beschleunigung / Verlangsamung des LFO um den Faktor 2 (3er Switch), d) AR/ADSR Speed mit den Faktor 10. Durch diese Mods ist der Odyssey leistungsfähiger und bekommt seinen wunderbaren Klang.


    Das Foto zeigt "The Norwegian" - einen, von Eric van Baaren (SaintEric.eu), extrem modifizieren Odyssey.

  • Mod-Beispiele

    Was es bedeutet, wenn die Hüllkurve 10 x länger ist, soll das folgende Beispiel zeigen. Die Hüllkurve ist auf die Tonhöhe Oszillators gelegt und die Attack Zeit ist auf Maximum gestellt. Zuerst der normale Verlauf (ca. 5 Sek.), danach der verlängerte Verlauf (modifizierter Ody = 50 Sek.). Es wären auch 100 Sek. als Modifikation möglich. Die Grafik sagt eigentlich schon alles.

    Diese Modifikation bringt auch mehr Schnelligkeit. In der dritten Position des Switches wird die normale Zeit durch 10 geteilt (d.h., die maximale Attack-Zeit ist nur noch eine 1/2 Sekunde). Perkussive Klänge bekommen deutlich mehr Ausdruck und lassen sich genauer ausformen.


    LFO Speed / FM



    ADSR / AR Speed



ARP Axxe

Ein kleiner ARP (Bj. 1975-81)
  • Ein einfach aufgebautes Instrument mit überzeugendem ARP Sound. Der Axxe hat zwei Oszillatoren aber nur eine Hülkurve. Dadurch liegt seine Bestimmung in einfach strukturierten Klängen, wie Bass- oder Solosounds. Der Axxe hat auch einen Eingang für externe Audiosignale und kann über den externen Eingang z.B. durch den Little Brother erweitert werden.

    Oft liest man, er sei schwächer als der Odyssey - das stimmt überhaupt nicht - ihm fehlt aber, im Vergleich, eine Hüllkurve und die Ring-Modulation. Natürlich ist er einfacher aufgebaut - er hat aber einen kräftigeren VCA, als der Odyssey. Auch deshalb ist er bis heute, besonders als Bass- und Solo-Synthesizer beliebt.

    Bei den Axxe Baureihen ist es ok, von MkI und MkII (black / orange) zu sprechen. Es gab nur diese zwei Modelle. Auf dem Bild ist mein MkI. Auch bei den Axxe mag ich die "MkI" lieber. Schöner, bessere Tastatur, insgesamt wärmer (Haptik). Meinen MkII hatte ich in einen Expander umgewandelt (s.o.).



Rhodes Chroma

16 x ARP! (Bj. 1979-80)
  • Mein erster ARP und auch mein grösster. Durch die Folgen der Pleite der Firma ARP 1981 kamen 1983 einige Rhodes Chroma´s auf den Markt, die für weniger, als ein Drittel des Originalpreises zu haben waren. Es war also DIE Chance, einen amtlichen Synth zu bekommen und damit eine wirkliche Basis, herauszufinden, ob Synthesizer "etwas für mich sind". Ich konnte das Geld auftreiben und bekam dieses Schlachtschiff. Klanglich im Bereich des Nonplusultra seiner Zeit. Cassetten-Interface, Computerschnittstelle für Apple II (!) und voller Platinen. Die Hardware entsprach 16 ARPs - und dadurch kam die überbordende Klangvielfalt zustande.

    Einige Nachteile gab es jedoch: das ungeheure Gewicht, die technische Anfälligkeit - fast alle Chromas, die ich sah, hatten mindestens ein ausgefallenes Modul (das waren 2 Stimmen) - und die fehlenden Modulationsmöglichkeiten. Der Chroma ist analog, aber mit digitaler Oberfläche. So musste der zu modulierende Parameter auf einen (1nen!) speziellen Fader gelegt werden. Na ja. Es gab noch zwei Shifter-Hebelchen (die waren wirklich gut - ich vermisse sie noch heute). Der Rhodes Chroma war/ist ein Ungetüm in jeder Hinsicht!

    Ein Jahr später machte ich meine erste Synthesizer-Produktion für ein Theaterstück von Ivan Klima. Der Rhodes Chroma war der Synthesizer, den ich am längsten hatte. Das Editieren war eine Qual (weil ich noch keinen Apple II Computer hatte), aber zu spielen war der Chroma extrem gut. Die Tastatur ist schliesslich von Rhodes. Trotz des enormen Gewichts hatte ich ihn oft dabei, auch Outdoor (in den Alpen!) oder bei illegalen Konzerten, bei denen evtl. eine Flucht samt Equipment anstand. Damals gab es Hilfe vom Publikum.

    Theatermusik 1983






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