Mein ARP-Setup 2006-10

Seit 2006 arbeitete ich wieder mit/an einem "aufgerüsteten" ARP Odyssey (2811). Arp bot in der Verbindung mit Max/MSP den Klang und die Klangvielfalt, die ich so lange gesucht hatte. Die verlorenen Klänge! So ein kleiner Bühnensynthesizer wird plötzlich wieder extrem reizvoll. Der ARP Odyssey wiederum hatte mich mit Eric van Baaren (SaintEric) zusammengebracht und ich realisierte, daß durch Eric diese Instrumente für mich heute besser denn je einzusetzen sind, da er sie mir regelrecht anpasst!

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Zum ARP Odyssey gehören noch zwei Schwellerpedale (Volumen und Expression) und ein Portamento-Switch. Die ideale klangliche Ergänzung für den Odyssey ist der ARP Little Brother, er bildet quasi den dritten VCO. Da er den Oszillator des ARP 2600 hat, bringt er auch eine kräftigere Farbe ins Spiel. Es macht einfach Spass, dieses Instrument zu spielen, dabei ist es recht einfach zu handhaben.

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Damit der Odyssey auch für Klänge "ausserhalb der Popmusik" tauglich wird, ist es sinnvoll, ihn zu modifizieren. Die an meinem 2811 (mit PPC anstelle des Pitchwheels) ausgeführten Mods sind a) Filter- und Audiopath Upgrade (macht den Ody HiFi), b) Mono-/Duo-Switch, c) Beschleunigung und Verlangsamung des LFO um den Faktor 2 (3er Switch), d) Beschleunigung und Verlangsamung der Hüllkurve (AR/ADSR) um den Faktor 10. Durch diese Mods ist der Odyssey deutlich leistungsfähiger und bekommt seinen wunderbaren Klang.

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Was es bedeutet, wenn die Hüllkurve 10 x länger ist, soll das folgende Beispiel zeigen. Die Hüllkurve ist auf die Tonhöhe Oszillators gelegt und die Attack Zeit ist auf Maximum gestellt. Zuerst der normale Verlauf (ca. 5 Sek.), danach der verlängerte Verlauf (modifizierter Ody = 50 Sek.). Es wären auch 100 Sek. als Modifikation möglich.

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Diese Modifikation bringt auch mehr Schnelligkeit. In der dritten Position des Switches wird die normale Zeit durch 10 geteilt (d.h., die maximale Attack-Zeit ist nur noch eine 1/2 Sekunde). Perkussive Klänge bekommen deutlich mehr Ausdruck und lassen sich genauer ausformen. Mehr über die von SaintEric angebotenen Modifikationen weiter unten.

Allein dieses Beispiel zeigt sich sehr deutlich, daß der Odyssey ohne diese Modifikationen zwar ein schöner Synthesizer, jedoch nur sehr eingeschränkt einsetzbar wäre. Die Wertigkeiten wären für meine Vorstellungen jedoch schlicht ungenügend. Durch die Modifikationen wird der Odyssey ein kleines, versatiles, analoges Instrument, ideal für fast alle Anforderungen.

Die verbundene Software (Max/MSP) war weitestgehenst modular aufgebaut. Zu diesem Zeitpunkt begann ich auch, mit dem Audio-Interface als digitale Patchbay zu experimentieren. Die ARPs verstrahlen in diesem Verbund Magie und erzeugen ein deutlich persönlicheres, elektronisches Klangbild, als es digitale Elektronik allein vermag.

Auch für Unterwegs ist die Kombination Odyssey/Little Brother wirklich sehr gut (nicht zu gross, zu schwer oder zu viel). ARPs sind aber durch ihre Sliders deutlich fragiler als andere Synthesizer und müssen immer sehr gut behandelt werden.

Mein ARP-Setup 2010-13

2009 bekam ich einen quasi ungebrauchten Odyssey 2821. Er war 1976 gekauft und in Folie verpackt worden. Eine phantastische Sache, trotzdem mussten alle Kontakte gereinigt und auch einige Kondensatoren ausgetauscht werden. Der Odyssey wechselte in meinem Setup seine Rolle und wurde durch die Anschaffung des MOTM Modular Synths zum Synth-im-Synth. Während komplexere Dinge am Modular-Synthesizer stattfanden, war der Odyssey - durch sein Interface - für "schnelle Aktionen" da. Natürlich kann der Audioausgang des Odyssey auch in den modularen Synth laufen, muss aber etwas verstärkt werden.

img Die gewonnene Komplexität, auch in der Verbindung zum Computer und der Zusammenklang beider Instrumente war, besonders zu diesem Zeitpunkt, hervorragend.

Die Modifikationen am ARP:

Filter und Audio-Upgrade, LFO-Speed, ADSR-Speed, Mono-/Poly-Switch, das Filter (4075) wurde ausgetauscht und ein alternativer VCA (CA3080) eingebaut.

Der ARP Little Brother war nach wie vor Bestandteil des Instruments. Der ganz oben auf dieser Seite zu sehende Axxe-Expander wurde durch den MOTM Modular Synthesizer ersetzt (und zur Finanzierung eingesetzt).

Hier sind ein paar Töne von zwei Odysseys (2821 und 2823) und dem Axxe-Expander.

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Mods

Da die möglichen Modifikationen nur schwer vorstellbar sind, habe ich mal eine, auf die Schalter und Regler beschränkte Skizze für den Odyssey angefertigt, auf dem alle Modifikationen sind, über die ich mit Eric (SaintEric) diskutiert habe. Das Multimode-Filter SE4109 ist noch in der Beta Phase, verspricht aber, ein wirkliches Highlight zu werden, denn es repräsentiert verschiedene ARP Filter (nach ARP Original-Plänen). img Auch bin ich sehr gespannt auf den neuen, weiterentwickelten VCA, denn der VCA des Odssey ist sicher seine Schwachstelle. Das lässt sich im Vergleich mit dem Axxe hören. Verstärkung lässt sich aber ja ausgleichen.

Das SE2607 Modul mit den zusätzlichen Wellenformen (die des ARP 2600) wird auch alternativ mit Schaltern angeboten. Extremisten können auch zwei SE2607 (für beide VCOs) einbauen lassen! Natürlich sind die Mods immer wieder verschieden und auch die Orte der Pots und Switches können variieren. In der Regel kommen auch nicht alle Modifikationen gleichzeitig ins Instrument, sondern nach und nach - eher wie weitere Anpassungen an die gewünschten Funktionen. Die Mods "highest/lowest note priority" und "mirror" (die Umkehrung der Tastatur) kamen erst durch meine Nachfrage zustande.

img Das ist wirklich toll, wenn man sagen kann: "ich hätte/würde gerne..." - und dann bekommt man einen neuen Schalter, Poti oder Ein-/Ausgang an den Synthesizer mit eben dieser Funktion. Auch die Problematik der oft bescholtenen Eigenart des Odyssey, dem 2-Oktaven Transpositionshebel, kann Eric van Baaren mit einem 1-Oktav-Switch auflösen.

Dieses Foto eines schwer modifizierten Ody habe ich von SaintEric geschickt bekommen. Dieser Odyssey hat sogar einen eigenen Namen: "the Norwegian".


Joy Sticks

Das Interface des EMS Synthi AKS hatte mich durch die Matrix und den Joystick immer sehr gereizt und so hatte ich mich entschlossen, auch dem Odyssey zwei Joysticks als Controller zu spendieren. Nach kurzer Suche hatte ich geeignete Modelle bei Doepfer gefunden, bestellt und "kompiliert". Der Zusammenbau des Doepfer Kits könnte kaum einfacher sein (12 Kabel löten).

img Über die Wheel Electronic (WE) in MIDI verwandelte Daten konnten so den ARP über die Aux-Ausgänge des Kenton Pro2000 MkII steuern. Die Rückholfedern der Joysticks hatte ich entfernt, so daß die Hebel in der aktuellen Position verharren. Da es nirgendwo kommuniziert wird: der Doepfer (ALPS) Joy Stick I hält bei entfernter Rückholfeder seine Position sehr gut. Er fühlt sich ohne die starke Feder sogar "wertiger" an, als mit. Abzwacken hat allerdings nicht gereicht - der Joystick verhielt sich "unrund", weil Reste der Feder leichten Widerstand boten. Nach der Entweidung des Potis (Öffnen und Herausnehmen der Federreste) war alles tip top.

Ein gutes Gehäuse zu bauen, ist der schwierigere Teil der Aufgabe. Um den Aufbau auf dem Synthesizer minimal zu halten, hatte ich die WE-Platine in einem eigenen Gehäuse untergebracht (auf dem Foto nicht zu sehen). Dadurch war ich auch das Kabelproblem los: Netz- und MIDI-Kabel liefen in die zweite Box.


Meine ARPs in den 80er Jahren

Durch die Folgen der Pleite der Firma ARP 1981 kamen 1983 einige Rhodes Chroma´s auf den Markt, die für ein Drittel des Originalpreises zu haben waren. Es war also DIE Chance, einen amtlichen Synth zu bekommen und damit eine wirkliche Basis, herauszufinden, ob Synthesizer "etwas für mich sind". Ich konnte das Geld auftreiben und bekam dieses Schlachtschiff. img Ein Jahr später machte ich meine erste Synthesizer-Produktion für ein Theaterstück von Ivan Klima. Ein Knall.

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Klanglich im Bereich des Nonplusultra der Zeit. Cassetten-Interface, Computerschnittstelle für Apple II (!) und voller Platinen. Ich glaube, die Hardware entsprach 16 ARPs - dadurch kam die überbordende Klangvielfalt zustande. Einige Nachteile gab es jedoch: das ungeheure Gewicht, die technische Anfälligkeit - fast alle Chromas, die ich sah, hatten mindestens ein ausgefallenes Modul (das waren 2 Stimmen) - und die fehlenden Modulationsmöglichkeiten. Der Chroma ist analog, aber mit digitaler Oberfläche. So musste der zu modulierende Parameter auf einen (1nen!) speziellen Fader gelegt werden. Na ja. Es gab noch zwei Shifter-Hebelchen (die waren wirklich gut - ich vermisse sie noch heute). Der Rhodes Chroma war/ist ein Ungetüm in jeder Hinsicht!

img Wegen des Modulationsdranges steuerte ich dann auf einen ARP 2600 (Bj. 70 -81) zu. Ich konnte ihn billig für umgerechnet ca. 500 Euro kaufen. Er war völlig aus der Mode - doch gab es noch kein Internet und Service-Arbeiten waren schwer zu bekommen - die meisten Werkstätten wollten die Teile nicht anrühren. Mein 2600 war super - er lebte (und rauschte) und ich machte die Erfahrungen, die ich so sehr gesucht hatte.


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Vor allem nutzte ich den ARP 2600 bis 1989 für Live Darbietungen improvisierter Musik. Ziemlich gefährlich für Halbwissende wie mich (damals ;-). Man konnte verlorengehen bei der verwirrenden Menge von Schaltungen und Verkabelungen. Aber es war ein phantastisches Instrument an guten Tagen! Wow. Was für ein Trip! Der Transport von Chroma, 2600 und E-Piano war allerdings ziemlich aufwändig.


Die ARP Odyssey Baureihen

Der Umbau des ARP Axxe zum Expander

Synthesizer-Modelle von ARP