Synthesizer

    Plug and Play synthesizer

    Analoge Oszillatoren und Filter erzeugen tatsächlich Töne, bzw. legen Verhaltensweisen an den Tag, während digitale Klänge immer Reproduktionen von Klängen oder Verhaltensweisen sind. Üben auch nach wie vor einige Stage-Synth-Klassiker eine starke Faszination auf mich aus, widme ich mich heute lieber den modularen Systemen.

    Diese bieten einen universalen und offenen Ansatz. Sie vertiefen und konkretisieren immer das Bewusstsein für klangliche Prozesse. Ein modulares System bietet alle Möglichkeiten für die Interpretation bestehender elektronischer Werke. Schaltungen können umgesetzt und inzwischen auch an beliebigen Punkten mit digitalen Prozessen verwoben werden.

    Bei Modular-Synthesizern wird zwischen Betriebs- und Steuerspannung unterschieden. Während die Betriebsspannung bei verschiedenen Formaten variiert - in der Regel zwischen 12-, 15- und 18 V, ist die Steuerspannung (CV) bei den meisten Systemen 10V pp (pp=peak to peak) und Volt/Oktave (also 10 Oktaven). So können auch verschiedene Formate "gepatched" werden und miteinander ein Instrument bilden - sie brauchen nur verschiedene Netzteile und eine gemeinsame Erdung.

    Seit einiger Zeit habe ich auch wieder einen (digitalen) 12 bit FM-Synthesizer: ein Yamaha TX81Z. Diese Geräte aus den 80ern haben, technikbedingt, einen ganz eigenen Klang. Mehr darüber ganz unten.

Etwas Gutes aus dem Jahr 2021? Ein Volkssynthesizer!

2600 Blue Marvin und Gray Meanie

Da hat Behringer ja was rausgehauen! Schon mit dem 2600 (black/orange) überzeugte die Firma, mit den Modellen "2600 Blue Marvin" und "2600 Gray Meanie" haut Behringer nun den Nuckie raus:

Ein 2600 Gray Meanie oder Blue Marvin für € 619.-!!

Ein Schmuckstück! Ein Synthesizer für's Volk! Ich bin wirklich tief beeindruckt. Total baff könnte man auch sagen.

Meine ersten Synths in den frühen 80ern waren "ARP Instruments", Rhodes Chroma und ARP 2600, und bis 2012 waren meine analogen Synths hauptsächlich von ARP - weshalb ARP, sozusagen, meine "Synth-Heimat" ist. Natürlich konnte ich dem BARP nicht widerstehen - und bin begeistert.
Alle meine Befürchtungen sind pulverisiert, die Erwartungen weit übertroffen.


2600 Gray Meanie

Mein Hybrid-Modular Projekt

und einige technische Details
  • Ein hybrides (analoges und digitales) Instrument, wie es mir vorschwebt, benötigt, zur Steuerung der Parameter, analoge Module mit Control-Voltage Eingängen. Die CV-Spannungen sollen vom Computer erzeugt und empfangen werden.

    Der Schlüssel ist die Wandlung (im Computer) von Controller-Werten in Audio und danach von Audio in Steuerspannungen (CV). Aus einem SPDIF- (Stereo-) Kanal lassen sich 40 CV-Kanäle generieren! Ich benutze meistens eine Auflösung von 10 bit (1024 steps) für Dials und Slider.

    Vor 2010 war das noch nicht möglich und der digitale Part war auf Audio-Bearbeitung festgelegt. Aber auch das war mit meinen alten ARP Synthesizern reizvoll: eine hervorragende Erweiterung der kleinen Bühnen-Synths, die komplexere Vorgänge ermöglichte. Dieses Bild (von 2007) zeigt "digitale Audio Module" in Max/MSP.

    Es gibt eine Kostenscheide - z.B. ist ein Noise Modul zwar einfach durch Software zu ersetzen, kostet aber wahrscheinlich weniger, als ein Audiokanal des Audio-Interfaces für Noise (DA) und 1/20 eines zweiten Kanals für Random-CV (über Audio-to-CV). Nicht wenige Hardware-Module hatte ich nur angeschafft, um sie zu studieren und durch etwas Vergleichbares (in Max/MSP programmiert) zu ersetzen. So ist eine ganze Reihe digitaler Clones enstanden.

    Das Gute an dieser Unternehmung ist, dass es sich mit allen Synth-Formaten machen lässt, wenn CV IO's vorhanden sind. Auf der Seite gebe ich einen Überblick, was "hybrid" in diesem Fall bedeutet und wie, mit welchen Mitteln, Schnittstellen und Geräten ich versuche, das umzusetzen.



    Hybrid-Modular

Analoge Modular-Synthesizer

Buchla, MOTM und Eurorack

    Mein "Haupt"-Format ist seit 2015 die Buchla 200 Series - die "Electric Music Box" der 70er Jahre. In diesem Format ist alles etwas spezieller - Bananenstecker, unipolar, Tini-Jax, 1,2V/oct... Die meisten Module in meinem Instrument sind aber nicht aus den 70ern, sondern frische Clones.

    Das Instrument ist faltbar und erstaunlich leicht - und somit gut zu transportieren. Das Schwierigste ist wohl "der Markt" - die Clones sind nicht über den normalen Musikalien-Handel zu bekommen.



    Buchla



    Eine edle Angelegenheit ist das MOTM-Format in 5HE. Musikalische und technische Maxime bestimmten eine konsequente Form, die durch Erfahrungen und Analyse der Schwächen historischer modularer Systeme, gestärkt erscheint. Vor allem ist die hohe Qualität der verwendeten Teile zu erwähnen, die, ausser zu hervorragender Audio-Qualität, auch zu einem sehr guten Spielgefühl führt.



    MOTM



    Das Eurorack-Format in 3HE hat sich zum populärsten Format gemausert und bietet die grösste Modul-Auswahl. Aufgrund der hohen Verbreitung existiert auch ein reger Gebrauchtmarkt. Durch die grosse Auswahl an Modulen und ein einziges Design-Chaos ist es ein optisch eher "unruhiges" Format.

    Besonders die geringe Grösse ist ein schlagendes Argument. Dieser Koffer war nur ca. 28 x 28 x 48 cm gross, 10 kg schwer und konnte komplett verkabelt, auch als Handgepäck im Flugzeug, transportiert werden.



    Eurorack



Historische Bühnen-Synthesizer

Meine Synthesizer im Laufe der Zeit (Archive)
  • Meine Synthesizer im Laufe der Zeit

    Wie es der Zufall wollte, fiel die Etablierung der Synthesizer als Instrument genau in meine Jugend und die Digitalisierung etwa an das Ende meiner Studienzeit. Als Pianist mit Hang zur Elektronik war ich dem Spannungsfeld der Entwicklungen zwar immer voll ausgesetzt, hatte jedoch nur wenige im Fokus - meistens waren sie ohnehin zunächst einmal unbezahlbar (1$ war 3 bis 4DM).

    Trotzdem waren es einige Synths (und Sampler), mit denen ich im Laufe der Zeit zu tun hatte. Manche Instrumente und deren Steuerung sind eng mit der Musik verbunden, die ich gemacht habe und manchen Instrumenten trauere ich ein wenig nach, bin aber trotzdem froh, sie heute nicht mehr "pflegen" zu müssen.

    Die, mit denen ich eine längere Zeit verbracht habe, sind hier zu sehen: Minimoog Model D, Moog Prodigy, EDP Wasp Deluxe, Yamaha TX816, Yamaha TG77 und der AKAI 1000 Sampler - von den 70ern bis in die 90er Jahre. Nur die Instrumente von ARP habe ich hier ausgelassen - die haben eine eigene Seite (siehe rechts).



    mehr...



    ARP Synthesizer

    Die Instrumente von ARP nehmen in meinem Leben einen besonderen Platz ein: meine ersten beiden Synthesizer waren ein (ARP) Rhodes Chroma und der ARP 2600 - zwei echte Schlachtschiffe, die mich geprägt haben. Als ich nach 10 Jahren Abstinenz wieder anfing, analoge Synthesizer für mein "Hybrid-Projekt" einzusetzen, war ARP natürlich meine erste Wahl. Tolle Instrumente, die unkompliziert zu warten, leicht zu transportieren und auch gut zu erweitern sind.

    ARP baute wunderbare Synthesizer, deren klangliche Vielfalt, Komplexität (technisch) und Charakter auch heute noch überzeugen. Weil ich das Glück hatte, auf Eric van Baaren (SaintEric.eu) zu treffen, der mir die Instrumente regelrecht anpasste, habe ich in der Folge sehr viel über ARP gelernt.

    Daher haben die ARPs bei mir eine Extra-Seite.


    Mein ARP Archiv

Mein Digitaler Synthesizer (Heute)

FM in 12 bit
  • Yamaha TX81Z

    Seitdem ich wieder Synthesizer habe, kam mir immer wieder der Gedanke an meine wunderbaren Setups von ca. 1986-93. Den Kern bildeten ziemlich viele Yamaha Synths (TX816, TG77 und SY99) und ein AKAI Sampler. "Der Schlüssel" für meine Vorhaben damals war, wie sich Yamaha-Synths (und AKAI Sampler) über SysEx komplett über MIDI steuern liessen - und das Erlernen von SysEx war auch mein Einstieg in die Computer-Programmierung. Das Problem war nur, das 2x 12HE Racks (je mehr als 50 kg schwer), ein grosser Synth mit Tastatur und eine Piano-Tastatur (Doepfer LMK I), Mischpulte, Pedale und Computer einfach zu viel Gepäck waren.

    Im April 2018 habe ich wieder einen Yamaha Synth, den TX81Z, erstanden. Eine HE, 3,5kg plus [gezügelte] Sentimentalität für €150.- - dagegen gab es einfach keine Argumente.

    Der TX81Z wurde nur 1986/87 gebaut und hat 8 Stimmen mit je 4 Operatoren (Operatoren sind Oszillatoren) - also zwei weniger, als der DX7 (6 Operatoren). Der TX81Z hat zwar dieselben Algorithmen wie DX21/27/100 (4 Operatoren), ist aber trotzdem ganz anders. Er hat durch den verwendeten LSI Tone Generator, einen deutlich verbesserten "high quality" Sound und das wirklich nervende Rauschen von DX7/TX816 wurde besiegt. Der TX81Z ermöglichte zum ersten Mal, FM auch mit Nicht-Sinus Wellen zu realisieren (8 Waveforms im TX81Z). Neu waren auch ein Envelope-Shift und drei eigenwillige Effekte, von denen jeweils einer pro Performance-Set ausgewählt werden kann.

    Das Performance-Set ist eine Zusammenstellung der Sounds, inklusive Polyphonie- und Umfang-Zuweisung per Sound (max. 8 Stimmen). Es können also bis zu 8 verschiedene Sounds (je eine Stimme) gleichzeitig gespielt werden und durch Umfang und Positionierung der Sounds ergeben sich Keyboard-Splits oder Layers. Das ist sehr gut gedacht und erlaubt komplexe Setups.

    Ein tolles Instrument, das auch heute noch einige Freunde hat. Wegen Korg Volca und Yamaha Reface, die mir beide aus verschiedenen Gründen nicht gefallen (Volca klingt nicht gut und Reface ist nicht komplett MIDI steuerbar), scheinen die Preise für TX81Z gerade im Keller zu sein. Ich habe € 152.- gezahlt (excellent condition!) - pro Stimme (a' 4 Operatoren) sind das €19.-!!!

    Eine tolle Seite mit viel Liebe und allen Infos: the Yamaha* TX81Z Homepage



    Tipp für potentielle Käufer (und Besitzer)

    Da wir nicht in einer teuflischen Welt Leben, hat jedes Gerät seine ur-eigenen Probleme: Viele TX81Z machen Geräusche, die durch Schwingungs-Resonanzen am Gehäuse hochgeschaukelt werden und als permanenter Summton oder eine Art Pfeifen wahrgenommen werden - zum Glück aber nicht im Audio-Signal). Dieses Problem kommt vom Trafo und bestand während der gesamten Herstellungs-Zeit - es gibt sogar interne Papiere von Yamaha dazu im Netz, auf denen ein ziemlich aufwendiger und teurer Workaround gezeigt wird. Mein TX81Z hatte dieses Pfeifen auf ganz extreme Weise, aber ein technisches Genie, über dessen Bekanntschaft ich mich freuen darf, hat mich davon befreit. Wie er das gemacht hat, weiss ich nicht genau. Es ist auf dem Foto an den silbernen Schrauben im Gehäuse-Deckel zu erkennen.

    Wenn möglich, sollte man also den Verkäufer vorher zum Summton befragen!

    Als FM-Synthesizer ist der TX81Z eine der besten bestehenden Möglichkeiten.


    12 Bit

    Eigentlich steht ja "mehr" für Verbesserungen. Bei der FM Synthese ist aber eine Besonderheit zu bemerken: Als die späteren Yamaha Synths - ich glaube, ab dem DX7 II, sicher aber TG77/SY77 - mit 16 Bit kamen, waren einige Aspekte zwar deutlich verbessert worden, jedoch wirkte die FM plötzlich sehr gezähmt. Das war nicht für Alle erfreulich, insbesondere ein Teil der "FM-Puristen-Fraktion" trauerte der etwas brachialeren Direktheit der 12bit Auflösung hinterher.


    TX81Z Editor

    Das Programmieren der Sounds am Gerät kann man nur als Strafe betrachten, aber heute sind Computer ja überall verfügbar und damit auch Editoren - z.B. aus dem Freeware CTLR-Paket.

    8 bit

    Natürlich steuere ich den TX81Z nicht mit dem Editor, sondern mit Max. Mit 97 Parametern ist es ein recht übersichtliches Gerät. Die Parameter-Steuerung bei Geräten dieser Generation funktioniert ausschliesslich über SysEx, was eine nette Abwechslung beim Programmieren darstellt, denn SysEx ist Hexadezimal. Die hexadezimale Schreibweise ermöglicht, auch 3-stellige Werte bis 255 (0 bis 255 = 256 steps = 8 bit) in zwei Stellen auszudrücken. Die Buchstaben A-F werden deshalb zusätzlich zu den Ziffern gebraucht. Der aktuelle Parameter-Wert, das ist in der Regel die vorletzte Zahl der SysEx-Message, ist in 7 bit: 0 bis 127, oder in Hexadezimal: 0 bis 7F. Die, durch Leerzeichen voneinander abgesetzten Stellen sind Bytes (siehe nächstes Bild).

    Hexadezimale Schreibweise von 0-255:
    0=0, 1=1, ... 9=9, 10=A, 11=B, ... 15=F, 16=10, 17=11, 18=12, ... 25=19, 26=1A, 27=1B, ... 31=1F, 32=20, 33=21, ... 41=29, 42=2A, ..., 48=30, ... 159=9F, 160=A0,...170=AA, ... 247=F7, 248=F8, 249=F9, 250=FA, 251=FB, ... 255=FF.



    Die 8 Algorithmen des TX81Z (Verschaltung der Operatoren/Oszillatoren).