Der historische Fund des 'Museo del Synth Marchigiano'

    Mitglieder des 'Synth-Museum Marchigiano' haben Reste des IRIS Studio (M.A.R.S.) gefunden!

    Ein geradezu historischer Fund gelang der Gruppe um das 'Museo del Synth Marchigiano' 2019 unweit von Ancona in Italien. Nach Gewährung des Zutritts zu einem, dem Verfall entgegensehenden und lange geschlossenem Lager der Firma Bontempi, stiessen die Betreiber des Synth-Museum auf eine beträchtliche Menge „abgewickelten“ Materials. Es war das eingelagerte Equipment aus dem Forschungszentrums für Audio-Technik, 'IRIS' in Paliano (bei Rom), welches nach der plötzlichen und unerwarteten Schliessung von IRIS (also dem Verschwinden), etwa um 1999 dorthin transportiert worden war. Darunter sind vor allem Prototypen verschiedener Geräte, die bei IRIS entwickelt worden waren, hauptsächlich aber M.A.R.S. der letzten Generation! Der grosse Coup des 'Museo del Synth Marchigiano' war schliesslich die gelungene "Befreiung" und Überführung dieses Materials in den Bestand des Museums.

    Als Intro ein Stimmungs-Bild des Schatzes mit historischer Messtechnik im besagten Bontempi-Lager


    Viel Glück und viele Zufälle führten zu diesem Fund - und sogar ich hatte eine kleine Rolle im ganzen Geschehen: in einem Forum über historische elektronische Intrumente aus Italien hatte ich einen Artikel über die (fast unbekannte) M.A.R.S. gepostet und natürlich auch mit einem Link auf meine Website versehen - sie war/ist die einzige Website mit Informationen zur M.A.R.S. - und so kam der Kontakt zustande. Das Museo del Synth war ja ursprünglich eher auf der Suche nach klassischen Bontempi und Farfisa Instrumenten und musste zuerst herausfinden, auf was sie da gestossen waren. Mittlerweile sind bereits mehrere M.A.R.S. voll funktionsfähig und wieder aktiv. Der Zufall wollte, dass die Heimat des 'Museo del Synth Marchigiano' auch die Heimat-Region der Bontempi-Farfisa Group ist und das Lager daher in unmittelbarer Nähe war.


    Auf dem Screenshot (rechts) sind die vier Freunde mit einigen M.A.R.S. Prototypen der frühen Generation zu sehen: die Prototypen waren nicht in den dunkelblauen, sondern in silber/hellblauen Gehäusen. Der Haupt-Anteil scheint aber aus den ISA-MARS der letzten Generation zu bestehen. Selbst der NeXT-Cube, mit dem die (Windows95/98) Software ARES programmiert wurde ist, samt Source Codes, dabei! (Bild links.)

    synthesizerFür mich ist dieser Fund besonders erfreulich, da ich aufgrund des Verschwindens von IRIS aufgehört hatte, mit meiner M.A.R.S. zu arbeiten, um nicht eventuell bei einem irreparablen, technischen Schaden, meine gesamte Arbeit zu verlieren. Viele Bauteile (besonders die Chips) waren ja IRIS Entwicklungen und es gab keine Adressen oder Dokumente, die eine Reparatur durch Aussenstehende ermöglicht hätten. Nun sind zumindest eine Menge Hardware und auch einige Dokumente wieder verfügbar und für alle Beteiligten stellt sich nun die Frage, wie die M.A.R.S. auch an aktuelle Computer angeschlossen werden kann - mein 27 Jahre alter Siemens PC läuft zwar noch, aber es wäre natürlich ideal, die zum Konfigurieren notwendige Software 'ARES' auf zeitgemässeren Rechnern laufen zu lassen. Vielleicht geht es mithilfe eines USB to ISA Boards. Bei mir läuft sie noch auf Windows98. Der Kontakt zum Programmierer von ARES besteht bereits.

    Deshalb geht es jetzt vor allem darum, die M.A.R.S.-Besitzer aufzustöbern - nur sehr wenige Exemplare sind in privater Hand, aber in den Studios in Basel, Freiburg und Dresden dürften noch M.A.R.S. "herumstehen". Mit ziemlicher Sicherheit aber dürften sie schon länger nicht mehr benutzt worden sein. Vielleicht hilft die Adressen-Liste mit M.A.R.S. Besitzern von 1995, die ich noch habe. Etwas Zeit bleibt noch, denn das 'Museo del Synth Marchigiano', das keine Dauerausstellung in einem Gebäude bieten kann, plant den jährlichen Event, vom 19. Oktober bis zum 2. November, mit dem Schwerpunkt M.A.R.S. und IRIS. Zu diesem Event werden nicht nur Konzerte mit M.A.R.S., sondern auch Vorträge einiger Entwickler der M.A.R.S. zu hören sein. Auch der Kontakt zu Peppino Di Giugno wurde bereits hergestellt.

    Warum so viel Aufwand für ein so altes DSP-System? Es ist ganz einfach: die M.A.R.S. klingt nach wie vor umwerfend gut, bietet unendliche Möglichkeiten und ist ein erhaltenswertes Instrument! Zum Einstimmen (und um den beträchtlichen Wert des Fundes zu untermauern), hier eine Collage mit Bildern des Fundes - mit M.A.R.S. und SPARK Maschinen von IRIS und den ADDA-Geräten der letzten Generation (MARS-ISA-Card).



    Das MUSEO DEL SYNTH MARCHIGIANO


    Näheres zur M.A.R.S. auf meiner Website: M.A.R.S. - eine historische DSP Station