Die Live-Elektronik

    Maßgeschneiderte Software für Komponisten, Musiker, Performance-Künstler, Film-Schaffende...

    Gelegentlich beauftragen mich Komponisten, Instrumentalisten oder Studios, Software nach ihren Vorgaben zu entwickeln, also, um eine Realisation einer Live-Elektronik. Für die Umsetzung einer kompositorischen Idee oder einer, das instrumentale oder vokale Spiel betreffenden, elektronischen Erweiterung, eignet sich eine maßgeschneiderte Software am besten. Neben der technischen Bewältigung der Anforderungen an diese Software, ist die Verbindung der zu steuernden Parameter mit Hardware-Controllers einer der interessantesten Aspekte, weil Verwaltung und Spontaneität hier zusammentreffen müssen. Das Ergebnis nennt sich Interface und kann Schieberegler, Pedal, Klaviatur, Licht- oder Feuchtigkeits-Sensor sein. Oder eine Videokamera, oder, oder... Es gibt kaum Grenzen - auch Robotik bietet sich an. Meine Plattform für derartige Dinge ist das "Programming Environment" Max/MSP. Meine "Domaine" beim Programmieren ist - wohl, weil ich vom Klavier her komme - instrumental spielbare Interfaces zu gestalten.

    PlaYeR / ConTroL

    2020

      Im Video (oben) ist die "PlaYeR/CoNtRoL" Software zu sehen: links ist das "Terminal" - das, was auf dem Computer-Monitor zu sehen ist. Rechts oben ist die Spegelung des iPad zu sehen, auf dem verschiedene Darstellungen möglich sind. Die sichtbaren Controller (Dials, Slider, XY Pads, Waveforms) können frei gewählt / zusammengestellt werden und sie werden auch in den Presets gespeichert. Rechts unten die Aufnahme der Kamera. Da viele Module auch eigene Presets haben, um "live" Zwischeneinstellungen zu speichern oder abzurufen, habe ich das LaunchKey Mini mk3 integriert. Die zusätzliche Tastatur, die Controller und besonders die Mini Pads sind eine wertvolle Ergänzung (und mit unter €100.- wirklich günstig).

      Die verschiedenen Prozessoren habe ich als Module angelegt, die zum besseren Erkennen (iPad) farbkodiert sind. Für grösstmögliche Flexibilität, werden die Audio- Ein- und Ausgänge der Module über eine 20/20 Stereo I/O Matrix organisiert. Zum Spielen muss der Computer nicht im Sichtbereich stehen - die Software wird ausschliesslich über iPad, Launchkey, Pedale und Tastatur gesteuert. Das Zusammenstellen der iPad Oberfläche geschieht vom Computer aus ("ConTroL" Tab).


      Morite

      2006 - 2014

      Zu hören ist die Live-Aufnahme von "Morite", einer Komposition des sardischen Komponisten Giorgio Tedde - mit der Mezzo-Sopranistin Sylvia Nopper und Thomas Kessler an der Live-Elektronik.

      Das Bild rechts zeigt die von mir programmierte Software zur Aufführung des Stückes "Morite" in der Version von 2013, mit iPad- und iPhone-Steuerung. Dies war das erste Mal, dass ich den Computer zum "Terminal" gemacht hatte und er für Aufführungen nicht mehr im Sichtbereich stehen musste. Erwähnenswert ist auch, dass die App, um auf iPad und iPhone die Controller darzustellen, nur € 4,50 kostete! Darunter ist die alte Version der Software von 2006 zu sehen. Auf dem Monitor ist (links oben) die Verdopplung aller Regler des Motorfader-Controllers (BCF 2000) zu erkennen - dies war eine Entscheidung, um auch ohne Faderbank alles bedienen zu können. Insgesamt war im Vergleich zu heute ein ziemlich hoher Arbeits-Aufwand nötig, bis überhaupt mal der erste Ton zu hören war. Auch das Setup von 2006 war zu der Zeit bereits "extrem" günstig. Die Motor-Faderbank kostete ca. € 200. Vorher war ein vergleichbares Setup mehr als 10x teurer. Für Controller hatte ein goldenes Zeitalter begonnen.

      Die Veränderungen und Vereinfachungen durch die neue Controller-Situation sind enorm. Der Computer-Monitor muss nun nicht mehr beim Interpreten oder Klang-Regisseur sein, denn alle relevanten Informationen sind auch auf dem Tablet/iPad darzustellen. Ein grosser Fortschritt, denn das iPad ist absolut geräuschlos und ohne Kabel-Orgie einzusetzen. Aus diesem Grunde hat sich die Rolle des Computers geändert. Auf dem Monitor ist jetzt ein Terminal zu sehen - alle Parameter- und sonstige Adressen, Interfaces und Netzwerk-Einstellungen. Zusätzlich habe ich durch grosse Peakmeter und numerische Step-Anzeige dem Computer-Monitor eine visuelle Monitorfunktion für die Bühne zugedacht - auch aus grosser Entfernung sind die wichtigen Informationen (z.B. Peak-Meter, Step- oder Cue-Nummer) gut zu erkennen und sie sind unsichtbar für's Publikum.

      Diese Möglichkeiten erlauben es dem Komponisten zunehmend, auch Zuhause mit der Elektronik in maximaler Qualität zu experimentieren - etwas, das man früher nur in wenigen elektronischen Studios machen konnte. Damals aber musste man in engen Zeitrahmen und zu festen Zeiten mit Technikern oder Studenten an der Realisierung des elektronischen Teils der Komposition arbeiten - oft ein Lotteriespiel...

      Hier sind noch zwei Screenshots der letzten Version meiner Morite-Software, realisiert mit MIRA. Hier gibt es auch Preferences für Pitchshift, Compressor, Reverb, Slider-Modes u.m. - auch die Aktivierung der Software (und des Audio-Systems) wird vom iPad - aus dem Preferences Tab - gestartet [ON]. So kann alles Wichtige vom iPad eingestellt werden - auch die Effekt-Anteile - beim Abhören während des Sound-Checks - natürlich aus dem Publikumsraum.

      Im Computer ist das Terminal (s.o.) und er kann woanders stehen, auch ausser Sichtweite - falls er keine visuellen Aufgaben übernehmen soll.

      Mit den allgegenwärtigen Smartphones und Tablets stehen heute hochsensible und interaktive Controller quasi für lau zur Verfügung! Genau diese Steuerungen waren in der Vergangenheit das grösste (und teuerste) "Problem". Auch wenn seit 10 Jahren Billig-MIDI-Motorfader zu haben sind - die Möglichkeiten der Tablets reichen viel weiter und bringen endlich die Trennung von der Computer-Maschinerie.



      Hier ist ein Link zu einem Video des Stückes "Boreo" von Giorgio Tedde, für das ich auch die Elektronik entwickelt habe.

      Zu sehen und zu hören sind Miako Klein an diversen Flöten (darunter eine Kontrabassflöte!) und Theodor Milkov am Schlagzeug. Die Aufnahme wurde am 10. November 2007 im Muziekgebouw Amsterdam gemacht.

      Boreo Video


      Miako ist inzwischen eine gefragte Instumentalistin, als Flötistin und Violinistin mit enormer stilistisch-zeitlicher Spannweite. Miako Klein's Website


    Live Video

    • Auch in meiner Arbeit rückte Video einst (2005) weiter in den Fokus. Natürlich arbeite ich in diesem Medium, wie auch im Audio-Bereich, am liebsten in Realtime. Durch den Einsatz von Video (auch mit Musik) kann der Raum erfahrbarer werden, eine neue Gesamtsituation entsteht und ein Sinn macht dem anderen den Weg frei.

      Das ganze ging aber deutlich in Richtung dreidimensionales Schach und es verlangt Zeit für Vertiefung. Sicherlich wird Video in der nächsten Zeit seine Rolle vertiefen und vielleicht endlich im enthypten Dasein auch seine Reize vermitteln können.

      Ich habe ständig so viele offnene Baustellen, dass ich mich wieder vom Live-Video zurückgezogen habe. Wenn man alles selber macht (Elektronik), bleibt schon recht wenig Zeit, die musikalischen Fertigkeiten weiter zu kultivieren - mit zusätzlicher Video-Programmierung.... oh je... Computer heisst, Entscheidungen treffen. Die visuellen Ergebnisse haben (nicht nur) mir viel Freude bereitet.

    Live-Visuals

      Mit den Live-Visuals war es etwas weniger kompliziert. An ein paar tollen Abenden mit den DJs Manon, Goran N. und Pascal Feos in Basel und Lörrach (2005/2006) habe ich mich mal an die Audio-Ausgänge der DJ's gehängt, mir eine Cam geschnappt und mit meinem Video-Synthesizer CLUTI (Computer Licht Und Ton Instrument) viel Freude gehabt und auch bereitet.

      Die Minimal/House und Techno-Szene reagierte extrem positiv auf die halluzinogenen, dreidimensional wirkenden Bilderfluten. Interessant für mich, mit dieser Szene in Berührung zu kommen! Bild: DJ Manon und Pascal Feos.

      Zur Projektion habe ich zuhause einen Optoma Beamer benutzt. Inzwischen gibt es aktuellere Geräte.


      Lichtsteuerung


      Auch DMX ist ein Feld, das mit Max bearbeitet werden kann. Ein paar LED PAR Scheinwerfer können für Video Installationen sehr gut unterstützend eingesetzt werden, wenn ausser dem Video noch zusätzliches Licht benötigt wird. Auch bei Konzerten ist es gelegentlich gut, ein paar dieser Scheinwerfer dabei zu haben. Ich habe nur 6 Scheinwerfer (4 farbige PAR und zwei warm-weisse Spots) - trotzdem kann schon das rettend für die Athmosphäre sein, wenn z.B. nur weisses "Arbeits-Licht" zur Verfügung steht. Mit Licht mache ich nur einfache Einstellungen, keine Musiksteuerung, Moving Heads oder Disco-Kugeln - also keine Licht-Show.

      Bisher habe ich DMX immer mit Max-Patches gesteuert. Das Gerät meiner Wahl dafür, war das Enttec DMXUSB Pro, welches über ein Max-object erkannt wird. So sehr es mir gefiel, alles vom Rechner oder iPad steuern zu können, so sehr wuchs mit der Zeit der Wunsch, es nicht mehr auf dem Rechner zu haben. Ich glaube auch, dass es das Max-object nicht mehr für das aktuelle MacOS gibt.


      Bei der Suche nach einer anderen Lösung stiess ich auf den DMX Operator 384 von ADJ und, weil er alles kann, was ich brauche und sogar MIDI steuerbar ist, habe ich ihn kurzerhand bestellt. Tatsächlich war es das einzige Pult, das nicht "überdimensioniert" oder zu teuer war - und MIDI kann.


      Es ist wirklich erstaunlich, was heute so ein Lichtpult für 100 Euro alles kann! Mein erster Eindruck ist durchweg positiv. Alles lässt sich sehr schnell einstellen oder anpassen und die gespeicherten Einstellungen lassen sich auch extern speichern (z.B. auf einem USB-Stick). Schon nach wenigen Minuten war die grundlegende Bedienung erlernt. Natürlich ist das Licht mit dem DMX Operator 384 nicht so komplex ("von Grenzen befreit") zu programmieren, wie mit Max, aber das habe ich nie gebraucht - mir geht es eigentlich nur um "Konzert-Licht". Sollte das Licht aber trotzdem mit der Musik koordiniert werden, ist die (extrem schlanke) MIDI Steuerung natürlich viel angenehmer, als die ganzen zusätzlichen Operationen eines Licht-Pultes im Hintergrund auf dem Rechner laufen zu haben. Auch angenehm ist, dass das Pult physikalisch etwas abseits positioniert werden kann und dadurch "die Baustelle" rund um den Rechner verkleinert wird. Noch fehlen mir praktische Erfahrungen, aber ich sehe entspannt in die Zukunft.