ARP Instruments

    Der Name ARP ist die Abkürzung für Alan R. Pearlman (1925-2019), dem Gründer und Genius der Firma, die nur von 1969 bis 1981 existierte. Alan Pearlman hatte die Firma zusammen mit Lewis G. Pollock, einem Anwalt und mit David Friend, einem jungen "Senkrechtstarter" und Ingenieur (den Pollock in Princeton entdeckt hatte) gegründet, um sich der Forschung und Entwicklung zu widmen - er hatte vorher Verstärker und technische Geräte für die Gemini- und Apollo-Programme der NASA gebaut.

    Desaströses Management und die insgesamt schwierige Gemengelage sorgten 1981 für den Untergang der relativ kleinen Firma - und das, obwohl ARP seit Mitte der 70er Jahre den internationalen Synthesizer Markt dominierte und Alan R. Pearlman alles richtig gemacht hatte.

    The Alan R. Pearlman Foundation

    The Rise and Fall of ARP INSTRUMENTS

Die ARPs in meinem Leben

    ... nur ein kleiner Teil des gesamten ARP Instrumentariums

    | ARP 2500 | ARP 2600 | Odyssey 2811 | Odyssey 2821 | Axxe | Little Brother | Rhodes Chroma |


    ARP 2500

    Modularer Synthesizer

    Der erste ARP (1970) war der ARP 2500. Leider habe ich dieses Instrument nie besessen, trotzdem hatte es enorme Auswirkungen auf mein Leben: die erste Schallplatte mit Synthesizer, die mich (damals Jazz-Pianist) wirklich "angekratzt" hatte, war "Scorpio" von Paul Bley - der dort den ARP 2500 spielte.

    Die, seit Mitte der 60er Jahre aufkommenden Synthesizer waren riesig, schwer, teuer, und sie brauchten Patchkabel - die insbesondere bei Live-Musikern sehr unbeliebt waren. Ausserdem waren die Oszillatoren bisher nicht stimmstabil - "Live" war das ein "Killer-Problem".

    Der ARP 2500 war deshalb, technisch gesehen, ein wirkliches Statement: ein stimmstabiler Modular-Synthesizer - mit Matrix-Sliders anstelle von Patchkabeln.

    Die verschiedenen Parameter waren farb-codiert, um die Zugehörigkeit schneller zu erkennen. Die Matrix-Slider hatten allerdings das Problem, dass sie etwas übersprechen (crosstalk). Dies war der erste Synthesizer, der ein Multimode-Filter (1047 Multimode Filter/Resonator) besass. War der 2500 allein schon sehr gross - er konnte durch "Wings" (Kabinette) sogar noch erweitert werden!


    Der ARP 2500 konnte aber auch kleiner sein (links). Dieses Modell, das im Experimentalstudio des SWR zuhause ist, ist der einzige 2500, dem ich begegnet bin. Er ist aber nicht 100% ARP, denn er wurde durch Peter Lawo modifiziert / erweitert.

    Bekannt ist der 2500 weniger von der Bühne, als von den Schallplatten von The Who, Jimmy Page, David Bowie, Jean Michel Jarre, Vangelis, Kraftwerk, Elton John u.a.. Auch in experimenteller Tonbandmusik der 70er ist er häufig zu hören und natürlich in vielen Filmen dieser Zeit. Am bekanntesten ist ohne Frage Steven Spielberg's Science Fiction Epos ‘Unheimliche Begegnung der dritten Art‘, in dem der ARP 2500 einen grossen Auftritt hat (auch wenn die 5-Ton Sequenz mit einem einfacheren Synth hätte gespielt werden können). Der Mann, der den 2500 spielt, um mit den UFOs zu kommunizieren, war Phil Dodds - damals ARP's Vizepräsident der Technik. Der ARP 2500 hat einen, bis heute, sehr markanten Sound und ist einer der grossen "Klassiker". Ich glaube, es wurden nur etwas über 100 Instrumente davon gebaut.

    Den ARP 2500 gab es von $10.000 bis $20.000. Ein Dollar war damals ca. DM 3.50 und ein durchschnittliches Monats-Einkommen lag bei etwa DM 1200.-. Somit lag das kleinste Modell eines 2500 also (inkl. Transport und Abgaben) beim Gegenwert von drei- und das grosse System von sechs Jahres-Gehältern! Die $20.000 würden heute ca. $120.000 entsprechen. Für Nicht-Industrielle schlicht unbezahlbar. Hier ist eine sehenswerte ARP 2500 Brochure, ca. von 1973.

  • ARP 2600

    Semi Modular

    Der ARP 2600 (Bj. 1971-81) ist ein halb-modularer Synthesizer mit 3 VCOs und er hat 15V Betriebs-Spannung. Die Module (Baugruppen) sind intern vorverbunden. Deshalb kann der 2600 ohne Patchkabel gespielt werden - und wird als "semi-" oder "halb-modular" bezeichnet. EIn eingestecktes Patchkabel unterbricht die Vorverkabelung an dieser Stelle und der Einsatz von Patchkabeln ermöglicht recht komplexe Schaltungen und Klänge. Der ARP 2600 wurde in den USA auch in vielen Schulen als Lehrgerät geführt, so daß sein Bekanntheitsgrad fast dem des Mini Moog entspricht. Zu erwähnen ist, dass die ersten (seltenen) Modelle etwas anders (und blau) aussahen und die späteren Baureihen des abgebildeten grauen ARP 2600 sukzessive mit minderwertigeren Teilen bestückt waren (VCOs, OpAmps, Netzteil, Federhall). Dies drückte sich auch durch stärkeres Grundrauschen aus. Die später verwendeten VCOs klangen nicht so gut, aber die ursprünglich verwendeten Teledyne-VCOs waren einfach zu teuer.

    Technisch lässt sich das heute korrigieren oder optimieren, aber der original ARP 2600 ist, unabhängig von der Baureihe, ein sehr, sehr teures Instrument geworden (überteuert). Auch bei Ersatzteilen ist das Ende der Vorräte (z.B. Slider) erreicht und man muss evtl. auf modernere Ersatzteil-Alternativen umsteigen, kann also den "technischen Originalzustand" nicht mehr verlängern. Man sollte also vor dem Kauf eines Originals überprüfen, ob es sich "nur" um eine Obsession handelt und ich empfehle, unbedingt einen erfahrenen ARP Techniker (wie Eric van Baaren / Saint Eric) hinzuzuziehen. Weder die Kenntnisse, noch die Übersicht oder Vernetzungen dieser, auch seltener werdenden Spezies, sind aus dem Stehgreif zu entwickeln.

    Dieses Instrument war ein Schwergewicht in der, bis dato, kompaktesten Verpackung. Die Auswahl der Baugruppen (Module) zeugt von Weisheit und macht das Instrument ziemlich "komplett". Das Layout ist so Übersichtlich (auch durch die Verwendung von Sliders), dass auch Elektronik-Anfänger eine Chance haben, schnell zu begreifen. Es ist auf unzähligen Platten zu hören und in ebenso vielen Filmen. Fast jedem dürfte z.B. R2D2, der Roboter aus Star Wars, bekannt sein. Joe Zawinul spielte über Jahre gleich zwei ARP 2600 in seiner Band "Weather Report", so dass der 2600 ein markanter Teil des charakteristischen Sounds dieser Band war. Mit seinen drei VCOs war er zwar eine (viel leistungsfähigere) MiniMoog-Parallele, wurde aber wegen der Patchkabel nie als das angesehen. Als "offensiven" Konkurrenten zum Mini brachte ARP ein Jahr später den Odyssey, der allerdings nur zwei VCOs hat - aber durch einen "external Input" mit einem dritten VCO erweitert werden konnte.

    Für den ARP 2600 gab es mit der Zeit drei verschiedene Tastaturen, alles "Pratt Read" Tastaturen, wobei nur das letzte Modell 3620 (kl. Foto) duophon war. Es machte also den "grossen Koffer" zweistimmig. Ausserdem war nun ein zusätzlicher LFO und ein Portamento mit Momentary-Switch "zur Hand".

    Ich habe sie leider nie besessen und nur selten gebraucht, aber der Unterschied von mono- auf duophon war enorm. Ganz andere Dinge waren möglich. Der LFO der Tastatur war ja nicht nur "zusätzlicher" LFO - er konnte ja auch einen VCO des 2600 als dritten VCO "erhalten" (weil er nicht in LF Schaltung sein muss, um als LFO zu arbeiten). Ausserdem: Vibrato, zwei LFO Waveforms (gleichzeitig) und Portamento mit Momentary Switch.


    Der ARP 2600 war, nach dem Rhodes Chroma, mein zweiter Synth. Ich war scharf auf einen 2600, weil ich Patrick Gleeson's Spielweise mit dem 2600 auf der LP "Realization" von Eddie Henderson für den besten Ansatz hielt (und halte), Synthesizer in Jazz Bands zu spielen (und natürlich Paul Bley mit dem 2500 auf "Scorpio"). Alle Parameter als Slider zugänglich zu haben, war sensationell! Ich hatte den ARP 2600 für ca. 12 Jahre und habe ihn bis Anfang der 90er auch viel "Live" eingesetzt - oft auch ohne Tastatur. Wie Synthesizer technisch funktionieren, wusste ich damals nicht wirklich: alles war Trial and Error. Super. ;-)

    Als der ARP 2600 1971 herauskam, war das Format natürlich unglaublich praktisch. Vorher gab es Bands, die auf ihren Platten Synths - und auf der Bühne Klavier und Orgel hatten, weil weder das Instrument selbst, noch der logistisch aufwändige Transport hätte finanziert werden können. Diese Situation brachte die "Stage Synthesizer" hervor, die zwar gut für verschiedene "Melodie-Sounds" waren, aber mit der Komplexität eines Modular-Synths fast nichts mehr gemein hatten. Der 2600 war deshalb bahnbrechend - auch von der Bandbreite seiner Anwendungen: von der Schule über Studios bis zum Weltstar auf der Bühne - und er konnte, wie ein Stage-Synth, auch ganz ohne Patch-Kabel gepielt werden (und bot trotzdem mehr)! Der ARP 2600 ist zweifellos einer der faszinierendsten, je gebauten Synthesizer!

    Aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar, aber der ARP 2600 war in den frühen 80ern so unbeliebt, dass ich mein Instrument für DM 180.- (€ 90.-) kaufen konnte - und es war einer der "guten" frühen grauen ARPs - was ich damals gar nicht wusste! Die Leute waren insbesondere von den Patchkabeln abgeturned - sie empfanden es als total veraltet (und wollten vor allem Polyphonie). Das sich die falsche Wahrnehmung des überaus potenten ARP 2600 fast bis zur Jahrtausend-Wende hielt, lag am rasanten Fortschritt des DSP (Digital Signal Processing) - aber auch daran, dass es praktisch keine Techniker gab, die diese Synths warten oder reparieren konnten, bzw. wollten - es gab ja noch kein Internet. Inzwischen hat es sich ins Gegenteil verkehrt. Die neuen 2600 "Re-Interpretationen" (keine Clones, auch wenn sie so aussehen!) werden wahrscheinlich die Situation langsam verändern und nur die gut erhaltenen- oder Sammlerstücke der original ARP 2600 werden sehr teuer bleiben.

    Das besonders schöne und lehrreiche ARP 2600 Manual.


    ARP Odyssey 2811

    & ARP Little Brother

    Der Odyssey (1972-81) wurde endlich auch von den Musikern angenommen, die sich von der Parameter-Fülle des ARP 2600 überfordert fühlten. Der niedrigere Preis half auch dabei. Schliesslich wurden Odyssey und 2600 beide als Konkurrenten des Mini Moog angesehen.

    Beim Odyssey begegnen wir zwei technischen Ideen aus dem ARP 2500 wieder: der Farb-Codierung und den Switches (anstelle der Matrix Slider), die die Patchkabel ersetzen. Ihre Positionierung in einer Reihe zwischen Tastatur und Sliders machen die möglichen Schaltungen übersichtlich und sehr schnell ausführbar.

    Das Material der Bodenwanne (U-förmig mit Seitenteilen) ist Vinyl. Ein tolles Material: es fühlt sich deutlich besser / "wärmer" an, als Metall. Es blieb mein liebstes Odyssey Setup, obwohl noch drei Odysseys folgten. Dieser Ody hatte drei Mods: 1. LFO Speed (/10, normal, *10), 2. Duophony-Switch und 3. Envelope-Speed Switch (/10, normal, *10).

    Der ARP Odyssey 2811 war meine Wahl, als meine "zweite Synthesizer-Zeit" 2006 in eine vertieftere Phase kam. ARP bot in der Verbindung mit Max/MSP genau den Klang, den ich lange gesucht hatte - das waren genau die "verlorenen" Klänge (nach 25 Jahren Digitalisierung)! Dieser kleine, 35 Jahre alte Bühnensynthesizer war plötzlich extrem reizvoll. Unterstützt wurde er bei mir von seinem kleinen Bruder (s.u.: ARP Little Brother).

    Absolut unbefriedigend waren für mich die min-max Werte der Hüllkurven und des LFO (absolute "Pop-Mittelwerte") und der allgemein "ausgelutschte" technische Zustand der über 30-jährigen Instrumente. Dieser Umstand brachte mich zu Eric van Baaren (SaintEric.eu), der meine Instrumente instand setzte und modifizierte. Ich realisierte schnell, daß diese Instrumente für mich - durch Eric's Eingriffe - besser denn je, einzusetzen waren, da er sie mir perfekt anpasste! Über Eric bekam ich auch den abgebildeten (und seltenen) ARP Little Brother (s.u.) - mit einem VCO des ARP 2600. Vor allem aber bekam ich durch SaintEric auch eine umfangreiche ARP-Bildung. Erst jetzt lernte ich die Instrumente richtig kennen - vorher hatte ich sie nur ahnungslos gespielt.

    Der Klang des Odyssey ist nicht so kräftig wie der ARP 2600. Die VCA sind leider der Schwachpunkt des Odyssey - und ich vermute, dass der Unterschied auch daran liegt, dass der 2600 mit 15V und der Odyssey mit 12V Betriebsspannung läuft. Die Tastatur des 2811 war um Klassen besser, als die der späteren Odyssey Baureihen. Besser gewichtet, geschmeidig und fast geräuschlos.


    Hier ist ein Ausschnitt, den ich mit diesem Instrument gespielt habe:

    Zum Setup gehörten noch zwei Schwellerpedale (Volumen und Expression) und ein Portamento-Switch (durch ein Sustain Pedal). Der Kenton-KillaMix und das Korg Nano-Pad (beides MIDI-Controller) waren zum Steuern meiner Max-Patches.



    ARP Odyssey 2821 und 2823

    & ARP Axxe MkII Expander

    2009 bekam ich einen ungebrauchten Odyssey 2821 (black / orange). Er war 1976 gekauft und in Folie verpackt worden. Eine phantastische Sache - trotzdem mussten sämtliche Kontakte und Slider (viele unbeweglich) gereinigt, und Kondensatoren ausgetauscht werden. Der Odyssey wechselte in meinem Setup gerade seine Rolle und wurde durch die Anschaffung des MOTM Modular Synths (2010) zum Synth-im-Synth. Während komplexere Dinge am Modular-Synthesizer stattfanden, war der Odyssey - durch sein Interface - für "schnelle Aktionen" da.


    Für diesen Odyssey hatte ich als dritten (und vierten) VCO einen Axxe MkII, den ich zum Expander umgebaut hatte - auch interessant, aber nicht so überzeugend, wie der Little Brother. Es war zwar eine Augenweide, aber insgesamt wurde ich mit dem (Voll-) Metall Odyssey nicht warm. Es war zwar alles frischer - an allen drei black / orange Modellen, die ich hatte, aber schon mit der Optik (ich fühlte mich vom Orange angebrüllt) und der Haptik (kalt) hatte ich Schwierigkeiten.

    Alles hatte damit angefangen, dass ich als Reaktion auf die Anfälligkeit des 2811 (black / golden), ein Zweit-Instrument wollte. Auch ein Odyssey 2823 aus den USA kam noch dazu (der mir klanglich wieder besser gefiel) - und alle klangen anders, selbst die, aus gleichen Baureihen. Ich lernte, dass die Bauteile 10% und teilweise bis zu 20% Abweichungen haben können.

    In der Folge ging das grosse Umbauen los, Filter, VCA, alles Mögliche wurde untereinander oder gegen andere Bauteile getauscht und jetzt wurde es noch interessanter: die verschiedenen Baugruppen klangen in den verschiedenen Instrumenten auch wieder unterschiedlich! Es war also praktisch unmöglich, zwei gleich klingende Instrumente herzustellen. Die Instrumente gefielen mir in umgekehrter Reihenfolge zu ihrem Zustand. Der abgenudeltste Ody war der Beste, selbst nach dem Austausch des (besten) Filters gegen ein schlechteres.

    Es kommt also auf die Kunst des Technikers an, auf die verfügbaren Bauteile und das Glück, dass die Bauteile auch mit dem Rest des Instruments harmonieren. Aussehen ist eine andere Sache. Um das klarzustellen: die Instrumente klangen, bzw. verhielten sich zwar unterschiedlich - gut geklungen haben sie aber alle! Der Odyssey läuft intern mit 12V.

Odyssey Patches and Tutorial (1973)

Roger Powell's Büchlein und Tape als Video

    Perform!



    Die ARP Odyssey Baureihen

    2800 - 2813 und 2820 - 2823

    Bei den Odyssey Baureihen geht es ein wenig durcheinander - so sehr, dass bis heute oft ein Durcheinander entsteht, wenn es um die Modell-Bezeichnung geht. Besonders "falsch" sind die Bezeichnungen "Mk I" und "Mk II" - das Sicherste ist "Whiteface", "black / golden" und "black / orange". Trotzdem haben auch diese drei Gruppen noch Unterschiede.


    Model 2800 - 2813 (Bj. 1972-78)

    Der erste Odyssey (Model 2800, Bj. 1972-74) hiess "Whiteface". Er hat ein 12dB SEM Filter und ein Poti für's Pitch-Bending. Tatsächlich wurden die letzten Modelle "Whiteface" bereits mit "black / golden" Gehäuse gebaut. Sonst war alles gleich.

    Die Serie 2811 (Bj. 1975-77) kam mit einem 24dB Filter und mit Pitch-Poti. Wann genau die drei Touch-Pads kamen, habe ich vergessen - weil die Pads auch zum Nachrüsten zu bekommen waren (PPC), sind sie auch in älteren Modellen zu finden.

    Mit der schwarzen Serie waren zwei Filterwechsel verbunden, die durch ein Gerichts-Urteil ausgelöst worden waren: das erste Filter war als eine Moog-Kopie eingestuft und verboten worden. Soweit ich weiss, gab es drei verschiedene Filter, die alle begehrt waren. Das erste war eher Oberheim, das zweite Moog und das dritte (4075) original-ARP. Geschmackssache.


    Model 2820 - 2823 (Bj. 1978-81)

    Mit dem "black / orange Gehäuse kamen einige äusserlichen, markanten Wechsel: das Vinyl-Unterteil war einem Ganz-Metall-Gehäuse gewichen und ist viel wartungsfreundlicher, da man es aufklappen kann, wie eine Motorhaube. Die Tasten standen jetzt leicht über, was in der Praxis relativ häufig zu Verletzungen der Tastatur führte. Der 2820 wirkte aber nicht mehr so fragil, wie seine Vorgänger - auch die Faderkappen waren etwas dicker. Klanglich gibt es kaum Unterschiede, jedoch war das technische Layout effizienter und deutlich verbessert worden.

    Eine deutliche Verschlechterung aber war die Tastatur. Sie war viel leichter und klappriger, als bei den alten Modellen und das wurde mit jeder Baureihe immer schlimmer. Also: für Techniker eine Verbesserung: stabiler, effizienter, service-freundlicher. Für Pianisten: fast ein Schock - die, technisch unveränderte, Pratt Read Tastatur war ein lärmender Plastik-Haufen geworden. Tourende Musiker hatten häufig Schäden an der Tastatur. Besonders das Ein- und Auspacken aus dem Koffer barg grosse Gefahren.


    Frische Keyboard-Bushings auf dem 2811, 2821 und 2823

    Im Video sind drei Tastaturen in frisch gemachtem Zustand zu hören - zuerst Odyssey 2811, dann 2821 und 2823. Ich finde, die Qualitäts-Unterschiede sind deutlich zu hören. So gut mir auch der 2823 gefiel - die Tastatur war brutal und hat irgendwie den Zugang ge- bzw. zerstört.


Die Odyssey Mods

Was ist das genau?
  • Die Mods

    Da die möglichen Modifikationen nur schwer vorstellbar sind, habe ich mal eine, auf die Schalter und Regler beschränkte Skizze für den Odyssey angefertigt, auf dem alle Modifikationen sind, über die ich mit Eric (SaintEric.eu) diskutiert habe. Das Multimode-Filter SE4109 ist noch in der Beta Phase, verspricht aber, ein wirkliches Highlight zu werden, denn es repräsentiert verschiedene ARP Filter (nach ARP Original-Plänen). Auch bin ich sehr gespannt auf den neuen, weiter entwickelten VCA, denn der VCA des Odyssey ist sicher seine Schwachstelle. Das lässt sich im Vergleich mit dem Axxe hören, dessen VCA viel besser "zupackt".

    Das SE2607 Modul (mit Wellenformen des ARP 2600) gibt es auch mit Schaltern. Extremisten können zwei SE2607 (für beide VCOs) einbauen - "highest/lowest note priority" und "mirror" waren meine Anfragen.


    Das ist wirklich toll, wenn man sagen kann: "ich hätte/würde gerne..." - und dann bekommt man einen neuen Schalter, Poti oder Ein-/Ausgang an den Synthesizer mit eben dieser Funktion. Auch die Problematik der oft bescholtenen Eigenart des Odyssey, dem 2-Oktaven Transpositionshebel, kann Eric van Baaren mit einem 1-Oktav-Switch auflösen.

    Damit der Odyssey auch für Klänge "ausserhalb der Popmusik" tauglich wird, ist es sinnvoll, ihn zu modifizieren. Die an meinem 2811 (mit PPC anstelle des Pitchwheels) ausgeführten Mods sind a) Filter- und Audiopath Upgrade (macht den Ody HiFi), b) Mono-/Duo-Switch, c) Beschleunigung / Verlangsamung des LFO um den Faktor 2 (3er Switch), d) AR/ADSR Speed mit den Faktor 10. Diese Mods machen den Odyssey leistungsfähiger.


    Das Foto zeigt "The Norwegian" - einen, von Eric van Baaren (SaintEric.eu), extrem modifizieren Odyssey.

  • Mod-Beispiele

    Was es bedeutet, wenn die Hüllkurve 10 x länger ist, soll das folgende Beispiel zeigen. Die Hüllkurve ist auf die Tonhöhe Oszillators gelegt und die Attack Zeit ist auf Maximum gestellt. Zuerst der normale Verlauf (ca. 5 Sek.), danach der verlängerte Verlauf (modifizierter Ody = 50 Sek.). Es wären auch 100 Sek. als Modifikation möglich. Die Grafik sagt eigentlich schon alles.

    waves


    GESCHWINDIGKEITSVERGLEICH NORMAL VS MODDED (I)

    Diese Modifikation bringt auch mehr Schnelligkeit: In der dritten Position des Switches wird die normale Zeit durch 10 geteilt.



    LFO & ADSR / AR Speed Mod (II)

    Perkussive Klänge bekommen deutlich mehr Ausdruck und lassen sich genauer ausformen, weil der gesamte EG-Slider-Regelweg für die kurzen Zeiten zur Verfügung steht.


ARP Axxe

Der kleine ARP (Bj. 1975-81)
  • Ein einfach aufgebautes Instrument mit überzeugendem ARP Sound. Der Axxe hat zwei Oszillatoren aber nur eine Hülkurve. Dadurch liegt seine Bestimmung in einfach strukturierten Klängen, wie Bass- oder Solosounds. Der Axxe hat auch einen Eingang für externe Audiosignale und kann über den externen Eingang z.B. durch den Little Brother erweitert werden.

    Oft liest man, er sei "schwächer" als der Odyssey - das stimmt überhaupt nicht - er hat sogar einen deutlich besseren VCA, als der Odyssey! Er hat aber eine Hüllkurve weniger als der Odyssey und auch keine Ring-Modulation. Natürlich ist er deshalb einfacher aufgebaut. Aber auch deshalb ist er bis heute, besonders als Bass- und Solo-Synthesizer beliebt.

    Bei den Axxe Baureihen ist es ok, von MkI (black / golden) und MkII (black / orange) zu sprechen. Es gab nur diese zwei Modelle. Auf dem oberen Bild ist mein MkI. Auch bei den Axxe mag ich die "MkI" lieber. Schöner, bessere Tastatur (die auch weniger vorsteht), insgesamt wärmer (Haptik) und auch klanglich ansprechender.

    Meinen MkII hatte ich in einen Expander umgewandelt, weil ich ihn als Erweiterung für den Odyssey 2821 wollte (s.o.: Odyssey 2821 & Axxe MkII Expander). Dafür erwarb ich einen sehr günstigen, schlimm aussehenden Axxe mit zerstörter Tastatur und ohne jede Funktion. Auch der Expander bekam die norwendigen Modifikationen (LFO und ADSP Speed/Dur). Er sah wirklich fast aus, wie aus der Fabrik, aber der Aufwand war dann doch sehr hoch: Original-Gehäuse beim Kunstschmied zersägen und bieden lassen, Technik bei SaintEric in den Niederlanden überholt, neue Faderknöpfe aus Japan... der günstige Preis war Vergangenheit. Es war ein tolles Projekt, aber ich würde es niemandem empfehlen. Lieber einen Axxe MkI kaufen.






    ARP Little Brother

    VCO Expander (Bj. 1975-77)

    Der ARP Little Brother ist ein monophones Expander-Modul, das als Ergänzung anderer ARP-Synthesizer dient. Es wird gesteuert, indem die Steuerspannungsausgänge (CV, Trigger, Gate) der Tastatur eines ARP-Synthesizers mit den CV-Eingängen des Little Brother verbunden werden.

    Der Little Brother verfügt über einen einzigen Rechteck-Oszillator (VCO) mit wählbaren Wellenformen und einen Sub-Oktavteiler, der bis zu drei zusätzliche Töne gleichzeitig in Intervallen von -1, -2 und -3 Oktaven erzeugen kann. Die Wellenformen "Brass", "Hollow", "Reed" und "Fuzz" können (auch gleichzeitig) ausgegeben werden.


    Neben dem Volume Slider ist der "Effects" Block, bestehend aus einem LFO mit Speed- und Depth-Slider und einem Delay-Switch, der das Einsetzen des LFO etwas verzögert. Leider kann die Delay-Zeit aber nicht verändert werden. Das LFO-Signal liegt auf der Rückseite auch als CV-Out-Signal (Miniklinke) an. Zuletzt gibt es noch den Pitchbend-Regler, der eine Okatve herauf und herunter reicht. Der Little Brother hat weder Filter (VCF) noch Verstärker (VCA) oder Hüllkurvengenerator (EG / ADSR).

    Die 8 grossen, weissen Kippschalter sind in der Position oben = Aus und unten = An. Diese Schalter waren das erste mal am ARP Pro Soloist (1973) zu sehen. Sieht der Little Brother auch aus, wie ein Fossil, war er wohl dennoch seiner Zeit immer noch voraus: Vorweg - es ist meine Vermutung und ich bin kein Techniker, aber ich glaube, die Technik hinter diesen Kippschaltern funktionierte bereits digital. Nur so war ein derart schnelles und Tonhöhen-stabiles Umschalten möglich - und diese Technik war das erste mal im Pro Soloist verbaut (Bild links).

    Wird der Little Brother zusammen mit anderen ARP-Synthesizern verwendet, um deren Klänge "fetter" zu machen, muss der Audio-Ausgang des Little Brother in den externen Audio-Eingang des Synthesizers gepatcht werden, wodurch dem System im Wesentlichen ein zusätzlicher VCO und LFO hinzugefügt werden. Freundlicherweise hat auch der Little Brother einen Audio-Eingang. Das er "fetter" als Axxe oder Odyssey klingt, liegt nicht nur am Sub-Oktavteiler, sondern auch daran, dass es anscheinend der Oszillator aus dem ARP 2600 (15V) ist.

    Der Little Brother ist das letzte ARP Instrument, das ich noch besitze - und das hatte in unserer modernen (12V-) Welt (bei mir) ein Problem erzeugt, denn ich konnte keine 15V Trigger mehr erzeugen, die ARP nun einmal braucht. Früher hatte ich, um vom Computer aus 15V Trigger und CV senden konnte, ein Kenton Pro-2000 MkII, welches ich aber mit den ARPs verkauft hatte - es wäre heute auch für meine Zwecke überdimensioniert. Kenton baut aber auch kleinere Modelle und scheint der einzige Hersteller von MIDI zu CV Konvertern zu sein, die auch 15V Trigger abgeben können (und bezahlbar sind).

    Ich habe meinem Little Brother nun eine kleine (Eurorack-) "ARP-to-Modular-2020-Erweiterung" gegönnt, die, ausser dem Kenton Modular Solo, auch einen Dual Amp von ADDAC enthält. Mit dem Dual-Amp kann ich die Signalstärke anpassen / erhöhen, um den Little Brother in meine Modularsynths (Buchla, MOTM und Eurorack - also bis 12dB Audio-Pegel) einzuspeisen. Den zweiten Amp nutze ich, um die Signale aus dem Modular für den Audio Input des Little Brother abzusenken. Die Angaben auf dem Bild bei Aux2, 3 und 4 (Velocity, ModWheel und Exp. Pedal) sind Vorschläge, um eine Tastatur anzuschliessen - natürlich lassen sich auch andere MIDI Adressen auswählen.

Rhodes Chroma

16 x ARP! (Bj. 1982-83)
  • Mein erster ARP und auch mein grösster. Eigentlich sollte der Chroma, der 1979-80 entwickelt wurde, die finanziellen Probleme der Firma beenden, doch die Pleite für ARP Instruments kam 1981, noch bevor die Produktion des Chroma anlaufen konnte. Die Pläne (das Design) für den Chroma wurden an CBS Musical Instruments verkauft und das Instrument schliesslich von der Firma Rhodes gebaut. Nach Einstellung der Produktion kamen 1984 einige Rhodes Chroma auf den Markt, die für etwa ein Viertel des Originalpreises zu haben waren. Dies war also DIE Chance, einen amtlichen Synth zu bekommen und damit eine wirkliche Basis, herauszufinden, ob Synthesizer "etwas für mich sind". Ich konnte das Geld auftreiben und bekam dieses Schlachtschiff.


    Der empfohlene Verkaufspreis lag bei $ 8400, und der Dollar kostete 1984 zwischen 2,85 und 3,15 DM. Mit Transportkosten, Steuern und Zoll-Gebühren waren das mehr als 25.000 DM! Das bedeutete "unbezahlbar" - selbst wenn der Ladenpreis etwas niedriger war. Dann, im Frühjahr 1984, kostete er plötzlich "nur" noch 6200.- DM (inkl.). Also wirklich: das war eine Sensation, und es war DIE einmalige Gelegenheit!


    Klanglich im Bereich des Nonplusultra seiner Zeit, mit 25 pin D-sub Computerschnittstelle für Apple II (!), für den es ein Sequencer Programm gab, ein Cassetten-Interface (für Programm-Daten) und vollgestopft mit Platinen. Der Chroma war einer der ersten Mikroprozessor-gesteuerten Synthesizer. Die Hardware entsprach 16 (voll analogen) ARPs mit je einem VCO, Multimode Filter und VCA - die Basis für die überbordende Klangvielfalt. Diese 16 Stimmen, jetzt Kanäle genannt, wurden in 8 A/B Gruppierungen behandelt. Das hatte wohl - soweit ich das verstehe - mit der CV Steuerspannung zu tun, die in einem Multiplex Verfahren übertragen wurde (also quasi 2 Datenkanäle in einem Datenleiter). Die Hüllkurven (CV) wurden nämlich softwareseitig erzeugt! Die VCO hatten als "Zusatz" einen Frequenz-Sampler (mit Nulldurchgangsdetektor), der es ermöglichte, die Wellenlängen aller VCOs und VCFs zu messen (um sie korrekt im Preset zu speichern). Das ermöglichte nebenbei auch das futuristische "Auto-Tune". Bei 16 VCO und 16 Filterfrquenzen eine enorme Hilfe und deutliche Erleichterung für "Live" Situationen.



    Um die verschiedenen Parameter der Module in Bewegungen zu versetzen, konnte der Mikroprozessor 32 ADSR Hüllkurven und 16 LFO erzeugen. Das sind 1x LFO 2x ADSR pro Stimme. Die zweite Hüllkurve kam (für verzögertes Auslösen) zusätzlich mit Delay - wie schon beim ARP 2500. Die Stimmen konnten aber auch paarweise arbeiten. Die Grafik zeigt 4 von 16 möglichen Verschaltungen der Kanäle, wenn Kanal A und B der Paare verknüpft wurden. Der Chroma war dann natürlich "nur" noch 8 stimmig polyphon, die Sounds aber deutlich fetter oder komplexer. Es sind noch weitere Ideen aus dem ARP 2500 wiederzufinden: die Farbcodierung (der Membran-Knöpfe) und jetzt ein Mikroprozessor (der die CV Verbindungen herstellt) anstelle der Matrix-Slider - anstelle der Patch-Kabel.


    Einige Nachteile gab es jedoch auch: das (mit Case) ungeheure Gewicht, die technische Anfälligkeit - viele Chroma, die ich im Laufe der Zeit sah, hatten mindestens ein ausgefallenes Modul (das waren 2 Stimmen). Das andere Problem war eher einer Zeitgrenze zuzuordnen, da gerade erst Computer aufkamen und sowohl Wissen, Verfügbarkeit, als auch das benötigte Geld zu den seltenen Erscheinungen gehörten. Deshalb waren zu Beginn die fehlenden Regler und Switches ein Thema: Der Chroma hat nur 6 Slider: Tune, 3x EQ (Bass, Mitten, Höhen), Volumen und "Parameter Control". Er ist ja analog, aber mit digitaler Steuerung - und es gab nur diesen einen Slider für alle Parameter Werte. Der zu modulierende Parameter musste vorher auf diesen speziellen Slider gelegt werden, was über die Auswahl eines der 50 (von 71) Membran-Knöpfe geschah, mit denen beim Spielen auch die Presets abgerufen werden. Ich konnte das "Control-Problem" bald einigermaßen durch ein EES-Chroma MIDI Interface beheben und 1989 sorgte dann Max (Software) für eine Verschiebung sämtlicher Grenzen. Das ökonomische Panel Design des Chroma mit den Membran-Knöpfen wurde später von vielen Firmen übernommen - auch im Yamaha DX7 (1983). Der Rhodes Chroma war wirklich ein Ungetüm in jeder Hinsicht!


    Auch die Rückseite des Chroma war ziemlich eindrucksvoll und es gab einige neue Buchsen. Ganz links ist ein (silberner) kleiner 15-poliger D-Sub Eingang, der nicht standardmässig dabei war. Der Synth kam vorbereitet, aber mit leerem Mini Panel als Abdeckung. Ich hatte diesen Stecker bekommen, um mein EES MIDI-Interface anzuschliessen. Daneben der grosse 25-polige D-Sub Stecker ist für die Verbindung mit dem Apple II Computer. Dann zweimal XLR "Studio Output" (symmetrisch) und daneben die "klassischen ARP Audioausgänge "Low- und High Level" (für Bühnen-Combos als Klinke). Das "Dual Footswitch" Pedal war sehr gut, denn es rutschte nicht weg, weil man mit dem Fuss auf dem Bodenblech stand. Es war deshalb riesig - genauso tief, wie der Chroma (siehe Case-Foto). Mit dem Squence Switch habe ich keine Erfahrungen, aber die Eingänge für Volume- und Eypression-Pedal waren hochwillkommen! Bei den "Audio Inputs/Outputs" war Default-mässig der Output 3 (die Nummer hat auch der 2. XLR Out) als rechter Output für Stereo gedacht, man konnte das aber auf 1,2 oder 3 ändern. 1-3 waren Inputs. Wollte man den Chroma in Stereo spielen, musste das aber vorher definiert werden (Link-Channel). Das Casseten-Interface, um Soundbänke zu speichern oder zu laden, war State of the Art. Es klang wie bei einem der ersten Modems und beim Laden auf der Bühne war es durchaus stressig, denn manchmal brauchte es mehrere Versuche, bis der Inhalt fehlerfrei übertragen wurde.



    Schon drei Monate nach Erhalt machte ich meine erste Synthesizer-Produktion für ein Theaterstück von Ivan Klima. Der Rhodes Chroma war der Synthesizer, den ich am längsten hatte. Das Editieren war eine Qual (weil ich noch keinen Apple II Computer hatte), aber zu spielen war der Chroma extrem gut. Trotz des enormen Gewichts hatte ich ihn oft dabei, auch Outdoor (z.B. in den Alpen mit Strom-Generator) oder bei illegalen Konzerten, bei denen evtl. eine Flucht samt Equipment anstand. Damals gab es aber immer Hilfe vom Publikum.

    Theatermusik 1984, Solo, 8 Spur Tonband


    Es gab den Rhodes Chroma auch ohne Tastatur unter dem Namen "Expander" - zum Erweitern des Rhodes Chroma, aber auch als Tastatur-lose standalone Variante. In den späteren Jahren (als MIDI etabliert war) wurde der Expander (alleine) bei vielen tourenden Musikern fast populärer, als die Voll-Ausführung - vor allem wohl wegen des einfacheren Transports. Aber auch der Neupreis des Expander lag bereits zu Beginn mit $ 5200 eine Schmerzgrenze tiefer.

    Durch meinen Klavierlehrer Fritz Pauer kam ich 1984 zum Klavierunterricht bei Joe Zawinul. Wir haben allerdings kaum Klavier gespielt, sondern uns begeistert über unsere ARP Synthesizer unterhalten - wir hatten ja beide den ARP 2600 und den Rhodes Chroma. Ich erzählte ihm, dass ich die Tastatur meines Chroma gelegentlich "umkehre" (also links der höchste und rechts der tiefste Ton) und das die dann entstehenden Melodien klingen, wie Joe Zawinul. Das hat die Tür weit geöffnet und er sagte, dass er das tatsächlich auch mache! Noch interessanter war seine Begründung, warum er ARP 2600 und nicht MiniMoog spiele: "Wenn ich Moog spiele und es kommen Leute in den Konzertsaal, hören sie als erstes ‘Moog‘. Spiele ich aber ARP, hören sie Joe Zawinul!" Ohne Moog zu nahe treten zu wollen, finde ich die Aussage sehr treffend! ARP ist eben weit komplexer oder variabler zu patchen als der Mini und hat wegen des, eher HiFi neutralen Klanges, ein viel grösseres klangliches Spektrum - im Gegensatz zum übersteuerten und dadurch um gerade Harmonische angereicherten Klang des MiniMoog, der charakteristisch ist und oft als "warm" beschrieben wird (im Mini wird das Filter mit ca. 15 dB "überfahren").


    Mich hat der Chroma geprägt und das, was ich heute mit meinem hybriden Modular mache, ist eigentlich nichts anderes, als das, was der Chroma gemacht hat - nur kann ich die Software heute selber schreiben. Interessant auch, dass die Grossmeister Alan R. Pearlman und Don Buchla beide vorher für die NASA entwickelt haben.


    Eine tolle und komplette Website: rhodeschroma.com

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