Was tun mit den alten Synthies?

Was Service bedeutet

Die Synthesizer der 70er Jahre wurden "diskret" gebaut, d.h., es wurden einzelne Bauteile anstelle von sogenannten Baugruppen oder IC´s verwendet. Das bedeutet, sie benötigen von Zeit zu Zeit umfassenden Service.

Kondensatoren sollten in der Regel nach einigen Jahren ausgetauscht werden, da sie nicht mehr richtig funktionieren - sie erreichen ab einem gewissen Alter ihre Wertigkeiten nicht mehr. Auch Netzteile brauchen eine Auffrischung, sonst erzeugen sie Nebengeräusche.

Oft sind die Keyboard-Bushings heruntergespielt und vertrocknet - die Tastatur wird klapprig und oft auch ungerade. Dazu kommt noch jede Menge Dreck, der sich im Instrument sammelt und für einen einwandtfreien Gebrauch entfernt werden sollte. Oxidation zusammen mit Dreck macht sich auch durch instabile Tonhöhen einzelner Tasten bemerkbar (unterbrochene Kontakte).

Bei Arp Synthesizern müssen die Slider wieder gleitfähig gemacht werden - dafür müssen sie komplett zerlegt werden. Für all das benötigt man spezielle Werkzeuge, Werkstoffe und viel Erfahrung. Deshalb empfehle ich, diese Arbeiten den wenigen, versierten Fachkräften zu überlassen. Oft sind diese Fachleute auf einen Hersteller "optimiert - das ist nicht so schlecht, da zum Teil auf sehr unterschiedliche Weise gearbeitet wurde. Auch die richtigen "Bauteile-Lager" alter Synths wird nur ein spezialisierter Techniker aufweisen können.

Warum Selbermachen in den meisten Fällen nicht ratsam ist

... oder lieber Annäherung durch Negation?

    Viele der alten Bauteile sind selten, die neuen Nachfolger - eventuell unbrauchbar oder weniger gut geeignet. Viele der Arbeitsgänge benötigen spezielle Flüssigkeiten oder Mittelchen und auch das Waschen und Trocknen von Platinen sollte kontrolliert erfolgen. Viele kleine Schritte finden kaum irgendwo Erwähnung, sind aber das A und O, wenn alles gutgehen soll. Das sind genau die Hauptargumente für Leute oder Werkstätten, die sich spezialisiert haben: Erfahrung und Materiallager!


    Häufig kann man lesen, Keyboard-Bushings auszutauschen sei einfach und günstig - ich wage das zu bezweifeln. Das Einsetzen der Bushings ist zwar einfach, doch es gehören so viele Arbeitsschritte dazu: Auseinandernehmen der Tastatur, Reinigung der Tasten, der Mechanik, der Kontakte, das Entfernen der dreckverklebten alten Bushings, das Polieren der Tasten und das Schwierigste, die Ausrichtung der Tastatur (Begradigung).

    Als untermauerndes Beispiel ist hier ein Arp Odyssey, der nach einigen gescheiterten Versuchen und erfolgter Kapitulation schliesslich zu SaintEric.eu geschickt wurde.

    Alle verwendeten Werkstoffe etc. pp. und das Vorgehen lassen sich beim ersten Mal nicht zufriedenstellend umsetzen/herausfinden. Ein gutes Instrument basiert aber auch auf der Erfahrung des Instrumentenbauers!

    Hier sind eine MiniMoog- und drei ARP Odyssey Tastaturen in frisch gemachtem Zustand zu hören - zuerst Odyssey 2811, dann 2821 und 2823. Man kann gut hören, wie sehr die Qualität der Tastaturen bei den Odysseys abgenommen hat - deswegen klappern die neueren Baureihen deutlich lauter.


    Frische Keyboard-Bushings auf dem 2811, 2821 und 2823

    Frische Keyboard-Bushings auf dem MiniMoog Model D

    Leider habe ich versäumt, die (vorher) extrem unregelmässigen und klapprigen Tastatur aufzunehmen - sie waren laut wie ein kleines Schlagzeug! Im Video sind die überholten Tastaturen mit neuen Bushings zu hören. Um es deutlicher hörbar zu machen habe ich die Lautstärke auf 133 % verstärkt.

Der Mann, der ARPs zurück ins Leben bringt

Eric van Baaren aka Saint Eric


  • Eric van Baaren (SaintEric.eu) ist ein ARP Meister-Techniker. Er arbeitete, solange es ARP noch gab, für Peavey, den letzten Distributor für ARP in Europa. Von dort bezog er auch, nach der Pleite von ARP, sein erstes Original-Bauteile-Konvolut.


    Aber Saint Eric repariert nicht nur, er modifiziert auch! Es ist wirklich toll, wenn man sagen kann: "ich hätte/würde gerne..." - und dann bekommt man einen neuen Schalter, Poti oder Ein-/Ausgang an den Synthesizer mit eben dieser Funktion. Auch die Problematik der oft bescholtenen Eigenart des Odyssey, dem 2-Oktaven Transpositionshebel, kann Eric mit einem 1-Oktav-Switch auflösen.

    Für den Odyssey ist eine Modifikation sehr sinnvoll, denn Filter- und Audiopath Upgrade machen den Ody HiFi und ermöglichen erst seinen wunderbaren Klang. Auch Mono-/Duo-Switch, LFO- und ADSR/AR Beschleunigung / Verlangsamung (3-er Switches) sind eine klare Verbesserung.

    Das Foto zeigt "The Norwegian" - einen, von Eric van Baaren, extrem modifizieren Odyssey.

  • Mod-Beispiele

    Was es bedeutet, wenn die Hüllkurve 10 x länger ist, soll das folgende Beispiel zeigen. Die Hüllkurve ist auf die Tonhöhe Oszillators gelegt und die Attack Zeit ist auf Maximum gestellt. Zuerst der normale Verlauf (ca. 5 Sek.), danach der verlängerte Verlauf (modifizierter Ody = 50 Sek.). Es wären auch 100 Sek. als Modifikation möglich. Die Grafik sagt eigentlich schon alles.