Synthesizer

Plug and Play

Analoge Oszillatoren und Filter erzeugen tatsächlich Töne, bzw. legen Verhaltensweisen an den Tag, während digitale Klänge immer Reproduktionen von Klängen oder Verhaltensweisen sind. Üben auch nach wie vor einige Stage-Synth-Klassiker eine starke Faszination auf mich aus, widme ich mich heute doch eher den modularen Systemen.

Diese bieten einen universalen und offenen Ansatz. Sie vertiefen und konkretisieren immer das Bewusstsein für klangliche Prozesse. Ein modulares System bietet alle Möglichkeiten für die Interpretation bestehender elektronischer Werke. Schaltungen können umgesetzt und inzwischen auch an beliebigen Punkten mit digitalen Prozessen verwoben werden.

Bei Modular-Synthesizern wird zwischen Betriebs- und Steuerspannung unterschieden. Während die Betriebsspannung bei verschiedenen Formaten variiert - in der Regel zwischen 12-, 15- und 18 V, ist die Steuerspannung (CV) bei den meisten Systemen 10V pp (pp=peak to peak) und Volt/Oktave (also 10 Oktaven). So können auch verschiedene Formate "gepatched" werden und miteinander ein Instrument bilden - sie brauchen nur verschiedene Netzteile.

Seit 2018 ist auch wieder ein (digitaler) 12 bit FM-Synthesizer mit von der Partie.

Mein Hybrid-Modular Projekt

und einige technische Details
  • Ein hybrides (analoges und digitales) Instrument, wie es mir vorschwebt, bedingt zur Steuerung der Parameter, analoge Module mit Control-Voltage Eingängen. Die CV-Spannungen sollen vom Computer erzeugt und empfangen werden.

    Ein Überblick, was "hybrid" in diesem Fall bedeutet und wie, mit welchen Mitteln, Schnittstellen und Geräten ich versuche, das umzusetzen. Der Schlüssel ist die Wandlung von Audio nach CV im Computer. Aus einem Stereo-Kanal lassen sich 40 CV-Kanäle machen!

    Dises Bild zeigt einige "digitale Module" in Max/MSP.

    Nicht wenige Hardware-Module hatte ich angeschafft, um sie zu studieren und eventuell, durch etwas Vergleichbares (in Max/MSP programmiert), zu ersetzen. So ist auch eine Reihe von "digitalen Clones" enstanden. Es gibt trotzdem eine Kostenscheide - z.B. ein Noise Modul ist zwar durch Software zu ersetzen, kann aber so wenig kosten, dass ein Audiokanal des Audio-Interfaces für Noise plus ein Kanal Random-CV (über Audio-to-CV) deutlich teurer wären als das Modul. Der Preis ist natürlich trotzdem kein maßgebender Faktor.

    Das Gute an dieser Unternehmung ist, dass es sich mit allen Modul-Formaten machen lässt.



    Hybrid-Modular

Analoge Modular-Synthesizer

Buchla, MOTM und Eurorack

    Das Eurorack-Format bietet die grösste Modul-Auswahl und die günstigste Form eines Modular-Synths. Aufgrund der hohen Verbreitung existiert auch ein reger Gebrauchtmarkt. Durch die grosse Auswahl an Modulen und ein einziges Design-Chaos ist es ein eher "unruhiges" Format. Mir sind die Module und Regler zu klein - einige Module habe ich aber immer noch.


    Besonders die einfache Transportabilität ist natürlich ein schlagendes Argument. Dieser Koffer ist nur ca. 28 x 28 x 48 cm gross, 10 kg schwer und kann komplett verkabelt - auch im Flugzeug - transportiert werden. Die Module sind 3HE gross, der Koffer 19 Zoll.



    Eine edlere Angelegenheit ist das 5HE MOTM-Format. Musikalische und technische Maxime bestimmen eine konsequente Form, die, durch Erfahrungen und Analyse der Schwächen historischer modularer Systeme, gestärkt erscheint. MOTM-Module werden sowohl in (DIY) Einzelteilen als auch betriebsfertig angeboten. Vor allem ist die hohe Qualität der verwendeten Teile zu erwähnen, die auch zu hervorragender Audio-Qualität führt. Ein, im Verhältnis zum Eurorack-, deutlich grösseres Format, das auch ein ganz anderes Spielgefühl erzeugt.



    Mein "Haupt"-Format ist mittlerweile die Buchla 200 Series - die "Electric Music Box" der 70er Jahre. In diesem Format ist alles etwas spezieller - Bananenstecker, unipolar, 1,2V/oct - und die meisten Module in meinem Instrument sind nicht aus den 70ern, sondern frische Clones.

    Mehr über die modularen Formate:

    Eurorack

    MOTM

    Buchla

Historische Bühnen-Synthesizer

Meine Synthesizer im Laufe der Zeit (Archive)
  • Meine Synthesizer im Laufe der Zeit I

    Wie es der Zufall wollte, fiel die Etablierung der Synthesizer als Instrument genau in meine Jugend und die Digitalisierung etwa an das Ende meiner Studienzeit. Als Pianist mit Hang zur Elektronik war ich dem Spannungsfeld der Entwicklungen zwar immer voll ausgesetzt, hatte jedoch nur wenige im Fokus - meistens waren sie zunächst einmal unbezahlbar (1$ war 3 bis 4DM).

    Trotzdem waren es einige Synths (und Sampler), mit denen ich im Laufe der Zeit zu tun hatte. Manche Instrumente und deren Steuerung sind eng mit der Musik verbunden, die ich gemacht habe und manchen Instrumenten trauere ich ein wenig nach, bin aber trotzdem froh, sie heute nicht mehr zu gebrauchen.

    Die, mit denen ich eine längere Zeit verbracht habe, sind hier zu sehen: Minimoog Model D, EDP Wasp Deluxe, Yamaha TX816, Yamaha TG77 und der AKAI 1000 Sampler - von den 70ern in die 90er Jahre. Nur die Instrumente von ARP habe ich hier ausgelassen - die haben eine eigene Seite (siehe rechts).



    Weiterlesen - hören


    Meine Synthesizer im Laufe der Zeit II: ARP

    Die Instrumente von ARP nehmen in meinem Leben einen besonderen Platz ein: meine ersten beiden Synthesizer waren ein Rhodes Chroma und der ARP 2600 - zwei echte Schlachtschiffe, die mich geprägt haben. Von 2006-10 gab es eine zweite ARP-Welle in meinem Leben, denn einige ARP Odyssey und -Axxe Modelle standen am Anfang meiner Hybrid-Synth Unternehmung. Tolle Instrumente, die unkompliziert zu warten, leicht zu transportieren und auch gut zu erweitern sind.

    ARP baute wunderbare Synthesizer, deren klangliche Vielfalt, Komplexität (auch technisch) und der starke Charakter auch heute noch überzeugen. Vor allem in der letzten Phase habe ich sehr viel über ARP gelernt, weil ich Eric van Baaren (Saint Eric) getroffen hatte, der mir die Instrumente regelrecht anpasste.

    Daher haben die ARPs bei mir eine Extra-Seite mit besonders viel Odyssey.


    Mein ARP Archiv

Mein Digitaler Synthesizer

FM in 12 bit
  • Yamaha TX81Z

    Seitdem ich wieder Synthesizer habe, kam mir immer wieder der Gedanke an mein wunderbares Setup von ca. 1986-93. Der Kern waren viele Yamaha Synths (DX7, TX816, TG77 und SY99) und ein AKAI Sampler. Das Problem damals war, das 2x 12HE Racks (je ca. 50 kg schwer) und zwei grosse Synths mit Tastatur einfach zu viel Gepäck waren. Mir gefiel es aber, wie sich Yamaha-Synths über SysEx komplett steuern liessen - und das Erlernen von SysEx war auch mein Einstieg in die Computer-Programmierung.

    Im April 2018 habe ich einen Yamaha TX81Z erstanden. Eine HE und 3,5kg plus [gezügelte] Sentimentalität für €150.- - dagegen gab es einfach keine Argumente.

    Der TX81Z wurde 1986/87 gebaut und hat 8 Stimmen mit je 4 Operatoren (Operatoren sind Oszillatoren) - also zwei weniger, als der DX7 (6 Operatoren). Der TX81Z ist zwar Daten-kompatibel mit DX21/27/100 (4 Operatoren), hat aber durch den verwendeten LSI Tone Generator, einen verbesserten "high quality" Sound. Dazu wurde das wirklich nervende Rauschen von DX7/TX816 besiegt und zum ersten Mal war FM auch mit Nicht-Sinus Wellen zu realisieren (8 Waveforms im TX81Z). Neu waren auch ein Envelope-Shift und drei eigenwillige Effekte, von denen einer pro Performance-Set ausgewählt werden kann.

    Das Performance-Set ist eine Zusammenstellung der Sounds, inklusive Polyphonie- und Umfang-Zuweisung per Sound (max. 8 Stimmen). Es können also bis zu 8 verschiedene Sounds (je eine Stimme) gleichzeitig gespielt werden und durch Umfang und Positionierung der Sounds ergeben sich Keyboard-Splits oder Layers. Das ist sehr gut gedacht und erlaubt komplexe Setups.

    Ein tolles Instrument, das auch heute noch einige Freunde hat. Wegen Korg Volca und Yamaha Reface, die mir beide aus verschiedenen Gründen nicht gefallen (Volca klingt nicht gut und Reface ist nicht komplett MIDI steuerbar), scheinen die Preise für TX81Z gerade im Keller zu sein. Ich habe € 152.- gezahlt (excellent condition!) - pro Stimme (a' 4 Operatoren) sind das €19.-!!!

    Eine schöne Seite mit viel Liebe und allen Infos: the Yamaha* TX81Z Homepage



    Tipp für potentielle Käufer (und Besitzer)

    Da wir nicht in einer teuflischen Welt Leben, hat jedes Gerät seine ur-eigenen Probleme: Viele TX81Z machen Geräusche, die durch Schwingungs-Resonanzen am Gehäuse hochgeschaukelt werden und als permanenter Summton oder eine Art Pfeifen wahrgenommen werden - zum Glück aber nicht im Audio-Signal). Dieses Problem kommt vom Trafo und bestand während der gesamten Herstellungs-Zeit - es gibt sogar interne Papiere von Yamaha dazu im Netz, auf denen ein ziemlich aufwendiger und teurer Workaround gezeigt wird. Mein TX81Z hatte dieses Pfeifen auf ganz extreme Weise, aber ein technisches Genie, über dessen Bekanntschaft ich mich freuen darf, hat mich davon befreit. Wie er das gemacht hat, weiss ich nicht genau. Es ist auf dem Foto an den silbernen Schrauben im Gehäuse-Deckel zu erkennen.

    Wenn möglich, sollte man also den Verkäufer vorher zum Summton befragen!

    Als FM-Synthesizer ist der TX81Z eine der besten bestehenden Möglichkeiten!


    12 Bit

    Eigentlich steht ja "mehr" für Verbesserungen. Bei der FM Synthese ist aber eine Besonderheit zu bemerken: Als die späteren Yamaha Synths - ich glaube, ab dem DX7 II, sicher aber TG77/SY77 - mit 16 Bit kamen, waren einige Aspekte zwar deutlich verbessert worden, jedoch wirkte die FM plötzlich sehr gezähmt. Das war nicht für Alle erfreulich, insbesondere ein Teil der "FM-Puristen-Fraktion" trauerte der etwas brachialeren Direktheit der 12bit Auflösung hinterher.


    TX81Z Editor

    Das Programmieren der Sounds am Gerät kann man nur als Strafe betrachten, aber heute sind Computer ja überall verfügbar und damit auch Editoren. Dieser ist ein Panel aus dem Freeware CTLR-Paket.

    8 bit

    Natürlich steuere ich den TX81Z nicht mit dem Editor, sondern mit Max. Mit 97 Parametern ist es ein recht übersichtliches Gerät. Die Parameter-Steuerung bei Geräten dieser Generation funktioniert ausschliesslich über SysEx, was eine nette Abwechslung beim Programmieren darstellt, denn SysEx ist Hexadezimal. Die hexadezimale Schreibweise ermöglicht, auch 3-stellige Werte bis 255 (0 bis 255 = 256 steps = 8 bit) in zwei Stellen auszudrücken. Die Buchstaben A-F werden deshalb zusätzlich zu den Ziffern gebraucht. Der aktuelle Parameter-Wert, das ist in der Regel die vorletzte Zahl der SysEx-Message, ist in 7 bit: 0 bis 127, oder in Hexadezimal: 0 bis 7F. Die, durch Leerzeichen voneinander abgesetzten Stellen sind Bytes (siehe nächstes Bild).

    Hexadezimale Schreibweise von 0-255:
    0=0, 1=1, ... 9=9, 10=A, 11=B, ... 15=F, 16=10, 17=11, 18=12, ... 25=19, 26=1A, 27=1B, ... 31=1F, 32=20, 33=21, ... 41=29, 42=2A, ..., 48=30, ... 159=9F, 160=A0,...170=AA, ... 247=F7, 248=F8, 249=F9, 250=FA, 251=FB, ... 255=FF.



    Die 8 Algorithmen des TX81Z (Verschaltung der Operatoren/Oszillatoren).