Ein Studiotisch

und was ihn ausmacht

Nachdem ich jahrelang an schlechten oder ungeeigneten Tischen gearbeitet hatte, wollte ich mir einen neuen Tisch bauen und bekam durch Zufall dieses schöne Exemplar. Die Details dieses Möbels sind so augenscheinlich und die Veränderung des Arbeitsumfeldes so überzeugend, dass ich auch das kurz dokumentieren möchte. Ich hatte vorher -zig Threads zum Thema Studiotisch (DIY) gelesen und keine Hilfe gefunden. imgDie meisten DIY-Studiotische waren schlicht falsch geplant und boten nicht die Vorzüge, die ein solcher Tisch haben sollte.

Eines der wichtigsten Details ist - neben der C-Träger-Form der Beine - die Kabelwanne, die zunächst einmal das grösste Chaos verschwinden lässt: die Basis-Verkabelung!

Ausserdem erzeugen die, durch die Kabelwanne verbundenen C-Träger (Beine), ein optimal versteiftes Untergestell, denn die Festigkeit des Tisches ist ein ganz entscheidener Punkt zur Erhaltung des Wohlfühl-Faktors während der Arbeit. img Die Tischplatte ist nicht verschraubt, sondern hat an den Seiten "Schuhe", die sich geschient in den Trägern bewegen lassen. In der Mitte der Platte ist eine Art Schnappverschluss, der arretiert, wenn die Platte ganz über die Kabelwanne geschoben wird. Das ganze lässt sich also ähnlich öffnen und schliessen, wie eine Motorhaube, die Haube wird jedoch gezogen/geschoben statt angehoben.

In der Wanne liegt die komplette Fix-Verkabelung (Strom) und an den Seiten des Tisches habe ich aussen (nicht sichtbar) weitere Multi-Steckdosen, deren Zulaufkabel ebenfalls in der Wanne untergebracht sind. Auch laufen alle Audiokabel, die von der einen- zur anderen Seite müssen, durch die seitlichen Öffnungen der Wanne.

Der Tisch entspricht dem, was ich suchte, ist ziemlich schwer und voller kleiner Raffinessen. Für diese Art Möbel, wenigstens beim Tischgestell, halte ich DIY nicht mehr für sinnvoll - zu viele Spezialkniffe und -teile.

Die besondere Form der Tischplatte ist ebenfalls überzeugend. Die nach innen gerundete Frontpartie erhöht die Ergonomie spürbar, schafft Fläche und macht sie auch von der Sitzposition aus zugänglich. img Das hinten liegende, 20 cm schmale Brett, hat nicht die volle Breite des Tisches und lässt dadurch die Ecken für Kabelverläufe frei. Zudem stützt es die auf dem Tisch stehenden Geräte und ermöglich durch den Spalt Kabeldurchläufe und kleine Erweiterungen, wie z.B. das Anbringen eines Schraubstativs mit Vesa-Halterung für den Monitor. Endlich habe ich einen aufgräumten Arbeitsplatz und keine offene Baustelle mehr! Ein komplett neues Arbeitsgefühl. Zum Mastern eignen sich aber solche Tische aufgrund ihrer grossen Reflexions-Zonen nicht.

Zum Schluss sei noch erwähnt, möglichst alles Schwingende vom Tisch zu entkoppeln. Das sind natürlich die Boxen, die am besten auf eigenen Ständern stehen, aber auch Festplatten. Seit neuestem habe ich in meinem Macbook zwei SSD Festplatten (geräuschlos) - seitdem ist auch der Rechner wirklich Musik- und Tisch-tauglich (kein Gerödel mehr...)!


Eine Bemerkung zum Strom

Immer wieder sehe ich wunderbares, womöglich audiophiles Equipment, das über die verbreiteten und durchaus brauchbaren, günstigen Multi-Steckdosen mit den leuchtenden Schaltern angeschlossen ist. imgDiese Schalter haben eine Leuchtstoffröhre und erzeugen "Dreck" - sprich Phasen und Schwingungen. An manchen Steckdosen kann man es sogar hören (ein Ton zwischen A und As). Deshalb sollten sie, wenn möglich, gegen unbeleuchtete Schalter ausgetauscht werden. Die Schalter sind verbreitet und einfach zu bekommen (z.B. bei Conrad). Der Austausch ist unkompliziert - wenn man Glück hat sind Verbindungen zum Stromkabel geschraubt und zu den Steckdosen gesteckt - also einfach zu lösen. Leider werden die Steckerleisten immer häufiger so gebaut, dass man nichts verändern oder reparieren kann.

Der Schalter lässt sich, wenn man die Plastik-Nasen (Innenseite der Steckdose) zusammendrückt, aus dem Steckdosengehäuse drücken. Es ist also wirklich einfach, diese kleine Modifikation mit grosser Wirkung vorzunehmen oder machen zu lassen. Wichtig an der Multi-Steckdose ist auch der Kabelquerschnitt (bitte nicht mit dem Durchmesser velwechsern!). Dazu gibt es viele Informationen, Querschnitt-Standardgrössen sind 0,75mm², 1,0mm², 1,5mm², 2,5mm², 4mm², 6mm² und grösser.

Bei mir sind 1,5mm² auf der ersten Multisteckdose bereits ausreichend. An diese Hauptversteiler-Leiste werden die anderen "normalen" Multisteckdosen angeschlossen. Viele der grösseren Multisteckleisten werden mittlerweile mit 1,5mm² Querschnitt gebaut, die Angaben sind am Gehäuseboden zu finden. Die benötigte Stärke wird über die Ampere Belastung und die Länge des Kabels errechnet.

Für wissenschaftlich Interessierte gibt es bei Sengspiel-Audio eine sehr lehrreiche Seite für dieses Thema: der Querschnitt-Rechner.

Optimierung!

Zu beachten ist, dass Multisteckdosen nicht seriell (hintereinander) geschaltet werden sollten. Deshalb sollte auf der "Verteiler"-Steckdosenleiste der stärkste Kabelquerschnitt liegen. imgDie Audio- und Licht-Stromzufuhr sollte so gut wie möglich voneinander getrennt werden. Insbesondere Halogenlampen sorgen für viel Dreck in der Leitung. Die Lampen habe ich über einen Furman M-10x E Power Conditioner gesondert organisiert.

Perfekt ist es, wenn man die Phasen der Leitungen und Geräte ausmisst und jeweils eine Markierung auf die entsprechende Seite (Geräte, Stecker+Steckdosen) klebt! Sollte dann ein Gerät z.B. einen Kaltgeräte-Stecker mit umgekehrt anliegender Phase haben, muss der Stecker nur anders herum eingesteckt werden. Bei mir sind interessanterweise die weissen Kabel mit Winkelstecker anders herum mit dem Gerätestecker verbunden als die schwarzen, was sehr praktisch ist. - Auch Geräte des gleichen Herstellers können die Phase unterschiedlich anliegen haben - es liegt an der Trafo-Wicklung und ist mehroderminder zufällig.