Stompboxes

Die FX-Schleife

Auch mit Synthesizers sind Stompboxes beliebt, jedoch eher in kleineren Mengen, als bei Gitarristen, da Synthesizer ja bereits Filter, Waveshaper, etc. haben. Mit den Effekt-Kistchen lassen sich aber aufregende Farben und eine deutliche Individualisierung des Instrumental-Sounds erreichen.

Mein Basis-Setup habe ich als Mini-Pedalboard organisiert. Klanglich erzeugen die Pedale einen erwünschten Kontrast zum Synthesizer.

Es handelt sich nicht um "angehängte" Effekte - das Pedalboard liegt im Aux-Weg des Synthesizers. Die Klänge laufen also zuerst zurück in den Synthesizer - haben daher noch einen VCA oder LPG vor sich, bevor sie an Amp und Speaker abgegeben werden. Mein Board hat Boost, Overdrive, Fuzz, Phaser, Delay und Reverb.

Lange hatte ich ohne Erfolg mit meinen alten Stompboxes herumprobiert. Dann kam ich an einen Lehle Looper. Das hat alles verändert. Was mir auch sehr entgegenkommt, ist, dass ich das Setup nun über MIDI schalten kann.

Ich habe in meinem Setup absichtlich Mono-Geräte, weil das Pedalboard bei mir als Mono-FX-Weg im Matrix-Mixer meiner Buchla Electric Music Box sitzt.



Looper

Lehle D.Loop

Das Herzstück meines Pedalboards ist der Lehle D.Loop-SGoS. Es ist kein "Audio-Looper" (Sampler), sondern als "Loop" werden auch Send/Return Wege bezeichnet. Der D.Loop hat aber noch Einiges mehr drauf! Er hat einen Buffer, der auch als Booster (bis max. +12dB) arbeiten kann. Auch ist der D.Loop-SGoS ist mit MIDI ausgestattet, so dass das Umschalten gesendet werden, oder - für mich ein Segen - die Schaltzustände (Presets) über MIDI abgerufen werden können. Er verarbeitet Mono, Mono (sym.) und Stereo.

Der D.Loop wird über Relais geschaltet und, damit alles sauber und knackfrei verläuft, wird das Signal beim Umschalten im Ms-Bereich gemuted (was nicht zu hören ist), bevor es in der neuen Konfiguration wieder ausgegeben wird. Ich habe es mal gemessen: damit keine MIDI-Messages verschluckt werden, sollten 75ms zwischen den MIDI PGM-Change Befehlen liegen. Für mich ist es allemal schnell genug!

Lehle Boxes sind kleine Meisterwerke! Man spürt es sofort, selbst, wenn man zu den technisch Ahnungslosen gehört! Das ganze, modulare Konzept macht schnell deutlich dass hier Alles zuende gedacht wurde und die Umsetzung kompromisslos war. Die Box akzeptiert Mono (symm./unsymm.) oder Stereo-Signale (TRS) - selbst CV Signale können gerouted werden. Auch bei der Stromversorgung zeigt sich der D.Loop variabel: ich hatte noch ein Netzteil mit 12V - angeschlossen - funktioniert.

Presets können am D-Loop einfach gespeichert werden - die Bedienung ist denkbar einfach und intuitiv gehalten. Am Gerät selbst lassen sich 3 Presets abrufen (3 Switches). Bis zu 3 Lehle Boxes können verbunden- und so alle Switches als Programm-Taster eingesetzt werden. Bei zwei dieser Boxes sind dann also 6, bei drei Boxes, 9 Presets über die Switches abrufbar. Die Switches können entweder Pgm 11-13, 14-16 oder 17-19 senden. Über MIDI lassen sich aber auch mit einer Box alle 8 möglichen Schaltzustände speichern und abrufen. Wenn sie z.B. als Pgm 1-8 gespeichert werden, lassen sich in den Boxes eigene Konfigurationen (Pgm 11-19) speichern.

    Um die bidirektionale MIDI-Kommunikation über ein TRS-Klinkenkabel zu ermöglichen, bedient sich Lehle eines Kniffs: Lehle-Boxes sind immer im "Empfangs-Modus". Nur durch Drücken eines Switches wird ein "PGM-Send" ausgelöst. Um diese Bidirektionalität auf meine Max-Patches auszuweiten, habe ich mir ein gefährlich aussehendes (und nur für diese Anwendung zu gebrauchendes) Kabel gebastelt, so dass das Menue in Max (mit allen 8 Schalt-Positionen) über dieses Kabel auf die aktuelle Position upgedated wird, falls ein Switch auf der D.Loop Box gedrückt wird.

    Das Schalten der Relais ist übrigens deutlich akustisch hörbar/wahrnehmbar. Technik-affine Menschen werden das mögen, weil es ein Hinweis auf das gute Innenleben der Box ist, aber für leise Kammermusik, z.B. Violine und Live Elektronik, wäre es vielleicht hinderlich. Allerdings kommen bei so leiser Musik i.d.R. auch keine Verzerrer zum Einsatz und daher ist dieses Problem eher "sehr relativ".

    Booster

    Ein Buffer dürfte bei Synths eher selten benötigt werden, jedoch ist der Buffer des Lehle D.Loop-SGoS auch als Booster zu gebrauchen - und das macht sehr feine, harmonische Verzerrungen möglich. Gerade vor den zwar guten, aber doch "etwas leblosen" digitalen Delay- oder Reverb-Boxes macht das den Unterschied! Auf einmal klingen diese Teilchen wie 1965 und bekommen Charakter! Aber total kontrolliert - nicht durch Zufall und auch ganz ohne Rauschen! Das bringt eine massive Aufwertung, jedenfalls nach meinem Ermessen.

    Da die Booster-Position in den meisten Fällen feineingestellt fixiert wird, ist der flach ausgelegte Poti-Knopf ideal, denn er verstellt sich beim Transport nicht so leicht, wie eine Poti-Kappe - er ist eher wie ein Trimmer, der mit der Hand (statt eines Schraubenziehers) verstellt werden kann.







So ein (guter) Booster scheint das geeignete Mittel zu sein, Delays und Reverbs in die eigene Klangvorstellung zu bewegen. Das er maximal "nur" 12dB boosted, stört mich nicht, da das Signal ja schon verhältnismässig laut ankommt - maximal booste ich etwa 3-5 dB. Ich sehe, gerade bei Stompboxes, keinen Grund, in extrem teure Geräte zu investieren, die ja zweifellos und in grosser Anzahl zur Verfügung stehen. Trotzdem aber soll mein Pedalboard brennen! Der D.Loop macht's (für mich) möglich!

Seit ich den Lehle D.Loop habe, bin ich auch richtig glücklich mit meinen TC Electronic Boxes, weil ich jetzt das Signal boosten und etwas anzerren kann. Auf einmal klingen sie in meinen Ohren "genau richtig". Vorher hatte ich sie direkt im Synth und war zwar zufrieden, aber längst nicht glücklich. Es war einfach zu sauber (clean) und etwas langweilig. Mit Booster bekommt der FX-Klang eine eigene Färbung und kontrastiert so viel besser im gesamten Klangbild!

Delay

tc electronic Flashback-Mini

Auslöser für die Rückkehr von Pedalen war das Flashback Mini von TC Electronic - ich wollte gerne ein Reverse-Delay im Synth, also, bevor der Klang ins Audio-Interface geht.

Diese kleinen TC Electronic "Mini" Kistchen sind schon extrem verblüffend. Qualitativ ohne Abstriche gegenüber den grösseren Varianten, sind sie auf der Höhe der Zeit. Auf der Seite befindet sich ein Mini-USB Eingang und die Geräte lassen wirklich eine Menge an Einstellungen über den dazugehörigen Editor zu! Die verschiedenen Einstellungen lassen sich dann als Presets speichern.

Ob, bzw. wie sich die Presets auch über USB während des Spielens umschalten/dumpen lassen, habe ich bisher noch nicht probiert, werde es aber bald tun.

Für mich ist dieses Delay bereits absolut ausreichend und ich habe keine Bedürnisse nach grösseren/teureren Pedalen. Komplexere Delays realisiere ich mit Max/MSP im Rechner.


Reverb

tc electronic HOF-Mini

Was wären all die Effekte ohne Reverb?! Nach dem positiven Einstieg mit dem Flashback-Mini bestellte ich mir das HOF (Hall Of Fame) Reverb - auch von TC Electronic. Auch verblüffend gut! Ohne Booster-Aufrauhung vielleicht ein wenig langweilig - zu clean. Für mich war die Entdeckung der Wirkung des Boost im Lehle D.Loop erlösend. Da war der "alte" Hall-Sound, den ich gesucht hatte.

Dies ist der "TonePrint"-Editor für die TC-Pedale. Je nach Pedal sind verschiedene Parameter zu sehen - und es sind eine Menge! Was sehr gut ist: es sind auch Mehrfachbelegungungen für die Hardware Potis einzurichten - z.B. "Kill Dry" für die Max. Position des Reglers - toll gedacht und wirklich praxisnah!







Overdrive

Zvex Channel 2

Endlich ein Overdrive-Pedal, das mir (sehr gut für Synths) gefällt. Der Channel 2 von ZVEX! Sehr "warme" Übersteuerung. Oft lassen sich ja, hinter dem Synthesizer, Overdrive und Distortion kaum unterscheiden, weil die Effekte durch das (zu laute) Line-Signal am Eingang überfahren werden.

Der Channel 2 begegnet diesem Problem, indem das Volumen komplett geschlossen werden kann. Eigentlich hatte ich auch ohne den Channel 2 keine Probleme mit dem Fuzz (s.u.), aber durch extremes Herunterregeln des Volumens lässt sich noch "mehr" aus dem Fuzz herausholen - sprich: noch kaputtere Töne. Perfekt.

Darum habe ich den Channel 2 gern vor dem Fuzz - nicht, um zu Übersteuern, sondern um eventuell das Volumen zu senken! Fuzz und Overdrive habe ich im selben FX-Loop, weil ich sie fast nie gleichzeitig zum Verzerren brauche. Der Sound des Overdrive ist warm. Er schmälert das Frequenz-Spektrum etwas und erzeugt eine Mitten-Anhebung. Mit dem Synth ist er schon etwas böse.

Das Problem von ausgehenden Line-Pegeln ist, dass, wenn es so leise werden soll, wie es z.B. ein Fuzz verlangt, nur die ersten paar Millimeter des Reglers am Synth bewegt werden dürfen, bevor es schon "kracht". D.h., so etwas möchte man nicht einmal als Not-Lösung! Mit dem Channel 2 steht nun der halbe Regelweg des Volumes (7-12Uhr) zur Verfügung und am Synthesizer muss nichts verstellt werden. Sind Volumen und Gain auf "0" gestellt, kommt auch kein Signal mehr durch den Channel 2. Es ist also wirklich ein richtiger "Channel".



Fuzz

Zvex Fuzzolo

Mit dieser Verzerrergattung ist der wohl sensibelste Punkt erreicht, denn es gibt klangliche Überschneidungen mit dem Synth (Waveshaping) und es gibt wohl weit mehr Fuzz-Pedale, als mögliche Fuzz-Geschmäcker. Alles basiert auf zwei charakteristischen Fuzz Grund-Typen: Silicon und Germanium. Dieses ist ein Silicon Fuzz.

Es ist vom Fuzz-Mega-Spezialisten ZVEX und heisst Fuzzolo. Nicht nur, dass es von der Grösse perfekt zu meinem Mini Pedalboard passt - auch der Klang entspricht dem, was ich vom Fuzz erwarte.

Ein Fuzz verwandelt den eingehenden Klang in Rechteck-Wellenformen, aber nicht so gediegen, wie ein Waveshaper, sondern eher brutal. Mit dem Pulse Width Regler (rechts) verfügt es über einen Modulator, mit dem die Square-Wave zusammengeschoben werden kann, so dass der positive und negative Anteil des Klanges ("oben und unten") nicht mehr gleich lang sind. Bei maximaler Einstellung kann das bis in die Phasenauslöschung gehen, die dann wie ein Gate wirkt. Der Ton stirbt ab, zerbricht oder wird abgerissen. Eine schöne Zerstörung!

Das das Fuzzolo besser mit dem Synth funktioniert, als andere Fuzz-Pedale, liegt vor allem daran, dass im Inneren des Pedals ein Jumper sitzt, der umgesetzt werden kann, um mit den Werten aktiver Pickups zu arbeiten, was auch dem Synthesizer sehr entgegen kommt.

Das häufig auftretende Problem zwischen Synth und Fuzz ist die Eingangs-Impedanz des Fuzz, die meistens auf passive Pickups eingestellt ist. Mit dieser Einstellung ist dann der eingehende Pegel vom Synth viel zu hoch.


Fuzz ist gut am Anfang einer Geräte-Kette - er klingt besonders gut (zerstörerisch), wenn der Strom "nicht ganz ausreicht" (ca. 7V) oder/und auch das Signal möglichst schwach ist. Gitarristen drehen gern den Fuzz über den Volumenregler am Instrument hinein. Das ist mit Synths nicht ganz so gut machbar - mit dem Channel 2 (s.o.) lässt sich das Volumen aber zusätzlich sehr gut anpassen.

Ich hatte schon viele Fuzz-Pedale (EHX Graphic Fuzz, Flying Tomato Fuzz, Spaghetti Western Fuzz und div. Clones). Viele, mit Gitarren phantastisch klingende Pedale, waren aber, sowohl mit E-Piano, als auch mit Synth, absolut unbefriedigend! Fuzz am Piano oder Synth ist eine komplett andere Baustelle und gute/berühmte Fuzzes klingen nicht unbedingt gut am Synth. Während Fuzz an der Gitarre eher "böse" ist, ist es am Synth eher "kaputt".




Phaser

tc electronic Helix

Vor allem wegen der Toneprint Editor Einstellungen (Vol.), die das Zusammenarbeiten von Synth und Effektbox erheblich erleichtern, habe ich auch beim Phaser ein Gerät von TC Electronics ausgewählt. Der andere Grund war der Feedback Regler - der nur an wenigen Stompboxes zu finden ist und deutlich mehr "Live-Elektronik" Sound erlaubt. Auch der Helix erfüllt meine Wünsche, ist extrem vielseitig und verträgt sich hervorragend mit dem Fuzz.

Ich hätte auch den Helix Phaser als Mini-Gerät (dann in Mono) genommen - das gibt es aber nicht. Vielleicht gar nicht so schlecht, denn manche Phaser-Effekte "funktionieren" nur in Stereo und das kann ich dann auch mit dieser Box machen.

Es ist wirklich erstaunlich, wie toll die TC Effekt-Pedale gebaut sind - sehr "wertig", ohne irgendetwas Negatives - auch das Konzept hinter den TonePrint Pedalen wirkt gut überlegt und ausgereift.

Das ich trotz meines Phaser-Moduls (MOTM) nun auch eine Phaser-Box habe, liegt daran, dass der Phaser hinter dem Overdrive und ganz besonders vor einem Fuzz einzigartige Fähigkeiten zeigt. Metal Gitarristen arbeiten (glaube ich) gern mit dieser Kombination.

Der auffälligen "Cleanness" der TC Geräte tut der Booster im Lehle D.Loop extrem gut. Damit klingen die Stompboxes einfach etwas mehr nach Stompbox und werden gleichzetig veredelt! Wirklich sehr überzeugend. Für mich ist das fast die überraschendste Erkenntnis dieser ganzen Pedalboard-Unternehmung.





Power

T-Rex Fuel Tank Junior

Ich hätte nicht gedacht, dass mir einmal die Anschlüsse (5) ausgehen würden - trotzdem bleibt das T-Rex Fuel Tank Junior Multi-Netzteil erst mal im Case, weil es so klein und praktisch ist.

Es bietet fünf isolierte 9V Ausgänge, die bis zu 120mA pro Anschluss liefern. Damit füttere ich die 5 Effekte, die alle sehr gut klingen. Kein Brummen, etc. wahrnehmbar. Die beiden ZVEX Pedale (Overdrive + Fuzz) können auch daisy-chained (aus einem Ausgang) versorgt werden, da sie nur je 10mA brauchen.

Da der Lehle D.Loop (mit den Relais) 195mA braucht, betreibe ich ihn mit einem stärkeren Standard Stecker-Netzteil und 12V (siehe Case-Bilder unten). Für mich ist es immer noch praktischer und günstiger, als andere, gleich gute Multi-Netzteile, die mindestens 6 Anschlüsse, von denen einer zwischen 12 und 18V liegen muss, anbieten - und auch keines würde in meinen kleinen Koffer passen.





MIDI

Interface

Weil es mir so gut gefällt und weil die MIDI Situation mit dem D.Loop "einzigartig" ist (MIDI-Kurzschluss-Kabel): für das Pedalboard habe ich mir ein extra Mini MIDI Interface zugelegt: das MIDIFACE II THRU 1x1.

Da der Innenraum des Pedalboards schon komplett von den ganzen Kabeln verbraucht wird, sitzt das MIDI-Interface (mit Klettband) perfekt am hinteren Teil, ist zugänglich und wird für den Transport nur abgezogen (damit der Deckel drauf passt).

Es war das einzige Interface in der Bauform einer Box, das ich finden konnte - mir kommt das entgegen, weil ich mit zwei MIDI-Steckern aus dem Koffer komme. Für andere MIDI-Interfaces brauche ich die zwei w/w-Gender-Changer (siehe ganz links), um die jeweils männlichen MIDI-Stecker zu verbinden. Dann kommt das (viel zu lange) Kabel bei diesen Interfaces dazu... Mit dem kleinen MIDIFACE II ist es, mit einem USB Kabel in gewünschter Länge, am praktischten.




Pedalboard

DIY

Auch Pedalboards wollen transportiert werden. Mein Case ist eine billige Kiste aus dem Baumarkt (das Holz ist auffallend schlecht). Der Deckel dient als Pedalboard und die Kiste als Deckel. Perfekt.

Ich habe sie schwarz gestrichen und mit Aushäng-Scharnieren, Verschlüssen und Griff ausgestattet. Die Kiste ist sehr klein und absolut grenzwertig gefüllt. Es sind Netzteil, Stromkabel, Audio Input-Kabel und MIDI-Kabel drin.

Das Audio-In Kabel muss dabei sein, weil es im verdeckten D.Loop steckt und nicht so einfach ein- und ausgesteckt werden kann. Der D.Loop (schwer) ist verschraubt - der Rest ist mit Klettband fixiert.