Seaboard RISE

    Keywaves!

    Das Seaboard RISE gibt es in 25er und 49er Ausführung. Während das RISE49 ein "vollwertiges" Instrument ist (49 Keys), scheint mir das RISE25 ideal als Controller für den modularen Synth. Durch das metallene Chassis hinterlässt das RISE einen extrem "wertigen" Eindruck. Links sind drei illuminierte Sliders, darunter ein XY-Feld, oben Program Change und unten Oktav-Taster. Das Spielfeld ist aus Silikon in Klaviatur-Anordnung und -Grösse, hat aber keine Tasten, sondern Keywaves. Die Keywaves sind in 3-achsiger Auslegung (X/Y/Z), die die Kombination von intervallischem Spiel mit Bending/Glide, Aftertouch/Press und Control/Slide ermöglicht. Man kann also, mit mehreren Fingern gleichzeitig, auf der gesamten Fläche "herumrutschen". Auch die Geschwindigkeit des Loslassens ist ein Parameter - und alles "pro Note". Das RISE gibt es in zwei- oder vier Oktaven Ausführung (25 oder 49 "Tasten"). Ein toller Controller auch, um modulare Synths oder eine Live-Elektronik zu steuern. Durch Bluetooth-MIDI und Akku lässt es sich sogar völlig kabellos einsetzen.

Spielbarkeit

lässt sich das richtig wie ein Instrument spielen?
  • Das Seaboard RISE ist hervorragend spielbar - ich hatte das gar nicht so gut erwartet. Mag auch das weiche Silikon eine Prädestination für eher langsamere Tempi vermuten - das Instrument lässt sich schnell und extrem nuanciert spielen! Die glatten Flächen ober- und unterhalb der Keywaves können für's Bending (Glide) benutzt werden - insbesondere wenn es um grössere Distanzen geht, ist das "hügellose" Bending natürlich viel gleichmässiger auszuführen. "Glide" funktioniert aber auch zwischen den Keywaves.

    Das Seaboard RISE unterscheidet zwischen "Strike" =Anschlag/Velocity, "Press" =Aftertouch, "Slide" =vertikal/CC, "Glide" =horizontal/Bend und "Lift" =Release-Velocity/Geschwindigkeit des Loslassens - genannt die "5 Dimensions of Touch". Natürlich kommen Modulationen bei langsamen Verläufen differenzierter zur Geltung, aber diese Parameter sind auch stark mit kurzen und schnellen Tönen. Das Instrument inspiriert durch die hohe Komplexität und verleitet zum Spielen. Da es bisher keine Geschichte hat, stehen spieltechnisch alle Wege offen. Auch mikrotonale Welten erschliessen sich mit dem RISE auf ganz neue Weise.

    In der "Dashboard-Software" werden einige CC-Mappings (unten) und das Ansprechverhalten der "5 Dimensions" adressiert und feineingestellt. Die drei Kreise im oberen Feld zeigen drei gehaltene Töne. Die "5 Dimensions" (mittlere Reihe, fixe CC-Adressen) werden über einen Regler verstellt, dabei andert sich die Kurve. Sehr einfach und wirkungsvoll! Das Dashboard ist eine übersichtliche, sehr gut gestaltete Verwaltung des RISE - ich vermisse allerdings eine "Undo"-Funktion. Manchmal vergisst man bei Einstellungen der Adressen, welcher Wert oder welche Adressierung vorher eingegeben war - da wäre Undo die Rettung!

    Die mitgelieferte Software ist hervorragend "gedacht" (zur Software komme ich weiter unten ausführlicher) - sie ist, selbst wenn man (wie ich) das RISE auch ohne Software genommen hätte, eine nicht zu unterschätzende, phantastische Inspiration, um Wege zur Spielbarkeit dieses Instrumentes zu finden. Tatsächlich verdient das Seaboard RISE die Bezeichnung "Instrument". Etwas, was ich MIDI-Keyboards und -Controllers ansonsten schlicht verweigere. Instrumente aber wollen geübt werden. Ich glaube, daß mit diesem Instrument hervorragende Musik gespielt werden kann.



    Materialien


    Das Gehäuse ist sehr angenehm stabil, erstaunlich schwer und sehr wertig. Neben dem insgesamt soliden und sehr hochwertigen Eindruck ist es natürlich die Silikon Spielfläche, die für Viele das "Ja" oder "Nein" bedeuten wird. Ich war sehr skeptisch und das, was ich in den bereits verfügbaren Videos sah, machte es nicht wirklich besser. Als das RISE dann da war, hat es keine 30 Minuten gedauert, diese Skepsis komplett in positive Energie umzuwandeln.

    Haptisch ist das RISE weit weg von MIDI-Tastaturen! Es ist wirklich eher ein eigenständiges Instrument! Durch das Gewicht und eine Gummierung an der Unterseite steht es sicher und fest. Silikon soll anscheinend gut halten - es ist schliesslich kein Plastik, das mit der Zeit die Weichmacher verliert. Von grösster Wichtigkeit ist allerdings Sauberkeit und Unversehrtheit. Silikon ist empfindlich. Die guten Bags, in denen die RISE geliefert werden, sind also nicht nur sehr sinnvoll, sondern vielleicht sogar notwendig. Die Zeit und eventuelle Veränderungen des Materials werden es nun zeigen. Ohne Langzeit-Werte - bis hier eine sehr überzeugende Umsetzung!



    Roli

    Zeit, ein paar Worte über Roli, den Hersteller der Seaboards zu verlieren: es ist in allen Details spürbar "anders", als bei Anderen. Alles ist bis in die Details gedacht und gut ausgeführt. Gut präsentiert. Es spricht alle Sinne an - bis zur Material-Auswahl. Als Vergleich fällt mir nur Apple ein: "think different". Ich hoffe, Roli kann das durchhalten. Das RISE hat es verdient! Chapeau!

    Roli Seaboard


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    MPE (MIDI)

    Die MPE Spezifikationen: MIDI specifications for Multidimensional Polyphonic Expression (MPE)

    RISE erfüllt die MPE Spezifikationen (Multidimensional Polyphonic Expression) und das erlaubt Pitchbend und Aftertouch "per Note"! Genau dies macht das Seaboard RISE als Controller extra interessant. Weil Pitch-Bend in 14bit übertragen wird (MSB/LSB, 16384 steps), steht jedem gespielten Ton, neben dem Aftertouch, zusätzlich ein hochauflösender Controller zur Verfügung.

    Für die Nicht-Programmierer bedeutet das zunächst eine eingeschränkte Software Auswahl zur vollen Nutzung der Möglichkeiten, da noch nicht so viele Produkte das MPE Protokoll unterstützen. Das wird sich sicherlich bald ändern.

    Für Programmierer bedeutet es, neue Wege zu gehen und auf -zig Kanälen gleichzeitig Daten für einen Sound zu verarbeiten. MPE ist eine "Re-Interpretation" von MIDI. Dies könnte eine grössere Aufgabe werden.

    MPE bedarf einer Einarbeitung. Damit z.B. Bend und Aftertouch per Note möglich sind, werden MIDI Kanäle teilweise dynamisch genutzt. D.h., man weiss nicht genau, auf welchem Kanal der nächste Ton oder Controller-Wert kommt. Eine Herausforderung, die es zu meistern gilt, wenn das RISE nicht nur MPE-kompatible Software Synths, sondern eigene Max-Patches steuern soll. Umdenken im grossen Stil ist hier gefragt.

    Das MPE keine Eintagsfliege wird, ist zu hoffen - hohe Erwartungen schürt schon mal die Liste derer, die dahinter stehen. Man stösst auf gute und teilweise grosse Namen. Noch bekannter sind aber wohl die Firmen hinter diesen Namen: Roli, Haken Audio, Moog Music, Roger Linn Design, Keith McMillen Instruments, Madrona Labs, Eigenlabs, Uwyn, Bitwig und Apple.

    Das RISE lässt sich im "Single Mode" problemlos und ohne Einschränkung als Standard MIDI Controller einsetzen.


An's Eingemachte

Vorbereitungen für die Kommunikation von RISE und Max.

    SysEx

    Weil ich das RISE als Max-Controller einsetzen will, sind MIDI-Adressierungen nötig. Hier gab es einiges zu tun, denn das ganze Gerät musste dafür erstmal abgehört werden, da es (noch?) keine MIDI Implementation Chart gab. Hier das Beispiel, wie ich die "5-Dimensions", auch über iPad/MIRA/Max einstellen kann:

    Diese Werte werden mit systemexklusiven Daten übertragen - und werden auch nach Programmwechseln von "Equator" (dem mitgelieferten Softsynth) hinterhergeschickt. Ich habe meinem Patch noch die beiden Parameter, "Strike" und "Lift" hinzugefügt - auf dem RISE fehlen sie, weil ja nur 3 Slider vorhanden sind. Nun kann ich Verhaltens-Presets à la Flöte, Trommel, Zupf, etc. speichern und von Max in einem Block senden. Die 5 Slider habe ich in einem Tab im iPad jederzeit verfügbar.

    Als es daran ging, den Octaves-Button fernzusteuern, bekam ich etwas (für mich) Neues zu sehen: das RISE wird über sequenzierte Controller-Daten- und Gruppen gesteuert. Für das Verstellen der Oktave werden z.B. 2x vier identische Controller-Adressen mit Werten versorgt (siehe Bild unten). Das ist sehr ungewöhnlich! Sysex-Daten kommen auch zum Einsatz - und auch als Sequenz (z.B. 7x 9 Byte).

Wie ich meine Setups organisiere

Logische Ordnung
  • Mein"Browser"...

    Für das RISE habe ich ein abgespecktes Dashboard programmiert - ohne die aufwendige Darstellung der gespielten Töne und ohne CC-Zuweisungen. Diese Dinge brauche ich zu selten. Die Umschaltung von Multi auf Single und die Transposition und Feineinstellung der "5 Dimensions of Touch" sind dagegen unverzichtbar, nicht zuletzt, um beim Arbeiten Dinge auch isoliert zu prüfen. Da alle Dinge in diesem Fenster mit dem RISE verbunden sind, habe ich ihn als TAB in meinem "Browser". So kann ich alle, das RISE betreffenden Dinge geschlossen entfernen, sollte ich es nicht gebrauchen.

    So verfahre ich mit alles meinen "Blöcken" - das sind: Netzwerk-Einstellungen, Audio-Interface (Routing der I/Os), MIDI (allg. Einstellungen), RISE (weil es ein grosses Paket ist und wegen MPE, isoliert), ESX (Expert Sleepers Module = Audio to CV), und DSP (die, für das Stück/Setup aktiven Sound-Processing-Module). Die Gliederung ist in der obersten Reihe (grau) zu sehen.


    Ich versuche, wenn möglich, meine Software nur als "Terminal" anzulegen, so dass alle Bereiche einsehbar und justierbar sind. Das mache ich, weil ich den Compter nicht "bedienen" will und er auf der Seite stehen kann. Manchmal sind auch grosse Peak-Meter oder Cue-Anzeigen gefragt, um als "Fern-Anzeige" zu dienen. Gespielt wird die digitale Elektronik über Controller und iPads. Ein Blick in den Computer ist dann nicht nötig.

    Damit die Steuer-Elemente auf der Bühne nicht zu sehr leuchten (und womöglich die Interpreten be-leuchten), sind die Oberflächen dunkel gehalten.

    Transport



    Cases

    mit Eucon Protocol und 10 bit Auflösung

    Beide RISE Modelle kommen mit Transport-"Case". Das RISE49 kommt mit perfektem Softbag (ohne Bild), das RISE25 in einer wiederverschliessbaren Kunststoff-Verpackung, die besser ist, als man zunächst vermuten mag (Bild 1+2). Roli bietet für das RISE25 auch ein "Chassis-Case" (zum auf- und zuklappen) an - mir gefällt es nicht, weil das RISE25 in einen Plastikrahmen gesteckt wird und der Deckel nur geklappt und nicht weggenommen werden kann (Bild 3+4).



    Roli Seaboard



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