Die ARP Odyssey Baureihen

Es ist nicht irgendein elektronisches Instrument. Der ARP Odyssey fühlt sich mit seinen Spielhilfen und Modulatoren wirklich sehr wie ein Instrument an, nicht wie eine elektronische Maschine. Die geringe Grösse ist für den instrumentalen Gebrauch (regelmässiger Transport) nicht unwichtig. imgDie sogenannte „diskrete Bauweise“ hat zur Folge, daß selbst verschiedene Synthesizer der gleichen Baureihe unterschiedlich (individuell) klingen können. Das liegt in erster Linie an der Einstellung der Trimmpotentiometer im Inneren der Instrumente (hier spiegelt sich die Musikalität des Technikers!). Nach wie vor sind daher solche Originale - gerade im Verbund mit dem Computer - aufgrund ihres Charakters sehr gefragt.

Der Odyssey MkI (Baureihe 2800, Baujahr 1972-74) trägt den Namen Whiteface (oberes Foto). Ein SEM-ähnliches 6dB 2-pole Filter (4023) gab diesem Modell einen etwas anderen Charakter als seinen Nachfolgern.

Die Oberflächen der Odyssey Synthesizer sind mit ihren 34 Schiebereglern und 22 Schaltern bemerkenswert übersichtlich gestaltet - 19 der Schalter liegen nebeneinander! Durch die Aufteilung in VCO1, VCO2 ,LFO, Mixer und Envelope und die Verwendung von Sliders anstelle von Potis ist der Parameter-Zugang schneller als bei anderen, ähnlich komplexen Synthesizern. Eingänge für Expression- und Volumenpedale erhöhen die Möglichkeiten der Klangformung und verstärken den instrumentalen Charakter enorm.

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Der MkII (black/golden) existiert in verschiedenen Versionen (Baureihen 2810-2813, Baujahr 1974-76). Die älteren kommen noch mit Pitchbend- Wheel, die neueren schon mit PPC, den drei Gummitastern. Manche sagen auch, die mit dem Wheel seien schwarze MK I (Whiteface) der letzen Serie, denn sie hatten auch noch das gleiche Filter (4023). Danach kam ein kräftigeres 4 pole Filter, das 4035. Es war aber dem MOOG Filter zu ähnlich und wurde nach einigem Ärger und einem darauf folgenden Abkommen nicht weiter verwendet.

Danach kam ARP mit einem eigenen Filter (4075). Dieses Filter wurde auch in allen folgenden Odyssey Modellen verbaut. Interessanterweise hatte es einen Fehler (der aber einfach behoben werden kann), der dazu führte, daß ältere ARPs mit dem "MOOG-Filter" beliebter waren als seine Nachfolger. Die Firma ARP ist später ziemlich unsäglich niedergegangen.

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Auch vom MkIII Modell (black/orange) gibt es verschiedene Baureihen (2820 - 2823). MkIII bietet einige bauliche Verbesserungen und auch besseren Platz für Modifikationen. Die herausstehende Tastatur ist etwas unglücklich! Der MkIII Odyssey ist mit ca. 3000 Stück am häufigsten gebaut worden.

Der ARP Odyssey ist, wie der Minimoog, auf unzähligen LP´s der 70er mit seinem charakteristischen Klang vertreten. George Duke spielte den Odyssey (z.B. bei Frank Zappa) - ARP war auch DER Jazz-Synthie (z.B. H. Hancock). Patrick Gleeson war der unauffällige Synthesizer Grossmeister (ARP 2600 und Moog). Auf den Platten von Eddie Henderson und Julian Priester (und auch bei Hancock) ist er der kongeniale Synthesizer-Spieler. Er hat meiner Meinung nach am besten umgesetzt, wie ein Synthe in einer Electric-Jazz-Band eingesetzt werden kann! Erste Empfehlung ist die 1973 aufgenommene LP "Realization" von Eddie Henderson! Unbedingt hören (!) - auch wegen eines wie besessen spielenden Herbie Hancock. Erst danach kommen die Alben Sextant, Crossings und Mwandishi von H. Hancock. Für die Anderen gibt es ja noch Jethro Tull, die Who und Kraftwerk für ARP Odyssey Klangerfahrungen oder - ich mag es kaum schreiben - ABBA oder Alphaville. - Genug davon... Eine phantastische ARP-LP - allerdings mit dem grossen Modular-System 2500 - ist Scorpio von Paul Bley. DAS Meisterwerk schlechthin! Teilweise neu erschienen in einer Zusammenstellung unter dem Namen "Paul Bley - Circles". Mit Scorpio zeigt Paul Bley, was geht! Leider ist nichts ähnliches mehr gekommen - von niemandem!

Zwar gibt es diese hübschen Patch-Bögen, doch wenn man das Instrument regelmässig spielt (das sollte man ja mit Instrumenten so machen), dann schiebt man die Slider nicht nach Patchbögen sondern zieht alle Slider der unteren Reihe herunter und positioniert sie in Sekunden neu. img Bei der Positionierung der Schalter ist dann aber schon etwas mehr abstraktes Denken vonnöten. Hier hilft auch der tägliche Umgang am besten. Die Patchbögen sind aber ideal, um Soundeinstellungen für bestimmte Stücke in der Schublade (oder im Ordner auf dem Rechner) aufzubewahren....

Ein Wort zum Schluss: der Odyssey ist kein kleiner 2600 - er ist ein eigenständiges und sehr feines Instrument.


Für einen zeitgemässen Klangeindruck ist hier Roger Powell´s wunderbares Odyssey Tutorial (es geht über 40 Minuten!). Ich habe einfach die Pics und die Audiodateien zusammengefügt, die auf der ARP Odyssey Resource Page zu finden sind.


Dieses wunderbare Tutorial ist auch eine sehr gute Einführung in die Welt der analogen Elektronik! Die Patchbögen können über die verlinkte Website gefunden werden und ich kann diese äusserst unterhaltsame Lektion nur empfehlen.



Synthesizer-Modelle von ARP

Der Umbau des ARP Axxe zum Expander

Mein ARP Setup