Eurorack

3HE Modular Synthesizer Format

Aufgrund des leichteren Transports hatte ich mich entschlossen, ein reisefreundliches EURORACK Instrument zu realisieren. Während mein MOTM Synthesizer "klassisch", das heisst "eastcoastig" (Filterschwerpunkt und ADSR mit VCAs) aufgebaut war, hatte ich den Eurorack Synth eher "westcoastig" gestaltet, d.h. etwas FM-lastig, mit Waveshaping und LPGs.

Hier ist mein letztes Eurorack Voll-Instrument zu sehen, das aber nur ein halbes Jahr existierte. Ein 600TE Reise-Instrument, das einfach (in gepatchtem Zustand) zusammengeklappt werden kann und dann etwa so gross ist, wie ein Tenor-Saxophon Koffer. Es war vom Handling perfekt für mich, jedoch war ich mit dem Eurorack-Format (12V) an sich nicht zufrieden. Als ich dann die Gelegenheit bekam, einige Buchla Clone Module von Roman F. zu übernehmen (der Mann, der viele dieser Buchla Clones entwickelt hatte), bin ich zur Buchla 200 Series gewechselt.

Eurorack ist hervorragend geeignet, um modulare Synthese zu erlernen und es macht Spass, einfach alles auszuprobieren. Durch einen regen Gebrauchtmarkt, wird man Module auch zu guten Preisen wieder los - oder kann andere Module etwas günstiger kaufen oder tauschen.


Grundsätzlich ist wohl damit rechnen, dass während der ersten Jahre ein reger Modul-Austausch stattfindet - im Gegensatz zu MOTM oder Buchla gibt es so ungeheuer viele Module (die auch verfügbar sind!), dass dies auch viel stärkere Auswirkungen auf die Auswechsel-Bereitschaft hat. Man muss fast aufpassen, dass man wirklich auf die Module eingeht, bevor man sie schon wieder auswechselt. Eine gewisse GAS Resistenz ist sicher hilfreich (GAS = Gear Aquisition Syndrome), sonst kann es teuer werden.

Was ich als sehr schwierig empfunden habe, war, dem Instrument eine instrumentale Einheit zu geben - einen instrumentalen Charakter. Die richtigen Schwächen. Ein Eigenleben.

(M)Ein Fallbeispiel

Tour De Force durchs Euroland

Ich habe in nur 2 1/2 Jahren - meiner Eurorack Zeit - gleich drei Koffer-Cases gebaut (und bin jetzt Case-Spezialist!). Das erste, mit 4x84TE - also 19 Zoll - war mit einem Doepfer-PSU2 Trafo unterversorgt, weil ich zunehmend Minimodule (4TE) hatte, deren Verbrauch sich summierte. Auch wollte ich mehr Module. Das zweite Case war 4x119TE und hatte 2x PSU2. Die Energiekrise war damit behoben, aber Gewicht und 230V im Inneren gefielen mir nicht, da baute ich schon das Dritte. Auf den Bildern ist Wachstum und Veränderung meines Systems nachzuvollziehen.

Mit der 19Zoll=48,26cm Grösse hatte ich ein Fluggepäck-fähiges Case, aber ich finde es als Instrument einfach zu schmal. Auch die Modul-Auswahl ist sehr beschränkt und es fehlt eigentlich immer Platz. Als Reaktion hatte ich viele kleinere Module angeschafft, doch für die reichten schliesslich die mA des Trafos nicht mehr.

Das zweite Case war mit 65cm zwar nur unwesentlich grösser, jedoch schon viel angenehmer. Was mich aber dauerhaft störte, waren die, jetzt zwei Ringkern-Trafos (PSU2). Sie sind schwer und gefährlich. An dieser Art Instrument ist häufig ein Modulplatz leer und dann kann man ungehindert an die Trafos kömmen, die auch noch gefährlich sind, wenn sie zuvor vom Netz getrennt wurden.

Auch das Tannenholz der ersten beiden Cases war sehr schwer und gerade zu dieser Zeit öffneten mir die Audio-to-CV Module von Expert Sleepers die Tür: aus 2 Kanälen Audio vom Computer konnten 40 CV Signale generiert werden. Es war also Zeit, ein noch etwas grösseres Case zu bauen, in dem schliesslich auch die letzten Schwächen der Vorgänger behoben wurden.

Das dritte Case hatte ich an die Breite der Tastatur angepasst und über der oberen Modulreihe war nun kein Holz mehr, das sie verdeckt und den Zugriff einengt. Als Holz wählte ich nun Pappel - so wie es bei den meisten alten Instrumenten-Koffern ist. Dieses Case war komplette Handarbeit - die ersten beiden Cases waren CNC-gefräst.

Da inzwischen, mit dem TipTop Zeus Studiobus, ein neues, externes (Schalt-) Netzteil mit 4,6A auf dem Markt war, habe ich mich von den Ringkern-Trafos getrennt. Eine spürbare Erleichterung!

Im Instrument waren 80 CV-Ausgänge vom Computer und selbst die grossen Verbos Module wirkten nicht mehr riesig. An Bord waren 9 Oszillatoren, 1x Noise, 6x Filter, 2x Wavefolder, 2x RM, 7x EG, 5x LPG, 14x VCA, 3x Mixer (ein Vektormixer), 3x Controller (Ribbon und Pedale) und einige Utility-Module, wie Switches, Logic, Crossfaders und Multiples. Ausserdem Rectifier, CV-Tools, S&H, Clock-Divider/Sequencer, Switching Sequencer und ein Quantizer.



Es war also endlich "Alles" da - und doch wollte keine rechte Freude aufkommen (ausser an den geglückten Cases). Bestimmte Dinge passen mir einfach nicht am Eurorack-Format. Viele Module übersteuern zu stark, wenn nicht ein VCA zum Abbremsen dahinter sitzt - man braucht also mehr "Attenuverters". Viele Module waren entweder zu "wechselhaft" (z.B. Plan B, geniale Module, die aber ständig nachgestellt werden müssen und viele Schwächen haben/Service) oder "schlechte" Module, die eher einen Seiten-Effekt eines um-funktionierten IC nutzen und ihre Charakteristik mit zu vielen "Nebengeräuschen" (Clipping) erzielen (z.B. Doepfer RM). Vor allem aber ist es zu fummelig - ich fühlte mich fast wie ein Zahnarzt, der den ganzen Tag auf 10cm2 arbeiten muss. Die Poties gefallen mir, bis auf wenige Ausnahmen, auch nicht. Fummelig. Genervt hat mich der +12dB Output, da ich Audio-Verbindungen mit dem Computer auch mitten aus dem Patch mache. Das verlangt jedoch immer eine Wandlung balanced/unbalanced und eine Lautstärke- und Impedanz-Anpassung. Das Alles gilt natürlich nur für mich, für meine Suche. Ich bin 2 Meter gross, Pianist, fast 60 und habe meine Vorstellungen. Ohne Frage repräsentiert das Eurorack von allen Formaten die grösste Vielfalt.



Zwei Systeme kommen einem Instrumenten-Gesamt-Sound erstaunlich nahe. Das sind Doepfer und Analog Systems. Sie bieten ein unglaublich breites Spektrum an Modulen. Vielleicht liegt der Trick beim Eurorack darin, nicht immer die "Lieblings-Module" anzuschaffen... Aber das ist schwer. Es gibt tolle Hersteller: ADDAC, Aion, Erica, Intellijel, MakeNoise, Synovatron, Toppobrillo, Verbos... und so viele mehr.

Was geblieben ist

Der segensreiche Rest

Das ist mein aktueller Eurorack-Torso. Der untere Teil sitzt im- und das obere Rack auf dem Buchla. Der rechte Teil des oberen Racks (Expert Sleepers) ist hauptsächlich mit dem MOTM Modular verbunden. Beide Blöcke haben eigene Netzteile. Fast die Hälfte der Module sind von Expert Sleepers: 2x ES-40 (Audio to CV) mit jeweils 5 Expandern und Input Modul (in zwei Blöcken) und 2x Disting. Am Buchla-ES-Block habe ich noch ein Synovatron Modul mit 5 GT-Elements, um Euro-Gates (5V) in Buchla-Stepped-Pulses (10,4V Trigger mit 5V Gate) zu wandeln.


Unten:

Als Vektor Mixer (mit Joystick) ist das "Planar" von Inellijel, besonders im Buchla, Gold wert. Nachdem ich mit einiger Überraschung entdeckt hatte, dass ein Euro VCA ja auch nur auf- und zugeht - und das, was hineingeht, am Ende genau so wieder herauskommt (wenn offen) - ob es nun +12dB oder 3dB (Buchla Lautstärke) sind... manchmal staunt man über die einfachsten/logischen Dinge... Das muss Fach-Idiotie sein! Dieser Erkenntnis folgte gleich ein Intellijel µVCA Modul. Zusammen mit dem ADDAC301 Floor-Control und einem Yamaha FC9 CV-Pedal, dient es als Volumen Pedal (z.B. für den Ausgang des Vektor-Mixers). Der Doepfer A-134-2 Dual VC Crossfader und der A-150 Dual VC Switch sind auch gut mit dem Floor-Control: ein Dual Switch wird dann mit einem Sustain Pedal im zweiten Eingang des Floor-Control geschaltet.


Oben:

Neben dem ES-Block (rechts), mit dem ich den MOTM steuere, sind zwei Disting Module (= Taschenmesser) und ein TipTop Z4000 (ADSR). Dan kommt der (rote) ADDAC Block mit dem ADDAC206 Switching Sequencer, ADDAC202 Amplifiers und dem ADDAC207 Intuitive Quantizer. Der Quantizer kann auch 1,2V/Oct produzieren und eignet sich daher auch für den Buchla. Daneben ist der Verbos Harmonic Oscillator - lieber hätte ich den Verbos Harmonic Oscillator für den Buchla, weil er 2 Teiltöne (Schieberegler) mehr hat. Er ist aber sehr teuer und noch viel seltener. Solange bleibt dieser. Den Doepfer A-174-1 Joy-Stick kann man immer mal gebrauchen, daneben ist der A-198 Ribbon Controller. Weil noch 8TE frei waren, habe ich zwei A-181 Multiples 2 eingesetzt. Bei MOTM und Eurorack sind Format-Wechsler (Klinke/Miniklinke) immer mal hilfreich.

Casebau

Eigenbau mit Holz

    Fertige Cases sind mitunter schockierend teuer - ein Selbstbau ist daher Budget-freundlich und kreativ. Ein schönes Holzcase gibt dem Instrument überdies einen individuellen Touch und etwas "Wärme". Es muss aber nicht unbedingt alles selbst gemacht werden - gewisse Abstufungen sind möglich, um die eigene DIY-Energie nicht zu überlasten.

    Wer, wie ich, mit schiefen Winkeln plant und kein ausgewiesener Hobby-Tischler ist, sollte das Holz von Fachleuten zusägen lassen. Diese Winkel und Formen passend zu sägen - mit ungenügendem Werkzeug oder auch im Baumarkt würde es nur zu unbefriedigenden Ergebnissen führen. Für das Holz und den Zuschnitt in der Tischlerei zahlt man nicht unbedingt mehr, als im Baumarkt nur für das, evtl. ungeeignete, Holz. Damit es transportfähig (d.h. stoss-unempfindlich) ist, hatte ich zuerst Tanne gewählt. Pappel ist aber deutlich leichter und war das Holz für mein drittes Case.

    Natürlich ist es schöner, die Rack-Ohren der Modul-Träger (Frames) wegzulassen - auch, um die Ränder des Cases nicht unnötig breit zu machen. Die Ohren müssen also durch einfache Aluprofile ersetzt werden, die dann von innen im Case verschraubt werden können.

    Die anfallenden Metallarbeiten sind zwar etwas mühsam, aber machbar - die grösste Schwierigkeit besteht darin, die Löcher genau zu bohren (doch lieber vom Schlosser?). Ideal ist es, die zwei inneren Löcher von der einen Seite und die zwei äusseren Löcher von der anderen Seite mit einem Senkkopf-Bohrer etwas auszufräsen, damit die Schrauben plan versenkt werden können. Auf dem Foto ist die Seitenteil-Ausbeute eines 2m Aluprofils zu sehen. Das Aussägen des Loches für den Stromanschluss in der Einbauschale war weniger schlimm, als zunächst befürchtet.

    Wenn das Holz geklebt ist - Kleber hält besser als Schrauben - und die Frames geschraubt, ist der grösste Teil geschafft. Wie zu erkennen ist, sind die Bohrungen für die Netzteile und Busboards in den Rückwänden auch bereits ausgeführt. Ich empfehle Plexi-Schablonen zur Vereinfachung.

    Nun fehlen noch ein paar Tupfer Lack, Griff, Schlösser, Scharniere und Gummifüsse.

    Die Rails (Querstreben) gibt es natürlich unter folgendem Link.



    schneidersladen.de

Audio-to-CV / CV-To-Audio

Expert Sleepers
  • CV lässt sich auch direkt vom Audiointerface erzeugen. Für mich ist es die zeitgemässe Verbindung von Computer und Synthesizer. Eine phantastische Sammlung extrem brauchbarer CV Plugins kommt mit der Silent Way PlugIn Suite- DC, LFO, Step LFO, Quantizer, Trigger, CV Input, CV To OSC, CV To MIDI, AC Encoder und Voice Controller. Es lassen sich also auch eingehende CV Werte in Midi- oder OSC-Daten wandeln. Durch die OSC-Kompatibilität dürften sich recht einfach korrespondierende Controller z.B. auf iPhone oder iPad realisieren lassen! Alle Parameter haben zudem eine Midi-Adresse. Das ist SEHR umfangreich - allein der Voice-Controller hat 122 Parameter! Insbesondere den reisenden Modulisten wird gefallen, das durch die enthaltenen Funktionen in Zukunft einige Module gern zuhause gelassen werden können.

    Natürlich lassen sich die Funktionen dieser PlugIns auch komplett mit Max/MSP programmieren, die SilentWay PlugIns sind aber so gut, daß sie auch einfach im vst-object leben können und nur eine Steuerung programmiert werden muss. Dann muss auch kein Fenster für das PlugIn geöffnet werden.




    Zwar lassen sich diese PlugIns mit DC-coupled Outputs mancher Audiointerfaces direkt einsetzen, deutlich bessere Ergebnisse erzielen sie aber - und dann auch AC-coupled - unter Zuhilfenahme der Audio-to-CV-Module von Expert Sleepers.

    Für mich sind die Expert-Sleepers Module DER Missing Link schlechthin! Ein Modularsystem bekommt plötzlich eine ganz andere Bedeutung! Das Kalibrieren und Stimmen kann automatisiert werden - bei den digitalen Modulen ist es gar nicht notwendig! Klänge, wenn identisch gepatcht, sind auch mit kompliziertesten Werteveränderungen genau reproduzierbar - also genau das, was eigentlich mit so einem System gar nicht geht...