Die Live-Elektronik

Maßgeschneiderte Software für Komponisten, Musiker, Performance-Künstler, Film-Schaffende...

Gelegentlich beauftragen mich Komponisten, Instrumentalisten oder Studios, Software nach ihren Vorgaben zu entwickeln, also, um die Realisation einer Live-Elektronik. Für die Umsetzung einer kompositorischen Idee oder einer, das instrumentale oder vokale Spiel betreffenden, elektronischen Erweiterung, eignet sich eine maßgeschneiderte Software am besten. Neben der technischen Bewältigung der Anforderungen an diese Software, ist die Verbindung der zu steuernden Parameter mit Hardware-Controllers einer der interessantesten Aspekte, weil Verwaltung und Spontaneität hier zusammentreffen müssen. Das Ergebnis nennt sich Interface und kann Schieberegler, Pedal, Klaviatur, Licht- oder Feuchtigkeits-Sensor sein. Oder eine Videokamera, oder, oder... Es gibt kaum Grenzen. Selbst die Robotik bietet sich an. Meine Plattform für derartige Dinge ist das "Programming Environment" Max/MSP.

Zu hören ist die Live-Aufnahme von "Morite", einer Komposition des sardischen Komponisten Giorgio Tedde - mit der Mezzo-Sopranistin Sylvia Nopper und Thomas Kessler an der Live-Elektronik. Das Bild oben zeigt die von mir programmierte Software zur Aufführung des Stückes "Morite" in einer aktuellen Version (2013), mit iPad- und iPhone-Steuerung. Rechts ist die alte Version der Software von 2006 zu sehen. Auf dem Monitor ist die Verdopplung aller Regler zu erkennen - dies war eine Entscheidung, um auch ohne Faderbank alles bedienen zu können. Insgesamt war im Vergleich zu heute ein ziemlich hoher Arbeits-Aufwand nötig, bis überhaupt mal der erste Ton zu hören war.

Die Veränderungen und Vereinfachungen durch die neue Controller-Situation sind enorm. Der Computer-Monitor muss nun nicht mehr beim Interpreten oder Klang-Regisseur sein, denn alle relevanten Informationen sind auch auf dem Tablet/iPad darzustellen. Ein grosser Fortschritt, denn das iPad ist absolut geräuschlos und ohne Kabel-Orgie einzusetzen. Aus diesem Grunde hat sich die Rolle des Computers geändert. Auf dem Monitor ist jetzt ein Terminal zu sehen - alle Parameter- und sonstige Adressen, Interfaces und Netzwerk-Einstellungen. Zusätzlich habe ich durch grosse Peakmeter und numerische Step-Anzeige dem Monitor eine Monitorfunktion für die Bühne zugedacht - auch aus grosser Entfernung sind die wichtigen Informationen gut zu erkennen und vom iPad aus in der Leuchtkraft und dem Zoom-Faktor auf den verwendeten Monitor einzurichten .

Diese Möglichkeiten erlauben es dem Komponisten zunehmend, auch Zuhause mit der Elektronik in maximaler Qualität zu experimentieren - etwas, das man früher nur in wenigen elektronischen Studios machen konnte. Damals aber musste man in engen Zeitrahmen und zu festen Zeiten mit Technikern oder Studenten an der Realisierung des elektronischen Teils der Komposition arbeiten - oft ein Lotteriespiel...

Mit den allgegenwärtigen Smartphones und Tablets stehen heute hochsensible und interaktive Controller quasi für lau zur Verfügung! Genau diese Steuerungen waren in der jüngeren Vergangenheit das grösste (und teuerste) "Problem". Auch wenn seit 10 Jahren Billig-MIDI-Motorfader zu haben sind - die Möglichkeiten der Tablets reichen viel weiter und bringen endlich die Trennung von der Computer-Maschinerie.


Hier ist ein Video des Stückes "Boreo" von Giorgio Tedde, für das ich auch die Elektronik entwickelt habe (externer Link - nach Erscheinen der Seite ca. 10 sec. Ladezeit).

Boreo Video

Zu sehen und zu hören sind Miako Klein an diversen Flöten (darunter eine Kontrabassflöte!) und Theodor Milkov am Schlagzeug. Die Aufnahme wurde am 10. November 2007 im Muziekgebouw Amsterdam gemacht.


Miako arbeitet zur Zeit, so glaube ich, beim Cirque du Soleil.



Live Video

  • Auch in meiner Arbeit rückte Video einst weiter in den Focus. Natürlich arbeite ich in diesem Medium, wie auch im Audio-Bereich, am liebsten in Realtime. Durch den Einsatz von Video kann der Raum während eines Konzertes erfahrbarer werden, eine neue Gesamtsituation entsteht und ein Sinn macht dem anderen den Weg frei.

    Das ganze geht aber etwas Richtung dreidimensionales Schach und verlangt Zeit für Vertiefung. Sicherlich wird Video in der nächsten Zeit seine Rolle vertiefen und vielleicht endlich im enthypten Dasein auch seine Reize vermitteln können..

    Ich habe so viele offnene Baustellen, dass ich mich wieder vom Live-Video zurückgezogen habe. Wenn man alles selber macht (Elektronik), bleibt schon recht wenig Zeit, die musikalischen Fertigkeiten weiter zu kultivieren - mit zusätzlicher Video-Programmierung.... oh je... Computer heisst, Entscheidungen treffen.

Live-Visuals

    Mit den Live-Visuals war es etwas weniger kompliziert. An ein paar tollen Abenden mit den DJs Goran N., Manon und Pascal Feos (Bild) in Basel und Lörrach habe ich mich mal an die Audio-Ausgänge der DJ's gehängt und mit meinem Video-Synthesizer CLUTI (Computer Licht Und Ton Instrument) viel Freude gehabt/bereitet.

    Die Miinimal/House und Techno-Szene reagierte extrem positiv auf die halluzinogenen, dreidimensional wirkenden Bilderfluten. Interessant für mich, mit dieser Szene in Berührung zu kommen!