Ein Weg zur hybriden Konsole?

3/2016
Ich benutze 2 Audiointerfaces (ULN-8 und LIO-8 mit 12 Mic-Pre's), die überragende Qualität liefern und deshalb zusätzliches Equipment auf eine harte Probe stellen. In der zugehörigen Software-Console lässt sich alles frei konfigurieren: Buss- und Mixer-Architektur, EQ, Compressor, Gate, Laufzeit-Korrektur, MS und sogar ganze Studioprozessoren. Trotzdem weiss jeder, der es einmal erlebt hat, dass eine gute Konsole dem Klang einen besonderen Zauber verleihen kann.

Nach 2 Jahren mit analoger Mastering-Chain, wollte ich dem Impuls folgen, bereits beim Mixen Kanäle (analog) in die Sättigung fahren zu können und analoges Outboard einzubinden - und wo es um Saturierung geht, da kommen Übertrager ins Spiel.

'Centerpieces'

Seit 5 Jahren gibt es nun Geräte, die "Konsolensound" versprechen und ohne die ganzen Mic-EQ-Kanalzüge kommen - bei 16 Kanälen entspricht das einem Gegenwert von €30-50.000! "Centerpieces" bestehen, grob beschrieben, aus einem Summierer mit Inserts und Pan, der in einen Mix-Buss führt, welcher wiederum Patchpoints für die Summen-Bearbeitung bietet. Ausserdem gibt es Monitoring, Cue-Out, Speaker 1/2(/3), Talkback und VU-Meter. Verschiedene Hersteller setzen natürlich auf weitere, individuelle Extras.

Ein ideales Gegenstück also für leistungsfähige Audio-Interfaces, die, wie das ULN-8, selber Channelstrips und Sub-Buses samt Prozessoren stellen und damit eine Host-Software bei Live-Anwendungen erübrigen. Mit diesem Konzept scheint sowohl der exorbitante Preis, als auch der immobile Faktor von Konsolen durchbrochen werden zu können.

Die noch neue Geräte-Gattung wird als "Summierer" geführt/diskutiert, was ich - obwohl ein Summierer enthalten ist - für irreführend halte, da hinter dem Summierer eben der erwähnte, zusätzliche Mix-Buss inklusive Patchpoints für Outboard-Prozessoren zur Verfügung steht.

Die, meist 16-32 Eingänge, sind für eingehende Tracks oder Stems aus der DAW gedacht, die dort schon in Sub-Gruppen vorbearbeitet sind. Durch, vor die Summierung gesetzte Inserts oder Aux-Patch Points, können diese Sub-Gruppen (noch) getrennt voneinander bearbeitet werden (analog) und nach der Summierung ein weiteres Mal im Mix-Buss - dann als Stereo-Track über die Mix-Patch Points - einer Summenbearbeitung unterzogen werden.

Mich interessierten vor allem 2 Modelle. Durch die Inserts vor der Summierung bieten beide Geräte genau die Art Schaltung, die, nur mit Audio-Interface, problematisch ist, weil durch die dann erforderliche, zweite ADDA Wandlung, eine doppelte Latenz entstünde! Ich kann es gar nicht genug hervorheben, denn so entsteht eine Art analoger Seiten-Buss, in dem Outboard latenzfrei vor der Summenbearbeitung eingebunden werden kann. Diese Möglichkeit fehlte mir so häufig, dass allein die Vorstellung darüber Euphorie auslöste!


img

Das RND Centerpiece - ein, bereits mit Preisen bedachtes Gerät, ist vor allem wegen des hohen Stroms (72V) und den grossen Übertragern eine Hausnummer, vielleicht sogar der Elefant im Raum? Ich habe den RND MBP mit dieser Technik und bin vom Klang begeistert!

Die DAW-Steuerung ist aus meiner Sicht aber eine totale Fehlentscheidung (und auf dem iPad auch viel praktischer).

Da der Lüfter mein grösster Schrecken ist und das Gerät 24 Kabel auf dem "Desktop" will, habe ich versucht, beides im Bild zu veranschaulichen.

Nicht nur wegen der DAW-Steuerung entpuppt sich das Centerpiece auch eher als geplanter "Homey". Es ist etwas mehr in Richtung finales Bearbeiten und evtl. sogar "Mastern" ausgelegt. Daher liegt es funktional auch näher an einem Summierungs-Mixer als an einer Konsole. Es besteht zwar die Möglichkeit, diese Ausrichtung aufzuheben, jedoch wären dafür Preamps (mit Übertragern) notwendig - eine zusätzliche Investition von über €3000.-. Eigentlich ist damit alles gesagt - kurz: der Übertrager am Ausgang könnte es entscheiden (wenn der Lüfter es erlaubt). Das Abwägen dieser beiden Punkte dürfte wohl alle anderen Aspekte dominieren. Der Kaufpreis ist aber exorbitant.

Das Centerpiece 5060 bietet einen Kopfhörerverstärker und hat ein augefuchsteres Talkback System. Technische Vorzüge des Centerpiece sind eine höhere Anzahl Sources im Monitoring, Inserts (ohne Übertrager) auf den ersten 8 (von 24) Eingängen und eine Dim-Schaltung, die eine Lautstärke-Kompensierung beim Abhören des Outboards in der Summe ermöglicht.

Da das RND eine so deutliche Prädestination zeigt und für mich der (evtl. mehrkanalige) Live Einsatz eine gewichtige Rolle spielt, blendet es sich für mich nach der Addition des ungewollten Lüfters und der Konzeption eher aus. Ausserdem habe ich nicht so viel Outboard, um 8 Kanäle gleichzeitig zu versorgen - und plane auch nicht die Anschaffung so vieler Geräte.

Zwar hat RND mit der Bezeichnung "Centerpiece" die Funktionalität dieser Geräte-Gattung am besten getroffen - und war auch mein Favorit - konzeptionell finde ich den MixMaster 20 aber viel interessanter, weil er durch das 19' Format und einige technische Details auch für den Live Einsatz geeignet zu sein scheint und sich sein Konzept am besten mit dem der Metric Halo Audio-Interfaces (und meinen Vorhaben) ergänzt.


img

Der MixMaster 20 (MM20) von Great River Electronics soll "mit einer DAW zusammen als hybride Konsole arbeiten und Konsolensound erzeugen".

Die grosse Anzahl Übertrager, die 4 Mic/Line-Pre's und die insgesamt 54 Audio-I/O's verschaffen dem MM20 eine Art Alleinstellung.

Während die Konkurrenz Übertrager nur vor den Ausgängen positioniert - also 2 bis 6 (im RND Centerpiece), hat der MM20 gleich 16 Übertrager! Sie sitzen an den Mic/Line-Pre's, den Patch-Points und der Summe. So ergibt sich eine ganz traditionelle Konsolen-Situation: es wird nicht einfach Farbe auf den Ausgang gegeben, sondern durch unterschiedliche Dosierung an verschiedenen Punkten viel diffiziler addiert, verteilt bzw. eingepegelt.

Es ist eine voll ausgestattete Funktionsgruppe einer Konsole, mit interessanten Extras, in einem 19' Gehäuse. Durch die Übertrager sind es nicht einfach I/O's, sondern es ist komplexe Audio-Technik, wie sie nur in sehr teurem Equipment anzutreffen ist.

Wie wahrscheinlich Viele, dachte auch ich zu Beginn: warum bloß diese 4 Mic-Pre's? Sie machen das Gerät nur doppelt so teuer!! Diese 4 Kanäle sind aber auch dafür vorgesehen, durch Line-Tracking einzelne Spuren oder Stems auszuführen, um sie mit analogen Outboard-Prozessoren zu bearbeiten, bevor es an die Summen-Bearbeitung geht und dieses Detail ist von zentraler Bedeutung.

Wie mir der Besitzer eines MM20 schrieb, sprechen die Übertrager an den "4 goldenen Kanälen" stärker an, als die im Mix-Buss - der ist angeblich sehr transparent (also eher "unhörbar"). Da ich einen MAQ-2NV besitze und mir dessen Entstehungsgeschichte bekannt ist - einige Ton-Ingenieure liebten den EQ-2NV und baten u.a. um weniger färbende Übertrager für's Mastering - vermute ich daher, dass in den 4 Preamp-Kanälen die EQ-2NV- und in der Summe die MAQ-2NV-Übertrager verbaut sind (oder daran "angelehnte" Übertrager). Mir erscheint dies auch logisch, da beim Tracking eher gefärbt wird, als in der Summe.

Viele der modernen 19-Zoll "Färber" sind auf Colorierung der Summe ausgelegt, was dem versierten Ton-Ingenieur womöglich genau deshalb misfällt - da immer Alles durchgefärbt wird und man eher von Daisy-Chaining sprechen muss.

Voraussetzung bei Übertragern ist natürlich, dass man die Klangveränderungen durch das Sättigungsverhalten der Übertrager mag und dafür ist es förderlich, sie auch zu hören. Auch heisst "16 Übertrager" nicht automatisch: "besser als 4 Übertrager". In Deutschland scheint das Probehören zur Zeit (2016) leider unmöglich. So kann ich nur sagen, dass die Übertrager des MAQ-2NV von Great River Electronics eigentlich genau das haben, was ich mir an anderer Stelle (im Mixer) wünschte - aber diese Vermutung reicht nicht aus, einen Kauf in die Wege zu leiten.

Da beide Geräte mit meiner DAW zusammenarbeiten sollten, versuche ich aufzuzeigen, was ich mir gedacht hatte:



Das Frontend und die Sub-Gruppen

Hier kommen meine Metric Halo Audio-Interfaces ins Spiel, deren Konzept hier wie die Faust auf's Auge passt. Sie bieten die Mic-Pre's, PlugIns, die über eigene Prozessoren betrieben werden und eine frei zu programmierende Mixer-Buss-Struktur. Das folgende Bild, zeigt die zu bearbeiteten Tracks und den Downmix der Subgruppen auf Stems (Stereo). So ist der Mix-Buss des MM20 dann genau der Master-Buss, der die verschiedenen Sub-Gruppen mischt - ganz so, wie bei den Riesen-Konsolen. Die 4 Mic/Line Eingänge (mit Übertragern) bilden dann eine Art analogen "Seiten"-Buss, wenn gewünscht.

Was das Frontend der Audio-Interfaces ausmacht, wird auch auf diesem Bild deutlich: es wäre als Hardware nahe an der "Tieflader-Grenze"! Durch "Characters" kann sogar eine Färbung im Stile berühmter/begehrter Prozessoren emuliert werden. Diese PlugIns klingen und "fühlen" sich tatsächlich auch eher an, wie Hardware! Auch ein sehr gutes Reverb ist dabei.

img

Bei 96kHz ergibt sich eine Latenz von 0.7 - 1.5ms, was einer Entfernung von 24 - 40cm entspricht und somit völlig irrelevant ist. Führt man sich die möglichen Sub-Gruppierungen, die auch noch bearbeitet werden können, vor Augen, wird langsam klar, dass diese Geräte (MM20 und ULN-8) ganz offenbar füreinander geschaffen sind. Die Funktionen greifen schlicht perfekt ineinander - und es gibt noch mehr solcher perfekten Nahtstellen in der Kombo MM20/ULN-8.


Das Live Setup


Die folgende Beschreibung soll aufzeigen, dass der MM20 tatsächlich eher an eine Konsole erinnert und wie gut sich Hardware und Konzepte ergänzen. Ob sich der MM20 überhaupt für Live-Setups eignet, konnte ich nicht in Erfahrung bringen - er ist nicht leicht und hat ein externes und sehr grosses Netzteil! Ich fahre trotzdem mit der Annahme fort, dass dies möglich ist.

Das 16-kanalige Live-Setup mit dem MM20 würde sogar "Audio Guerilla"-Anforderungen erfüllen. Die integrierten Preamps ermöglichen eine breite Vielfalt für alle Anwendungen. Besonders gut ist natürlich auch, wenn ein 16-kanaliges System tatsächlich 20 Eingänge hat (Utility-Kanäle)!

img Ein Live-Setup im Kompakt-Format: neben den Audio-Interfaces und dem MM20 ist hier der Thermionic "The Pullet" EQ im Case (für das folgende Anwendungs-Beispiel). Es ist ein passiver, zweikanaliger Pulteq Mitten-EQ-Clone, der durch Mic-Preamps wieder um 38dB verstärkt werden muss.

Dafür eignen sich zwei der vier MM20 Mic-Pre's wegen ihrer Position vor dem Mix-Buss. Im Wege steht nun zunächst nur das Problem, dass alle Kanäle der ULN-8 in einem D-Sub25 Multicore kommen. Trotzdem muss nicht erst alles über ein Steckfeld aufgedröselt werden, um die beiden Kanäle herauszunehmen, denn die ULN-8 hat neben dem D-Sub25 Ausgang auch zwei, als Multiple ausgelegte Klinken-Ausgänge (TRS), die dafür genutzt werden können. imgIm Gegenzug können diese beiden Kanäle dann im D-Sub Eingang des MM20 für den Summenbuss gemutet werden. Sie kommen nun über den Pullet EQ und die MM20 Mic-Pre's (mit 4 Aux) vor den Mix-Patch-Points in die Summe.

Da für 16 Kanäle zwei Interfaces aktiv sind, gibt es also 4 TRS Multiple Outs - und das geht wiederum perfekt mit den 4 Line-In's des MM20. Es erspart ein 16/16-I/O-Steckfeld, welches teuer und gross - und eine wahre Kabelschlacht wäre. Das Luxus-Problem wird nur der Wettkampf darum sein, was besser ist: die Mic-Pre's mit Direct Out für oder die analoge Buss-Bearbeitung vor der Summe...

Falls der MM20 Mic-Pre favorisiert wird, lässt es sich auch anderherum machen: das Mic in den MM20 Pre, Direct Out in den Pullet EQ und von dort in den ULN-8-Mic-In. Super, die Kombo!

Erstaunlicherweise (und durch die ULN-8 Multiple Outs) wäre eine sehr einfache Verkabelung möglich. In den MM20 müssten 4 D-Sub25 Stecker und in die Audio-Interfaces die 2 D-Sub25 Stecker der Stagebox eingesteckt werden. Die 16 Line Ins und der EQ wären schon vorverkabelt. Trotzdem hätte das Setup Variationen im Stile eines Schweizer-Armee-Messers auf Lager - der MixMaster20 ist ein Verwandlungskünstler.


Recording

Das Mitschneiden wäre unkompliziert: alle Eingänge können an mehreren Punkten abgegriffen werden (auch mehrfach) - direkt hinter dem Preamp (ohne Bearbeitung) oder hinter der Bearbeitung, vor oder hinter dem Fader, die einzelnen Busse (Stereo) - auch vor oder hinter der Bearbeitung, etc. pp.. - sowohl ULN-8 als auch MM20. Dafür wird keine weitere Host-Software benötigt und es geschieht direkt von der virtuellen Console 5 (Metric Halo) - wenn gewünscht, kann auch eine gespiegelte Aufnahme (auf einen zweiten Datenträger) über die Software eingestellt werden. Die Ausrichtung auf das Live-Klangbild und eventuell auch dessen Mitschnitt, ist also ohne Destruktionen für die Aufnahmen des Ausgangsmaterials und das anschliessende Mixen im Studio auszuführen.


Das Live-Outboard

Natürlich ist die (dynamische) Summenbearbeitung ein ganz wichtiger Aspekt, deshalb käme (wegen des Gewichts) ein zweites Case mit Outboard für den Mixbuss dazu. Es ist Outboard, das ich auch jetzt gebrauche und deshalb ins Beispiel übernehme. Wegen der, mitunter auch etwas chaotischen Live-Situationen, habe ich mich ausschliesslich für "No-Brainer" entschieden:

img

Zu unterst ist der RND 5045 "Primary Source Enhancer", ein Voodoo-Gerät, um Feedback auf zwei Kanälen grundsätzlich im Zaum zu halten. Oft wird er nicht gebraucht, aber es ist rettend, wenn er bei Bedarf in Reichweite ist. Darüber ist der BAX EQ von Dangerous Music - ein unkomplizierter Kuhschwanz EQ, mit dem der Gesamtklang noch etwas aufpoliert werden kann. Dann kommt der RND Mastering Buss Prozessor, ein Parallel-Mix-Buss mit Compressor, Limiter, Filter, Weiten- und Tiefenbearbeitung.

Nur als Erinnerung: die vier Aux-Sends der MM20 Preamps stehen auch noch für den Gebrauch offen! Das könnte langfristig in die 500er-Modul-Welt führen. Eine Lunchbox mit Stereo-EQ und Compressor kommt da bestimmt gut. Auch ein digitales Multi-Effekt Gerät könnte hier gut sitzen.

Die Kombination mit der ULN-8 führt zu einer erstaunlichen, komplexen, hybriden Konsole und die kleinen Besonderheiten, wie die TRS Multiple Outs an der ULN-8, erzeugen mit der Vielseitigkeit des MM20 kleine Wunder! (... wie das Einsparen einer Patchbay in vielen Fällen). Obwohl 2x ULN-8 und MM20 zusammen ganze 154 I/O's haben, ist die Verkabelung für das Live-Setup vergleichsweise harmlos!


Die Einbindung des MixMaster 20 im Studio


Für die Einbindung im Studio wirken sowohl das Monitoring als auch die Mix-Buss Patch-Points zunächst auffallend rudimentär ausgelegt und bieten nicht die erforderlichen Feineinstellungen oder benötigte Funktions-Breite, die für diese Arbeiten erforderlich ist. Beide sind nur als Side- bzw. Bypass ausgelegtimg - und hier kann man Great River nur dafür loben, keine halbe Sachen gemacht zu haben und es so zu gestalten, dass individuelle Lösungen einfach einzubinden sind.

Genau an diesem Punkt wird es ja auch bei den Abnehmern extrem individuell, denn jeder hat andere Setups - auch die Hardware-Kategorien folgen keinen strikten Vorgaben. Jeder wird auch schon vor dieser Konsole mit seinem Setup gearbeitet haben und es besteht eine gute Chance, die bestehenden Monitoring und Outboard Setups weitgehend unverändert in den MM20 zu übernehmen, indem das Monitoring in den MM20 Tape Mon geführt wird und das Outboard - samt Patchbay, Buss-System oder Transferkonsole, zwischen die Mix-Buss Patch Points geschaltet wird. Fast genial einfach!

Da ich für Live-Einsätze ohnehin andere D-Sub25 Kabel benutze, bietet es sich an, die Geräte aus dem Studio-Setup zu lösen und in Cases zu tun - es wären 15-17 D-Sub25- und ca. 10 XLR-Stecker dafür abzuziehen - alles Verbleibende im Studio bleibt angeschlossen. Unterwegs benutze ich die Multicore-Snakes von Planet Waves, die dann für das Live Setup mit den entsprechenden Break-Outs ausgerüstet sind. Sie wirken fast unzerstörbar und ich habe bisher keine qualitativen Einschränkungen zu meinen Mogami D-Sub Kabeln wahrnehmen können - bei diesen Verbindungen geht es ja ohnehin nicht um "Recording"-Kanäle, sondern nur um Beschallungs-Wege.


Eine kurze Beschreibung meiner Lösungen für Patch-Points und Monitoring im Studio:

Die Mix-Buss Patch-Points

sind nichts anderes, als schaltbare Stereo I/O's. Off ist sozusagen Bypass.

imgSollen mehrere Studioprozessoren angeschlossen werden, die A/B verglichen werden oder die Platzierung im Buss wechseln sollen, bedarf es einer Architektur. Ich könnte dafür meine Masterbay S von SPL nehmen. Sie käme zwischen die Patchpoints und fungierte dann als Buss-Architektur. Der DAW Return würde in diesem Setup aber über das Monitoring gelöst.

Ich sehe den MM20 eher als Mixer, nicht so sehr für's Mastern. Trotzdem schliesse ich auch diese Möglichkeit mit ein. Falls der Eigenklang des MM20 wegen der Übertrager für's Mastern zu stark sein sollte, gäbe es gleich mehrere Möglichkeiten der Ausdünnung. Der Eingang der Transfer-Konsole liesse sich auch direkt vom Audio-Interface speisen (ohne Übertrager) und der Rec-Out der Transfer-Konsole könnte direkt ins Audio-Interface gehen (ohne die letzten Übertrager auf der Summe des MM20). Oder - nur zum Mastern (das sehe ich als den "normalen" Weg) - werden Ein- und Ausgänge der Transfer-Konsole direkt mit der ULN-8 verbunden und das MM20 würde ausgelassen. Wichtig ist ja, dass alle Optionen bestehen und ohne Aufwand variiert werden können.


Monitoring

Um keine analogen Line-Outs der Audio-Interfaces zu verschwenden, nutze ich den DA Eingang des Monitor-Controllers zum Wandeln des DAW-Returns. Der analoge Eingang wäre für das Abhören des Monitor Ausgangs der Transfer-Konsole (wahlweise mit Lautstärke-Kompensierung), während der REC-Out zur MM20 geht. So wären alle Punkte abzuhören und auch die Abhör-Fein-Werkzeuge der Transfer-Konsole voll zu nutzen.

img

Auch wenn er keinen Mono-Switch hat, wäre der Source von Dangerous Music eine mögliche Lösung, denn er hat einen Stereo Line Out mit fixem Pegel. Der Source würde auch eine Schaltung erlauben, am Computer mit Ton zu arbeiten, ohne den MM20 anzuschalten. Beide zusätzlichen Geräte (Transfer-Konsole und Monitoring) würden für das Live Setup nicht benötigt.


Fazit


I

Nach 10 Tagen "Forschung" (Lesen, schriftliche Kommunikation, Telefon) musste ich feststellen, dass wichtige Details ohne Anfrage bei Great River nicht in Erfahrung zu bringen sind und, vor allem, dass es keine Möglichkeit des Probehörens gibt.

Der MM20 ist konzeptionell sehr überzeugend, jedoch würde er meine (etwas spezielleren) Anforderungen teilweise nicht erfüllen (Steuerbarkeit) oder nicht erlauben (Master-Out 3/4).

Die grösste Schwäche des MM20 ist sicherlich die Einstellung von Level und Panorama der 16 übertragerlosen Inputs. Dies geschieht über die "Input-Matrix" mittels eines Push-Selectors - ziemlich 80er-Jahre mässig - aber wahrscheinlich gewöhnt man sich schnell daran... Immerhin lassen sich die Einstellungen in einer Software speichern.

Trotzdem wäre mir die digitale Kontrolle dieser Parameter (Level, Pan) wesentlich lieber.

Es war ein toller Trip und Great River baut einfach super-cooles Equipment!


II

Unsere gehypte Welt macht es einem nicht einfach. Manchen Marken (Hypes) wird schon fast religiös (konfessionell) ritualisiert begegnet. Auch muss klar sein, dass sich in den Foren Leute mit ganz verschiedenen Ausrichtungen unterhalten - trotzdem wird aber der Geschmack der Masse (wie in der Musik) prägend sein und dies kann leicht auf falsche Pfade führen.

Bei den Preisen für solche Hardware geht es zur Sache und Blindkäufe sind mit grossem Risiko behaftet - solche Geräte wird man evtl. nur mit viel Geduld und ziemlichen Verlusten wieder los. Die Einkommens-Situation von Musikern aber lässt das eher nicht zu.

Also: ganz vorsichtig herantasten!