Synthesizer

Synthesizer können sehr verschieden sein und deshalb auch eine sehr lange Suche bedeuten. Sie sind nicht so klar definiert, wie Violine, Klarinette oder Schlagzeug. Sie bestehen aber in ihren Zusammenstellungen aus denselben "Funktions-Gruppen". Das sind z.B. Oszillator, Filter, Hüllkurven-Generator, Verstärker, Sequenzer etc. - und sie können analog oder digital sein.

Nach vielen fix-zusammengestellten Modellen (Rhodes Chroma, ARP 2600, DX7, D-50, Korg Wavestation, EMP WASP Deluxe, MiniMoog D, Moog Prodigy, ARP Odyssey, ARP Axxe u.a.), bin ich vor 8 Jahren auf modulare Synthesizer "umgestiegen", weil sie flexibel verändert und für alle Bedürfnisse perfekt zusammengestellt werden können.

Das breite Angebot an Modulen verleitet leicht dazu, "Alles" machen zu wollen/können - im instrumentalen Umgang zeigt sich aber immer wieder, dass kleinere Instrumente mit weniger Parametern einen spontaneren, kreativen Umgang erleichtern.

Auch wenn DSP (Digital Signal Processing) mit einigen Segnungen verbunden ist - das Spielerlebnis, die musikalische Herausforderung und das instrumentale Empfinden sind mit analogem Equipment ungleich intensiver. Insbesondere analoge Oszillatoren und Filter gefallen mir, weil sie tatsächlich die Töne erzeugen, bzw. eine Verhaltensweise zeigen, während digitale Klangerzeugung immer eine Reproduktion von Klängen und Verhaltensweisen ist.

Da ich seit 1990 mit Max arbeite, bietet es sich an, digitale Prozesse mit dem Computer zu realisieren und analoge Module dort einzusetzen, wo ihre Vorzüge zum Tragen kommen.

Seit einigen Jahren arbeite ich an der Entwicklung meines hybriden Instruments, in dem die digitalen Aufgaben mit Max/MSP gelöst werden. Als Musiker ist mir die auch Transportabilität sehr wichtig - jede digital umgesetzte Funktion spart Platz, Gewicht und Geld.


Mein hybrides Instrument:


Modulare Systeme:


Historische Bühnen-Synthesizer:

Analoge Filterbänke:

Stompboxes:


Warum ein Modularsynthesizer?

Modulare Systeme bieten einen universalen und komplett offenen Ansatz. Sie vertiefen und konkretisieren immer das Bewusstsein für klangliche Prozesse. Ein modulares System bietet alle Möglichkeiten für die Interpretation bestehender elektronischer Werke. Schaltungen können klar umgesetzt und heutzutage auch an beliebigen Punkten mit digitalen Prozessen verwoben werden. Modulare Synthesizer sind ein himmlisches Vergnügen! img

Sieht es auch für manche abschreckend aus - besonders für Einsteiger ist ein modularer Synthesizer die beste Wahl - es gibt keinen gründlicheren Weg, die Funktionen der einzelnen Module kennenzulernen. Hervorragend auch, dass das System mit fortschreitender Kenntniss sukzessive weiter ausgebaut werden kann. Preislich dürfte ein Einstiegs-Modular-Synthesizer schwer zu unterbieten sein. Das Schwierigste zu Beginn ist, eine Auswahl an Modulen und benötigtem Zubehör zusammenzustellen. Hier empfielt es sich, Hilfe in Anspruch zu nehmen.


Formate

Es gibt verschiedene Formate, die auch untereinander gemischt werden können, weil sie als Steuerspannung (Control Voltage) ±5V benutzen - manche benötigen jedoch eine andere Betriebsspannung, d.h. ein anderes Netzteil (meistens 12V oder 15V POWER).

img Meine Wahl fiel zunächst auf das 15V MOTM Format. Tatsächlich bietet 15V eine "bessere" Auflösung (Frequenz-Staffelung), bzw. mehr Headroom - dies ist Diskussions-Auslöser seit Beginn den ersten digitalen Konzepte - z.B. war bereits der ARP Quadra in 12V ausgelegt. Ich bin jedenfalls deutlich Teil der 15V Gruppe - ich höre einfach eine feinere Auflösung/mehr Substanz.

Siehe dazu auch meine Modul-Vergleiche (Eurorack+MOTM).

Während die meisten Formate bipolar sind, sind die beiden 4HE Formate, Serge und Buchla, unipolare Systeme. Sie verarbeiten CV 0-10V und CV wird mit Bananen-Steckern übertragen. Tatsächlich verarbeiten sie auch ±5V, wenn gleichzeitig ein Regler für den Parameter zur Verfügung steht (was meistens der Fall ist). Der Regler kann dann als "Offset" Regler eingesetzt werden, um aus -5V bis +5V positive Werte mit 0-10V zu machen. Alles ist etwas anders, aber auch Serge und Buchla können unproblematisch mit anderen Systemen kombiniert werden.


Buchla

Eine Art "Steinway" unter den elektronischen Instrumenten - auch wenn der Vergleich hinkt. Tatsächlich fallen am Buchla neben den Stärken auch die Schwächen gleichermassen auf, z.B. die ziemlich eingeschränkten Filter oder der recht schlichte Function Generator 281.

img Es ist aber ähnlich wie im Leben, nämlich dass der Charakter primär auch über Schwächen definiert wird - wie die Lücke zwischen den Schneidezähnen oder der leichte Silberblick, die ein gleichmässiges Gesicht erst unverwechselbar machen - weil sie die Schönheit "verankern".

Mich fesselten Klang und Charme der "Series 200", einem historischen Format, deshalb habe ich 2015 mein "Zentral-Instrument" auf die Buchla Module umgestellt und bin begeistert. Hier ist das Mischen sehr wichtig und viele Nuancen entstehen im Zusammenklang. Für die Vernetzung mit dem Computer ist Buchla, vor allem wegen der verwendeten Line-Pegel, viel unkomplizierter als MOTM oder Eurorack.

Mehr über die Buchla Electric Music Box.


MOTM

MOTM-Module werden sowohl in (DIY) Einzelteilen als auch betriebsfertig angeboten. Hauptsächlich musikalische und technische Maxime bestimmen eine konsequente Form, die durch Erfahrungen und Analyse der Fehler der früherer modularer Systeme gestärkt erscheint und gleichzeitig einigermassen günstig ist (in den 70ern waren solche modularen Systeme geradezu unbezahlbar). Vor allem ist die hohe Qualität der verwendeten Teile zu erwähnen, die auch zu einer hervorragenden Audio-Qualität führt. Ein, im Verhältnis zum verbreiteteren Eurorack-, deutlich grösseres Format, welches aber eindeutig ergonomischer ist.

img Die festgelegte Erscheinungsform mit qualitativ hochwertigen, bedruckten Frontblenden lässt das ganze Instrument immer als Einheit erscheinen. Die Breite der Module ist so abgestimmt, dass 10 MOTM-U 19 Zoll ergeben. Die meisten Module sind 1 oder 2 MOTM-U breit. Die Höhe der Module ist 5 HE (22,225 cm). Die Bauweise ist beeindruckend robust und dadurch wohl auch lange haltbar.

Die MOTM-Szene ist stark von DIYern dominiert, aber auch als Ahnungsloser kann man Menschen finden, die die gewünschten Module herstellen. Die in den MOTM-Modulen verwendeten Schaltungen können (technisch) komplett eingesehen werden - auch das ist ein zentraler Aspekt bei MOTM. Hier ist ein wirklicher Vorzug dieses Formats - es lässt sich praktisch alles portieren, wenn es jemand bauen kann. Neue Frontplatten lassen sich relativ einfach erstellen. So existieren auch manche exklusiv freigegebene Platinen, wie ein LoPassGate von Don Buchla, für die es auch Frontblenden (von anderen Herstellern) gibt. Manche Firmen bieten ihr beliebtestes Modul direkt im MOTM Format an, wie Cynthia den Zeroscillator. Einige der populärsten MOTM-Schaltungen entstammen den Forschungen des, leider so früh verstorbenen, Nürnberger Elektronik-Gurus Jürgen Haible, von dem auch ich meine erste Reihe Module bekam. Dieser Mann schien so ziemlich jedes gute Gerät seit mindestens den sechziger Jahren analysiert und technisch nachvollzogen zu haben!

Mehr über den MOTM Modular Synthesizer.


Eurorack

Das kleine Eurorack-Format ist mit Sicherheit der unkomplizierteste und transportabelste Weg zum Modular-Synthesizer. Dominiert wird das Format von wenigen, grösseren Herstellern, deren Module zu sehr moderaten Preisen verkauft werden. Durch viele "Boutique"-Hersteller kann es aber auch deutlich teurer werden! Aufgrund der hohen Verbreitung dieses Formats existiert ein reger Gebrauchtmarkt.

img Besonders die einfache Transportabilität ist natürlich ein schlagendes Argument. Dieses Koffer-Instrument ist nur ca. 30x30x80cm gross, 16kg schwer und kann komplett verkabelt transportiert werden!

Das MOTM-Instrument mit etwa gleich vielen Modulen wäre bei gleicher Breite über 250 cm hoch und daher auch in mehreren Cases untergebracht.

Mehr über den Eurorack Modular Synthesizer.